EZB als Euro-Ausputzer?
„Draghi ist ein Plünderer des Bürger-Spargroschens“

Dass der EZB-Chef die Hoffnung auf ein stärkeres Eingreifen der Zentralbank im Kampf gegen die Schuldenkrise nährt, stößt in Berlin auf harsche Kritik. Koalitionspolitiker greifen Draghi frontal an.
  • 109

BerlinPolitiker von CDU und FDP haben mit großer Sorge die Ankündigung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zur Kenntnis genommen, der eine weitere Unterstützung für die Krisenstaaten der Euro-Zone signalisiert hat. „In der Logik der vermeintlichen Retter ist klar, wenn die Schuldenschirme an ihre Grenzen kommen, dass dann Super Mario mit der dicken Berta kommt“, sagte der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, Handelsblatt Online. Gerade deshalb sei das Inflationsszenario am Ende das wahrscheinlichste. „Draghi ist aber kein Retter, sondern ein Plünderer des Spargroschens der Bürger.“

Auch der CDU-Haushälter Klaus-Peter Willsch reagierte mit Befremden auf die Aussagen Draghis. „Eine erhöhte Inflationsrate wird unweigerliche Folge dieser Geschäftspolitik der EZB sein“, sagte Willsch Handelsblatt Online. „Die Vorzeichen sind bereits deutlich zu sehen: Entwicklung von Immobilienpreisen an den guten Standorten, die Preise von landwirtschaftlichen und Forstflächen, Gold, Münzsammlungen, Oldtimern usw. zeigen, dass die Flucht in Sachwerte längst begonnen hat.“ Nicht umsonst mahne Bundesbankpräsident Jens Weidmann unaufhörlich vor den Folgen der derzeitigen EZB-Politik.

Draghi hatte zuvor erklärt, innerhalb ihres Mandats sei die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. "Und glauben Sie mir, das wird ausreichen", sagte auf einer Investorenkonferenz in London.  Sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, "fällt das in unser Mandat". Anleger und Experten spekulieren darauf, dass die EZB nun wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft und so deren extrem hohe Zinskosten drückt.

Draghi erhielt für seinen Vorstoß umgehend Beifall vom französischen Finanzminister Pierre Moscovici, der die Äußerungen als "sehr positiv" bezeichnete. An den Märkten wurde das Vorpreschen des obersten Währungshüters gefeiert: Der Euro-Kurs zog deshalb kräftig an, die europäischen Aktienmärkte bauten ihre Gewinne aus. Die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen lagen mit 7,026 und 6,064 Prozent jeweils etwa einen halben Punkt unter ihren Rekordhochs vom Vortag.

Willsch betonte, Zinsen müssten in erster Linie Ausdruck des Risikos sein, das ein Investor eingehe. „Die Märkte lassen sich nicht durch immer neue Schulden beeindrucken“, warnte der CDU-Politiker. „Das Geld wird nicht wie Goldtaler vom Himmel fallen, sondern muss erwirtschaftet werden.“ Nicht umsonst sähen die Ratingagenturen den Ausblick auf die deutsche Kreditwürdigkeit negativ.

Kommentare zu " EZB als Euro-Ausputzer?: „Draghi ist ein Plünderer des Bürger-Spargroschens“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Daraghi wäre nie, ohne von der realen Mafia geschoben zu werden, auf seinen Posten gekommen. Sogar bei Politikern der sog. "Christdemokraten", wie Aldo Moro, hatte sie ihre Finger drin.

    Ein weiteres: die Roten in Europa sind Meister darin, Schulden zu verstaatlichen, und Gewinne durch die "Eliten" verschieben zu lassen: siehe Papandreou, Hollande, unser Schröder mit Philipp Holzmann usw. Nomen es omen: Draghi ist nicht nur ein Drache, sondern ein ganzes Nest davon, der uns unser Geld hinterlistig stiehlt. Das BVerfG kann sich sein Urteil sparen, Deutschlands Bonität ist ohnehin demnächst nur noch AA. Armes Deutschland, du hast immer noch den Krieg verloren und mußt blechen, bis du schwarz wirst!

  • High Noon:

    Meine Frau und ich haben vor 24 Jahren 2 höhere Lebensversicherungen abgeschlossen, um für die Zeit als Rentner vorzusorgen. Die Laufzeit geht nur noch ein paar Jahre. Aber in diesen letzten Jahren nimmt der Wert erst richtig zu.

    Die LV jetzt aufzulösen ist deshalb vollkommen idiotisch. Doch die Zeit für das von uns Ersparte scheint wegen der Geschenke "an den Süden" abzulaufen.

    Die Zeit der letzten "Entscheidungsschlacht" - "Gut": diejenigen, die sich ihren Besitz sauer erspart haben gegen "Böse" - die sich jahrzehntelang zur Dauersiesta unter die Olivenbäume gelegt haben und jetzt, wo das faule Leben so nicht weiter gehen kann, des Nachbars Früchte aus dem Garten klauen (wollen).

    Wenn ich mir die Herrn Draghis, Herrn Hollandes, Herrn Schäubles etc. "Bazooka-Pläne" so anschaue, dann werden sie wohl mit "meinem Geld" feuern. Sei es durch die Billigung einer steigenden Inflation oder anderer Wohltaten zum Schutz der "unschuldig" vom Schicksal geschlagenen Südländer. (Ich nehme dabei aber ausdrücklich die Norditaliener aus).

    Leider ist Frau Merkel keine Maggie Thatcher die sich "tatsächlich" für ihre Landsleute ins Zeug gelegt hat (I want my money back) sondern ein Waschlappen.

    Es gibt keinen Sheriff Will Kane (Gary Cooper) in der Stadt, der uns gegen den Gangster Frank Miller (Draghi) und die 3 Verbrecherkumpane (passende Namen südeuropäischer Politiker inklusive Hollande) kann sich jeder selbst ausdenken) wie in 12 Uhr mittags hilft.
    Also was tun? Ich weiß nur eins: Wer mich ausraubt, der muss dafür auch bestraft werden. Egal wie.

  • Es reicht - raus aus dem Euro!
    Deutschland wird hinterrücks die Brieftasche entwendet. Kein Bundestag kann darüber abstimmen.
    Kein Versfassungrichter ein Wort dazu verlieren.

    Draghi, der Dieb im Auftrag der Bankenmafia, ist kein Ehrenmann sondern ein Gauner, der seine schmutzigen Finger nach den Sparschweinen der Deutschen und aller Europäer ausstreckt.
    Merkel und Schäuble schaffen es nicht das zu verhindern und machen gute Miene zum bösen Spiel.

    Es ist aber nicht nur ein internes Poblem von Europa. Es ist ein Weltfinanzkrieg im Gange und Europa hat da keine Antworten zu bieten ausser ein weiter so.
    Dadurch wird Europa ein Übernahmekandidat.
    Also ändern wir die Rahmenbedigungen: lassen wir den Euro los - sonst werden wir mit hinabgezogen.
    Ansonsten geben wir unsere Souveränität auf wie die Griechen.
    Lieber ein Ende mit Schrecken ...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%