Exzellenzinitiative
Hochschulen: Nun muss die Lehre exzellent werden

Endspurt in der Exzellenzinitiative: Am heutigen Donnerstag trifft die Wissenschaft ihre Vorauswahl - am Freitag entscheiden Wissenschaft und Politik dann gemeinsam, welche Hochschulen sich künftig Elite nennen dürfen - und jährlich rund 21 Mill. Euro zusätzlich erhalten. Nun fordern die Hochschulrektoren auch eine Qualitätsoffensive für die Lehre.

BERLIN. Weil die Exzellenzinitiative jedoch nur die Forschung fördert, drängen die Hochschulen auf einen Aufwertung der Lehre. Unmittelbar vor der Endausscheidung der Exzellenzinitiative bezeichnete die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, den mit 1,9 Mrd. Euro dotierten Wettbewerb als „Riesenchance und Riesenanschub“ für die Hochschulen. Mit der Förderung könnten sie „wieder stärker zu Zentren des Wissenschaftssystems werden“. In der Vergangenheit hatten die unterfinanzierten Hochschulen hier gewaltig Boden gegenüber außeruniversitären Forschungseinrichtungen verloren. So wirken auch die beiden jüngsten deutschen Nobelpreisträger, Peter Grünberg (Physik) und Gerhard Ertl (Chemie), nicht an Universitäten sondern einem Max-Planck- und einem Helmholtz-Institut. Die Exzellenzinitiative soll dazu beitragen, dass „in einigen Jahren unsere Nobelpreisträger wieder häufiger an Universitäten forschen“, sagte der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Wedig von Heyden.

Mit Blick auf die Budgets, die der internationalen Konkurrenz zur Verfügung hat, nehmen sich die Mittel der Initiative jedoch eher bescheiden aus. Der Nobelpreisträger Ertl nannte sie gar „einen Tropfen auf dem heißen Stein“. Auch der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und heutige Generalsekretär des Europäischen Forschungsrates, Ernst-Ludwig Winnacker, hatte immer wieder betont, eigentlich könne sich Deutschland nur maximal drei echte Elite-Unis leisten.

Als Favoriten unter den acht Bewerbern werden in Hochschulkreisen vor allem die älteste deutsche Universität in Heidelberg, die Universität Freiburg und die Rheinische-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) gehandelt - sowie die Freie Universität Berlin. Allenfalls Außenseiterchancen werden hingegen der kleinen Uni Konstanz sowie der Ruhr-Uni Bochum zugestanden. Völlig offen ist, wie viele Elite-Unis es am Ende geben wird. Die Mittel sind auf bis zu zehn kalkuliert.

Neben der Frage nach der unverzichtbaren Exzellenz steht jedoch zumindest hinter den Kulissen auch die Frage der regionalen Verteilung im Raum. Nicht zufällig hat bereits die Kanzlerin selbst davor gewarnt, regionalpolitische Überlegungen dürften keine Rolle im Wettbewerb spielen. In der ersten Runde war es zum Eklat gekommen, weil nur drei süddeutsche Universitäten zum Zug kamen. Länder wie Schleswig-Holstein hatten daraufhin gegen „Seilschaften“ gewettert. Auch deshalb gilt es etwa als schwer vorstellbar, dass keine der beiden Berliner Universitäten in der zweiten Runde reüssiert.

Neben der Zusatzförderung der Forschung durch die Elite-Unis drängt die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) jedoch auf eine „Qualitätsoffensive“ in der Lehre. Vor allem die im internationalen Vergleich schlechte Betreuungsrelation müsse verbessert werden, sagte HRK-Präsidentin Wintermantel: „Seminare mit 195 Lehramtsanwärtern - das geht nicht“. Konkret wollen die Rektoren, dass das heutige Verhältnis von 52 Studenten pro Professor „in den nächsten fünf Jahren halbiert wird“, sagte Wintermantel nach einer Sitzung des HRK-Senats.

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