Facebook-Deal: Datenschützer empfehlen Boykott von WhatsApp

Facebook-Deal
Datenschützer empfehlen Boykott von WhatsApp

Gegen die Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp durch Facebook formiert sich massiver Widerstand. Experten sehen den Datenschutz in Gefahr, die Grünen melden wettbewerbsrechtliche Bedenken an.
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BerlinAls Konsequenz aus dem Kauf des Kurznachrichtendienstes WhatsApp durch Facebook empfiehlt der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), Thilo Weichert, diese Angebote künftig nicht mehr in Anspruch zu nehmen. „Ich warne davor, die beiden Dienste zu nutzen und empfehle deutsche oder sonstige europäische Angebote zu verwenden“, sagte Weichert Handelsblatt Online. „Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen.“ Dies könnten nur Unternehmen sein, die einem wirksamen Datenschutzregime unterliegen und die transparente technische Sicherungen vorsehen.

WhatsApp sei eine „Datenschleuder, die technisch nicht ausgereift ist“, sagte Weichert weiter. „Die Datenlecks sind problematisch, zumal die App Adressbücher ausliest.“ Er gehe davon aus, dass Facebook nun die Daten der WhatsApp-Nutzer für kommerzielle Zwecke ausbeutet. „Facebook kann sich diese Daten nun greifen, um damit Geld zu verdienen.“

Der für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar kündigte an, bei dem kalifornischen Unternehmen nachzufragen, wie der Datenschutz künftig bei WhatsApp eingehalten werde. „Auch wollen wir wissen, ob die Datenmengen von Facebook und WhatsApp zusammengeführt werden“, sagte Caspar dem Handelsblatt. So etwas müsse dann in den Datenschutzbestimmungen transparent dargestellt werden. Bislang sei WhatsApp für Datenschützer eine „Blackbox,  bei der wir nicht wissen, ob dort auch das europäische oder gar das deutsche Datenschutzrecht eingehalten wird“.

Nach Angaben von Facebook beträgt der Kaufpreis für die Kurznachrichten-Anwendung insgesamt 19 Milliarden US-Dollar. WhatsApp ist ein Programm für Smartphones und hat sich als Alternative zur SMS etabliert. Es ermöglicht das Versenden von Kurznachrichten, Fotos und Audiodateien über eine Internetverbindung. Das Programm hat nach eigenen Angaben mehr als 450 Millionen Nutzer. Durch die Übernahme soll sich für die Nutzer nichts ändern. Nach wie vor solle keine Werbung die Kommunikation unterbrechen, teilte WhatsApp mit.

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  • Whats-Depp Benutzer haben ein Bedürfniss, alles zu teilen mit Leuten die sie nicht kennen. Wenn es im zweiten Weltkrieg dies Art der Kommunikation gegeben hätte mal so gesponnen, wäre das Stoff für Filme von Commedy bis Trgödie. Z.B der Russe und Deutsche Soldat die in den Ruinen Stalingrads für eine Weile ihr Brot teilen sich per Handy aufnehmen und um die Welt schicken.

  • Das wäre wohl wirklich nicht so schlimm. Sie dürfen aber nicht davon ausgehen, dass alles so friedlich bleibt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir wieder ein radikales System haben wie im dritten Reich. Diesem stehen dann sofort sämtliche Daten zur Verfügung wenn sie bestimmte Menschengruppen der Vernichtung zuführen wollen.
    Anonymität gewährt die höchste und einzige Sicherheit.

  • Und während man in Deutschland oder meinetwegen Europa über Datenschutz und Verhinderung von Monopolbildungen sinniert, entstehen in den USA Weltkonzerne, die Arbeitsplätze schaffen, Trends setzen etc. Es ist immer das gleiche. Da erscheint mir der amerikanische Pragmatismus doch erheblich cleverer.

    Ich kann dabei auch weder den Nutzeranspruch an maximalen Datenschutz nachvollziehen, wenn mir das so wichtig ist, darf ich Facebook und Co. einfach nicht nutzen, noch hat mir bislang jemand plausibel erklärt, worin denn die genaue Gefahr bestehen soll. Meiner Beobachtung nach geht es primär um Werbung, das hat Google schon vor Jahren vorgemacht, als es Facebook noch kaum gab. Damit machen diese Unternehmen Umsatz und Gewinn. Und die soll eben möglichst zielgruppenspezifisch geschaltet werden, was umso besser gelingt, je mehr ich über einen Kunden weiß. Dann bekomme ich also doch tatsächlich Werbung für Dinge auf den Schirm, die mich möglicherweise tatsächlich interessieren. Ach wie schlimm...

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