Facebook
Wie ein Aufruf zur Anti-Prism Demo verschwindet

Unter rätselhaften Umständen verschwindet der Facebook-Aufruf zu einer Anti-Prism Demo in Frankfurt. Die Organisatoren sprechen von Zensur, doch Facebook sagt: „Warum sollten wir ein Event löschen?“
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DüsseldorfJan-Martin Zimmermann ist zurzeit ziemlich beschäftigt. Ständig muss er Telefoninterviews geben, Fragen beantworten und dabei auch noch eine Demonstration gegen die digitale Überwachung durch Nachrichtendienste und die Privatwirtschaft vorbereiten. Auf ein wichtiges Hilfsmittel bei der Organisation der für Samstag geplanten Demonstration in Frankfurt muss das Mitglied des Aktionsbündnis gegen Überwachung seit Donnerstagnachmittag verzichten – die Einladung auf Facebook.

„Ich wollte gerade etwas posten und plötzlich waren völlig ohne Warnung der Account und die Veranstaltung abgeschaltet“, sagt Zimmermann. Dabei ist nicht irgendeine Veranstaltung, die verschwunden ist. Mehr als 500 Teilnehmer hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon auf der Seite versammelt, zur Demonstration haben sich Politiker wie Tarek Al Wazir (Grüne) oder FDP-Politiker Jörg-Uwe Hahn als Redner angekündigt. Zimmermann schickt einen Hilferuf per Twitter in die Welt, die Sache wird publik, erste Medien berichten. Auch zu Facebook nimmt er Kontakt auf, versucht die Angelegenheit zu klären.

Einen Tag später wartet er immer noch auf eine Antwort: „Facebook hat nach wie vor keinen Kontakt zu uns aufgenommen“, sagt er etwas resigniert. Eine Vermutung, warum seine Veranstaltung im digitalen Nirvana gelandet ist, hat er auch. „Ich vermute, dass so etwas nicht erwünscht ist“, sagt er. „Wir demonstrieren nicht nur gegen Überwachung durch Geheimdienste, sondern auch gegen Überwachung durch Privatunternehmen wie Facebook.“ Dass seine Seite gegen die Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks verstoßen haben könnte, glaubt er nicht. „Da waren natürlich Diskussionen auf der Seite. Aber keine Hetze und nichts Verfassungsfeindliches.“

Gegenüber Handelsblatt Online verneint Facebook die Löschung der Seite. „Wieso sollten wir ein Event löschen?“, fragt Sprecherin Tina Kulow. Es habe mehrere Gründe, warum Events auf Facebook manchmal nicht mehr sichtbar seien. Etwa, wenn sie ein Nutzer als Spam melde oder ein falsches Profil zur Erstellung genutzt wurde. Um welchen Grund es sich beim verschwundenen Event von Jan-Martin Zimmermann handelt, sagt sie auf Nachfrage nicht. Aber: „Ich rechne damit, dass es bald wieder sichtbar ist.“

Es sei nicht die Politik von Facebook, politische Diskussionen oder Kritik zu unterbinden. „Viele Millionen Beispiele zeigen, dass eine kritische und vielschichtige Diskussion zu kontroversen Themen auf Facebook stattfindet“, sagt Kulow. „Solche Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht.“

Jan-Martin Zimmermann will sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben. „Dann sollte es für Facebook ja keine Schwierigkeit darstellen, die Veranstaltung wieder herzustellen.“ Doch am frühen Freitagnachmittag ist seine Veranstaltung immer noch gesperrt – die Resonanz auf die mittlerweile angelegte Ersatzseite ist gering. Doch er will nicht aufgeben und sieht in der Aktion nur einen weiteren Grund, gegen Überwachungsstaat und –Systeme auf die Straße zu gehen.

Wie in Frankfurt planen Aktionsbündnisse am Samstag unter dem Motto #StopWatchingUS bundesweit Demonstrationen gegen die Überwachung durch Nachrichtendienste wie die NSA oder das britische GCHQ.

Till Simon Nagel
Till Simon Nagel
Handelsblatt Online / Freier Mitarbeiter

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  • Das zeigt nur, wie dringend notwendig es ist, gegen den Überwachungsstaat der eine finstere Bedrohung unserer freien Gesellschaft darstellt, vorzugehen.

    Hier ein hervorrangendes Video dazu:

    http://www.youtube.com/watch?v=iHlzsURb0WI

    "Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus»."

    Ignazio Silone

  • Ist doch klar! Für die Zugereisten ist FFM das New York - sprich die Nasdaq Deutschlands. Als kapitalistisches Unternehmen, darf man vom Grundsatz her nicht zulassen, daßm etwa gegen die eigene Wirtschaftsauffassung demonstriert wird. Könnte ja Israel in Gefahr bringen!

  • Achtung, die Seite WWW.Twitter.com ist nicht erreichbar. Ich habe es mehrmals versucht. Von verschiedenen Rechnern.

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