Facebook-Diskussion zu Flüchtlingsunglücken
„Die Boote mit allen erdenklichen Mitteln am Auslaufen hindern“

Wie können weitere Bootstragödien mit Hunderten Vermissten und Toten vermieden werden? Eine Frage, die die Menschen bewegt – und auf der Facebook-Page des Handelsblatt kontrovers diskutiert wird.
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DüsseldorfImmer neue Flüchtlingsunglücke auf dem Mittelmeer erschüttern Europa. Viele Menschen reagieren schockiert und ratlos. Bei Facebook haben wir die Frage gestellt, was passieren müsste, damit weitere Bootstragödien mit Hunderten Vermissten vermieden werden können.
„Wie in der EU bereits diskutiert: Auffangcamps in Nordafrika für Flüchtlinge, damit diese keinen Anreiz mehr haben, auf maroden Booten über das Mittelmeer zu reisen“, meint Robert Blum. In den Camps solle dann auch über ein Asylrecht entschieden werden. „Unabhängig davon sollte man die Lage vor Ort stabilisieren, denn es ist ja nicht die Lösung, wenn die afrikanische Bevölkerung mehrheitlich nach Europa auswandert, dann brechen dort erst recht die Systeme zusammen.“

Jochen Mößner ist der Meinung, es sei „der falsche Weg, wenn wir und alle europäischen Staaten die Flüchtlinge aufnehmen“. Denn dadurch eskaliere die Situation erst recht. Es müsse vor Ort geholfen werden, damit die Menschen erst gar nicht aus ihrer Heimat flüchten müssten. „So wie es im Moment läuft, wird den Betroffenen nicht geholfen, sondern es werden nur kriminelle Schlepperbanden unterstützt. Dagegen muss etwas unternommen werden.“

Reinhard Herrmann berichtet von der Situation vor Ort: „Ich lebe hier zeitweise mehrere Monate in der Elfenbeinküste und bekomme hautnah mit was in punkto ‚Ausreise‘ in die EU unternommen wird. Ganze Familien verschulden sich und verkaufen ihr ganzes Hab und Gut zu Schleuderpreisen, um es einem der Ihren zu ermöglichen, in die doch so hochgelobte EU zu kommen.“

Sei das Familienmitglied dann in Europa angekommen, sähe es sich mit „niemals zu erfüllenden Erwartungen konfrontiert“. Mit einem Hilfsarbeiterjob könne ein Flüchtling „nie und nimmer“ tausende von Euro pro Jahr in die alte Heimat schicken.

„Das schürt dann das Misstrauen zusätzlich zu schon vorhandener sozialer Eifersucht gegenüber der Familie, die 'jemanden in der EU' hat.“ Europa sei vor allem für Un- und Halbgebildete immer „noch das Schlaraffenland“. Deswegen, meint Reinhard Herrmann, müssten die Boote „mit allen nur erdenklichen Mitteln“ schon am Auslaufen gehindert werden. „Sonst endet das nie und wird nur noch schlimmer.“

Jörg de Bruyn sieht das anders: „Hier muss sich das Konsumverhalten grundlegend ändern, während dort das Bildungsangebot verbessert sowie Produktions- und Industriezweige eröffnet werden müssen“, schreibt der Facebook-Nutzer. „Demokratie findet im Kopf statt, nicht mit dem Gewehrlauf.“

Und Mandy Sommer kommentiert: „In den Ländern muss sich was ändern, mit den Leuten zusammen, nicht wegrennen und Asyl beantragen, sondern Hilfen annehmen und das Land umgestalten und aufbauen.“

Was ist Ihre Meinung? Was müsste passieren, damit weitere Bootstragödien mit Hunderten Vermissten und Toten vermieden werden können? Welche Lösungen sehen Sie? Schreiben Sie uns!

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

Kommentare zu " Facebook-Diskussion zu Flüchtlingsunglücken: „Die Boote mit allen erdenklichen Mitteln am Auslaufen hindern“"

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  • Es gibt noch immer die Möglichkeit, dass wir die Regierungssystem beseitigen, die hierfür verantwortlich sind und zwar am Ursprungsort in Schwarz-Afrika.

    Als es ums Öl ging, hatte der Westen auch kein Problem, die Regierungen in Nordafika und Irak zu beseitigen, aber jetzt wo es um die Menschlichkeit geht, da argumentiert man damit, dass man sich nich in fremde angelegenheiten einmischen kann.

  • Der Beitrag stimmt.
    Es muß aber noc mehr getan werden. Bis ins letzte afrikan. Dorf muß übe TV verkündet werden, dass niemand mehr in Deutschland Asyl erhält.
    Außerdem muß die westliche Welt aufhören den afrikan. Kontinent auszubeuten

  • Gegen das Sterben von Menschen können WIR keine Lösung anbieten, da dies zu einem großen Teil mit dem Bevölkerungswachstum einhergeht.

    Fakt ist: Die Welt ist endlich, Land ist endlich, Ressourcen sind es. Arbeitsplätze/Wohnungen/Infrastruktur sind zwar nicht endlich, wachsen aber nicht schnell genug mit. Wenn nun die Bevölkerung exponentiell wächst und schon am Limit ist, was dann? Wenn es deswegen Kriege und Hunger gibt?
    Es wird - solange das Bevölkerungswachstum anhält - immer darauf hinauslaufen, dass irgendwann ein Limit erreicht wird, bei dem Menschen unfreiwillig zu Tode kommen. Denn unbegrenztes Wachstum ist von Natur aus unmöglich. Ändern können das nur die betroffenen Länder selbst, wir können ja keine Familienpolitik erzwingen.

    Wir haben nur zwei Alternativen. Entweder wir öffnen die Grenzen, dann findet solange Migration statt bis wir hier das gleiche Niveau haben, wie in den Herkunftsländern: Armut, Überbevölkerung, Elend.

    Die andere Variante ist abschotten. Doch natürlich werden - immer - Menschen sterben, aber das passiert so oder so bei ständig wachsender Bevölkerung. Wenn nicht an den Grenzen, dann eben durch Hunger oder Konflikte in den Heimatländern. Ändern müssen sich die Herkunftsländer selbst, das ist die einzige Lösung - aber das liegt nicht in unserer Macht.

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