Expertenrat will Reform in Einzelfällen revidieren
Alte Rechtschreibung vor der Renaissance

Der Rat für deutsche Rechtschreibung bereitet sich in einem zentralen Punkt auf eine behutsame Rückkehr zu den alten Regeln vor. Wie die Geschäftsführerin des Rates, Kerstin Güthert, dem Handelsblatt bestätigte, hat eine Arbeitsgruppe des Gremiums eine Empfehlung ausgearbeitet, wonach Praxis und Regelwerk wieder zusammengeführt werden sollen. Der Rat will heute bei einer Sitzung entscheiden, ob er dieser Empfehlung folgt.

oli ZÜRICH. Konkret geht es bei diesem Treffen um einen zentralen Punkt der Reform, der von Medien und Verlagen in den vergangenen Monaten besonders scharf kritisiert worden war: die Getrennt- beziehungsweise Zusammenschreibung. Die Rechtschreibreformer hatten mit ihren neuen Regeln ursprünglich versucht, die zahlreichen Ausnahmefälle, die der Duden zu diesem Thema auflistet, zu streichen. Zusammengesetzte Verben sollten künftig auseinander geschrieben werden – aus kennenlernen wurde kennen lernen, aus heiligsprechen heilig sprechen. Weil diese Vereinfachung zu Fehlinterpretationen führen konnte, habe sie die Absicht der Sprachwächter nicht erfüllt, sagte Güthert und räumte „Akzeptanzprobleme der Neuregelung“ ein.

Eine komplette Rückkehr zur alten Regelung, die auch andere Punkte betreffen würde, wollen die Sprachwächter aber vermeiden. Dagegen hatten sich auch andere deutschsprachige Länder wie die Schweiz ausgesprochen, die ebenfalls in dem Gremium vertreten sind. Die eidgenössische Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Schweizer Parlaments hatte einer Rückkehr zur alten Rechtschreibung in diesem Monat eine Absage erteilt. Die alte Regelung habe zahlreiche Mängel aufgewiesen. Die Kommission räumte jedoch ähnlich wie Güthert ein, dass die neuen Regelungen nicht konsensfähig seien – und dringt seither auf eine „Anpassung“. Die neuen Regeln sollen am 1. August verbindlich in Schulen und Behörden eingeführt werden. Der Rechtschreibrat muss bis dahin noch strittige Fragen wie die Eindeutschung von Fremdwörtern sowie die Interpunktion klären.

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