Expertenurteil
„Das ist politische Insolvenzverschleppung“

Die Euro-Beschlüsse zu Griechenland werden ihre Wirkung wohl verfehlen. Politiker und Ökonomen bezweifeln, dass Maßnahmen wie ein Anleihenrückkauf aus der Krise führen. Der Bundestag soll dennoch sehr rasch zustimmen.
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BerlinBefreiungsschlag oder wirkungslose Rettungspolitik? Die Einigung der internationalen Geldgeber auf neue Hilfen für Griechenland stößt auf massive Skepsis. Insbesondere der Vorschlag eines Anleiherückkaufs durch die Griechen wird als wenig überzeugend gesehen. Die langwierigen Verhandlungen hätten schon gezeigt, wie „schwierig“ es sei, für Griechenland mehr Geld aufzutreiben. „Als operatives Risiko in diesem Plan sehe ich noch die Anleiherückkäufe, konkret, ob sich genügend Verkäufer finden lassen“, sagte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, Handelsblatt Online.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, lehnt diese zentrale Rettungsmaßnahme generell ab. „Der Anleiherückkauf ist ein weiteres Subventionsprogramm für Finanzinvestoren, die auf einen Rückkauf der griechischen Anleihen spekuliert haben“, sagte Schäffler.

Durch die ausgehandelten Maßnahmen soll die Schuldenquote Griechenlands bis 2020 auf 124 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. Schäffler sagte dazu, 124 Prozent hätten nach den alten Regeln bereits nicht ausgereicht, um Griechenlands Schulden tragfähig zu machen. „Die ständige Neudefinition von Regeln und Vereinbarungen ist die Ursache der finanziellen Instabilität und hat uns auch eine Instabilität des Rechts beschert“, sagte der FDP-Politiker. „Der Euro wird erst dann wieder eine ernsthafte Währung, wenn wir statt ad hoc-Politik nach Bedürfnis zu machen, uns wieder an Recht und Vereinbarungen halten.“

Auch Dekabank-Chefökonom Kater zweifelt an der Nachhaltigkeit der jetzt beschlossenen Rettungsmaßnahmen. „Dass die Schuldenquote des Landes wie geplant sinkt, ist nach den bisherigen Erfahrungen unwahrscheinlich“, sagte er. „Ich gehe davon aus, dass es in den kommenden Jahren zu mehr oder weniger verdeckten Schuldenerlassen oder Transferzahlungen an Griechenland kommen wird“, fügte der Volkswirt hinzu. „Die Frage ist nur, ob es den Geldgebern dabei in irgendeiner Weise gelingen wird, auf das Land Einfluss zu nehmen, leistungsfähiger und wettbewerbsfähiger zu werden.“

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  • aehr richtig, gANZ legale Notwehr! Nur schade, daß Sie ein schlechtes Gewissen deswegen haben, das ist absoluter Schwachsinn, bitte, bitte, hören Sie mit solchem unpolitischen Umerziehungsunsinn auf, es ist doch schon 10 Min. nach Zwölf!

  • Sie sind einfach nur gutgläubig, obwohl Sie doch die DDR-
    Erfahrung haben! Glauben Sie auch noch. Honecker, Mielke und Genossen waren auch guter Dinge, wußten nichts von der Realität, also das, was Sie Juncker oder Schäuble zubilligen?
    Nein, mein Lieber, Sie sind hier völlig auf dem Holzweg, die von Ihnen kritisierte Margritt hat mit ihrer vernichtenden Kritik völlig recht, diese Politverbrecher wissen ganz genau, was sie tun, daß sie uns ein ein völliges Desaster führen! Infolgedessen müssen sie moralisch jetzt schon verurteilt werden, genau so jene, oder diesselben, die anscheinend gutgläubig Sarrazin und Buschkowsky kritisieren, auch jene Politiker, Journalisten und Juristen wissen ganz genau, daß sie unser Volk zerstören mit ihrer "Tolleranz" gegenüber dem Islam und seinen politischen Herrschaftsansprüchen! Deutschland hat sich schon abgeschafft, menschlich und finanziell, und die <"Elite"
    weiß es ganz genau. Wie auch Dr. Ulfkotte schreibt, ein Nürnberg 2.0 muß her, diese Wahnsinnigen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Es tut mir leid, daß ich Sie kritisieren muß, weil sie ja unser deutsches Elend auch begriffen haben, aber meine Kritik an Ihrer
    Naivität was die Schuldigen anbelangt ist "alternativlos"!

  • Im Zuge der "Deutschen Wiedervereinigung" haben die westlichen "Siegermächte" den deutschen Tölpel über den Tisch gezogen! Jedem, der sich mit Wirtschafts- und Währungspolitik befasst hat, müßte eigentlich klar sein, dass sich stark unterschiedlich strukturierte und entwickelte Volkswirtschaften nicht in einem starren Währungsverbund verkoppeln lassen. Auch ein Eisenbahnzug mit fest zusammengeschweißten Waggons kommt nicht um die nächste Kurve!

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