Facebook-Party der CSU
Seehofer feiert offline

Ein Experiment wagte CSU-Chef Seehofer, indem er per Facebook zu einer Party einlud. Den Kontakt zu netzaffinen Wählern konnte er so aber nicht herstellen. Denn vor allem Journalisten kamen in eine Münchener Diskothek.
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MünchenEs hätte ein rauschendes Fest werden können: 2500 geladene Facebook-Freunde, mehrere Hektoliter Freibier und mittendrin CSU-Chef Horst Seehofer im Münchener Schickeria-Club P1. Seehofer, der oberbayerische Hedonist mit Internetanschluss. Diese Seite hatte der bayrische Ministerpräsident in der Vergangenheit gut vor der Öffentlichkeit zu verstecken gewusst. Angesichts sinkender Umfragewerte für Bayerns Volkspartei und neuer Politkonkurrenz in Form der Piraten aus dem Cyberspace wollte Seehofer einmal auf Tuchfühlung mit den „Digital Natives“ gehen und lud kurzerhand sämtliche seiner Facebook-Anhänger zum Umtrunk ein. Und das ging schief.

Statt den jungen Wilden, den Cyber-Nerds und Netzwelt-Tummlern, tauchten auf der Party am Dienstag eine andere Spezies auf: Journalisten. Die Zahl der Pressevertreter überstieg die Zahl jener Besucher, die aus Begeisterung für den CSU-Chef angereist waren um ein Vielfaches. Bei Freibier und Clubsounds standen sich die Journalisten die Beine in den Bauch und gierten nach potenziellen Interviewpartnern. Und selbst wenn mal einer gefunden wurde, mochte der erhoffte Funken vom digitalen Aufbruch nicht überspringen. Das Publikum, einheitlich mit roséfarbenem Seidenschal und einem Tick zu viel Make-up (Frauen) respektive Karohemd und Wohlstandsbauch (Männer) angetreten, wirkte eher wie der harte Kern vom CSU-Ortsverein München-Schwabing , denn wie die Vorboten einer jungen netzaffinen CSU-Generation. 

Beim Gros der eigentlich anvisierten Klientel, den Facebook-Nutzern, löste Bayerns Ministerpräsident hingegen keine Begeisterungsstürme aus. In den Facebook-Kommentaren im Vorfeld der München-Party gaben sie sich christsozialer als der CSU-Chef selbst und moserten, ganz ordnungspolitisch, darüber, dass die Sause den Steuerzahler wohl eine ganze Stange Geld kosten werde. Andere wiederum erbosten sich, ganz eigennützig, darüber, dass Seehofer die Gästeliste bereits nach 2500 Anmeldungen schließen lies.

Ähnlich kontrovers wurde von der Politkonkurrenz quittiert. Die Party sei „an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten“, sagte Florian Pronold, Vorstand der Bayern-SPD, dem Handelsblatt. Bei der Schwesterpartei gab man sich hingegen betont maulfaul.  Aus gutem Grund: Noch in der letzten Sommerpause hatte sich etwa Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann. (CDU) die Zeit damit vertrieben, laut in der Öffentlichkeit darüber nachzudenken, wie man postmoderne Phänomene wie eben jene spontane Facebook-Massenpartys verhindern könne. Ob Seehofers Social-Media-Vorstoß eine guter Einfall sei, ließ Schünemann am Dienstag daher lieber unkommentiert. Man wolle sich nicht in innere bayerische Angelegenheiten einmischen, hieß es mit Augenzwinkern aus Hannover.

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