Expertenmeinung
„Große Koalition ohne große Vision“

Das Handelsblatt befragte sechs renommierte ausländische Ökonomen zum Programm der neuen Regierung. Sie beschreiben ihre Erwartungen ans Kabinett Merkel, geben eine Prognose für Deutschland nach der großen Koalition ab und sagen, welche Themen Union und SPD vernachlässigen. Ihr Urteil fällt ernüchternd aus.

Am 22. November wird Angela Merkel zur Kanzlerin gewählt – ein guter oder ein schlechter Tag für die deutsche Wirtschaft?

Julian Callow, Barclays Capital, London: Es wird ein bittersüßer Tag. Tröstlich ist, dass ein unklares Wahlergebnis schnell überwunden wurde. Bedauerlich ist, dass die große Koalition keine große Vision hat, um tief greifende Veränderungen herbeizuführen.

Scott Livermore, Oxford Economic Forcasting: Der 22. November hat das Potenzial, der Anfang zu sein für bessere Tage. Die neue Regierung hat einige wirtschaftsfreundliche Maßnahmen versprochen, die den Wettbewerb erhöhen und Investoren ermutigen. Davon wird das Land profitieren. Aber die kurzfristigen Aussichten werden von der Etatkonsolidierung überschattet.

John Llewellyn, Lehman Brothers, London: Ein guter Tag insoweit, als dass Deutschland überhaupt wieder eine Regierung hat und die neue Kanzlerin grundsätzlich Strukturreformen befürwortet, die Deutschland dringend braucht. Aber auch ein unbefriedigender Tag, weil die Regierung nicht in der Lage sein wird, annähernd das zu beschließen, was nötig wäre.

Adam Posen, Institute for International Economics, Washingtion: Ein guter Tag – vor allem, weil viele deutlich schlechtere Ergebnisse möglich waren. Aber es wird kein Jubeltag werden, vor allem, weil wichtige Anliegen der Grünen und der FDP in der Koalitionsvereinbarung nicht berücksichtigt sind, weniger konstruktive Punkte der SPD dagegen schon.

Ondrej Schneider, Karlsuniversität, Prag/Institute of Economic Studies, Prag: Es ist ein Tag der Hoffnung, weil die Zeit des Wartens und Nichtstuns endet.

Charles Wyplosz, Hochschulinstitut für Internationale Studien, Universität Genf: Es wäre ein guter Tag, wenn die lange Periode der Unsicherheit zu Ende geht. Falls die Koalition aber instabil ist und die Unsicherheit nicht kleiner wird, wäre es ein schlechter Tag.

Seite 1:

„Große Koalition ohne große Vision“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Seite 6:

Seite 7:

Seite 8:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%