EZB-Direktorium
Lautenschläger mit besten Chancen auf Asmussen-Job

Die SPD landet einen Coup: EZB-Direktor Asmussen geht als Staatssekretär in das Ministerium von Andrea Nahles. Ein Wechsel, der private Gründe haben soll. Finanzminister Schäuble hat schon einen Nachfolger im Visier.
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Berlin/FrankfurtAls Wunschkandidatin für die Nachfolge des scheidenden EZB-Direktoriumsmitglieds Jörg Asmussen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger im Blick. Das erfuhr das Handelsblatt aus Ministeriumskreisen. „Als ausgewiesene Bankenaufseherin ist Frau Lautenschläger die beste Kandidatin für diese Aufgabe“, hieß es dort. Außerdem soll Lautenschläger Vizechefin der künftig bei der Europäischen Zentralbank angesiedelten Bankenaufsicht werden. Lautenschläger ist seit Juni 2011 Bundesbank-Vizechefin. Zuvor war sie als Exekutivdirektorin für Bankenaufsicht bei der Finanzaufsicht Bafin tätig.

Am Montag sagte Schäuble zur Personalie Lautenschläger im „Deutschlandfunk“: „Sie ist eine herausragende Vizepräsidentin der Bundesbank“. Lautenschläger habe zudem „ganz große Erfahrungen“ im Bereich Bankenaufsicht, in dem die Europäische Zentralbank (EZB) zusätzliche Aufgaben übernimmt. Sie mit der Asmussen-Nachfolge zu betrauen, wäre „sicherlich eine gute Überlegung“.

Die Bundesregierung werde einen Vorschlag machen, dem dann die anderen Euro-Länder zustimmen müssten. Zum geplante Wechsel von Asmussen als Staatssekretär ins Arbeitsministerium sagte Schäuble. „Das finde ich toll. Er ist ein guter Mann.“ Asmussen sei eine Bereicherung für die Bundesregierung.

Am Sonntag war bekannt geworden, dass EZB-Direktor Jörg Asmussen als Staatssekretär in das Bundesarbeitsministerium unter der designierten Ministerin Andrea Nahles (SPD) wechselt. „Ich freue mich sehr, dass Jörg Asmussen beamteter Staatssekretär werden wird und seinen großen Erfahrungsschatz aus bisheriger exekutiver Arbeit mit vollem Einsatz in diesem zentralen Ministerium einbringen will“, sagte Nahles am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Asmussen selbst betonte in einer Erklärung, die Gründe für seinen Wechsel seien rein privater Natur.

Er habe das Angebot der neuen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gerne angenommen. Das Ressort habe das größte Budget. Er werde zusammen mit Nahles eine moderne Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik gemäß des Koalitionsvertrages umsetzen.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, bedauert den Wechsel. Asmussen sei in den vergangenen zwei Jahren bei der Gestaltung der Geldpolitik eine „enorme Hilfe“ gewesen. „Ich persönlich werde ihn vermissen“, sagte Draghi in einer am Sonntagabend von der EZB verbreiteten Erklärung.

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„Deutschland wird eine Nachbesetzung machen“

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  • Was regt Ihr Euch denn alle so auf?
    Wer in welches Amt kommt, ist doch ohnehin egal.
    Diese ganze Regierung ist doch ein einziges Lügengbäude.
    Mengelweise Laien und Leute die noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben, bestimme über uns und erhalten dann Pensionen, wo jeder Normalbürger nur von träumt

  • Assmussen unter Nahles für Arbeit und soziales? dass ist nun wirklich der Offenbarungseid. Und ob Frau Lautenschläger nicht nur auf dem Papier die richtige Frau für den Posten ist, darf jedoch bezweifelt werden. Ihre Funktion als Leiterin der Abteilung „Aufsicht über Großbanken und ausgewählte Kreditbanken“ hatte Lautenschläger von 2005 bis 2008 inne. Unter ihrer Überwachung konnten die deutschen Banken also erst die toxischen Papiere in ihre Bilanzen nehmen, die ihnen am Ende von Lautenschlägers Amtseid in diesem Ressort um die Ohren flogen und den Steuerzahler eine dreistellige Milliardensumme kosten werden. Dafür gilt Lautenschläger jedoch als „gut vernetzt“ mit den deutschen Banken und darum geht es ja offenbar letzten Endes. Quelle NDS

  • diese Begründung von Asmussen ist äusserst fadenscheinig! Eher verlässt er ein angeschlagenes Schiff. Die Folgen der EZB-Politik für Deutschland werden zukünftig immer stärker sichtbar. Da ist es wohl besser, als SPD-Partiesoldat rechtzeitig einen ruhigeren Posten zu suchen, auch wenn der unter Niveau des bisherigen liegt. Für uns ist das besser, gibt es jetzt doch weniger Widerspruch für Weidmann, der die deutschen Interessen als einziger vertreten hat.

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