Fachkräfte-Gipfel Neue Regeln für ausländische Fachkräfte

Deutschland sucht händerringend qualifizierte Ingenieure und Ärzte. Die Regierung öffnet die Grenzen für Ausländer etwas weiter. Doch die besten Köpfe heuern anderswo an, selbst wenn sie in Deutschland studiert haben.
Update: 22.06.2011 - 11:47 Uhr 7 Kommentare
Nachwuchsforscher an der Uni München: Viele Akademiker lassen sich in Deutschland ausbilden und wandern dann aus. Quelle: dpa

Nachwuchsforscher an der Uni München: Viele Akademiker lassen sich in Deutschland ausbilden und wandern dann aus.

(Foto: dpa)

BerlinEs ist ein großer Schritt für die Bundesregierung – aber ein kleiner für die deutsche Wirtschaft. In ihrem Konzept zur Fachkräftesicherung kündigt die Regierung die Grenzöffnung für einen Teil ausländischer Ingenieure und Ärzte an. Konkret fällt ab sofort für die händeringend gesuchten Ingenieure im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik und für Ärzte die „Vorrangprüfung“ weg. Diese schreibt generell vor, dass nur dann ein EU-Ausländer eine Arbeitserlaubnis erhält, wenn die Stelle nicht mit einem Deutschen besetzt werden kann.

Doch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte vor großen Hoffnungen: „Es werden nicht viele kommen, denn Deutschland hat lange signalisiert, dass wir niemanden brauchen. Und qualifizierte Ingenieure oder Ärztinnen haben weltweit viele Angebote.“

Die Lockerung ist Teil der „Fachkräftestrategie“, die das Kabinett heute auf den Weg gebracht hat. Anschließend traffen sich die Kanzlerin und einige Minister in Meseberg mit Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Gipfeltreffen. Dort wollen sie eine gemeinsame Erklärung zur Fachkräftepolitik verabschieden.

Die Erleichterung für Ingenieure und Ärzte ist jedoch vorerst die einzige substanzielle Neuerung – ansonsten fasst Merkels „Strategie“ nur Bekanntes zusammen. Vage stellt die Regierung eine „Prüfung“ in Aussicht, wie man Zuwanderung gezielt steuern könne und fordert eine „Willkommenskultur“. Das geht nicht über den Koalitionsvertrag hinaus. Hintergrund ist der Widerstand von CSU und CDU-Innenpolitikern.

Entsprechend nüchtern ist das Urteil der Wirtschaft:  Die Erleichterung für einige Ingenieurberufe und Ärzte „ist ein erster kleiner Schritt, um die Zuwanderung für Qualifizierte nach Deutschland generell zu erleichtern“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Hans Heinrich Driftmann, dem Handelsblatt. Die bisherige Vorrangprüfung habe „mit einer Willkommenskultur nichts zu tun“. Nun müsse regelmäßig untersucht werden, welche weiteren Berufe von der Prüfung ausgenommen werden könnten.

Neue Perspektiven für Krankenhauspersonal
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7 Kommentare zu "Fachkräfte-Gipfel: In Deutschland studiert, im Ausland erfolgreich"

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  • kann mir einer erklären was diese völlig unsinnigen Argumente sollen: die Besten (also die, die woanders viel mehr verdienen, falls das manchem immer noch nicht klar ist) - die Besten also will man dadurch halten, dass man hier die Lohngrenzen nach unten nimmt? Was soll dieser Unfug? Ich jedenfalls bin nicht mehr zu halten....

  • Und noch was. Wenn Investmentbanker 500.000.- und mehr im Jahr verdienen und ein Ingenieur mit 40.000.- abgespeißt werden soll, dann brauch sich niemand über zu wenig Ingenieure wundern. Schauen Sie mal über Ihren Tellerrand hinaus, vielleicht in die USA, wohin ja viele auswandern. Da verdient ein guter Kranführer mehr als hierzuland ein Ing. oder Arzt.

  • Wenn Sie keine Steuern zahlen müssen und auf einem Dorf in Meck-Pomm leben sicherlich ausreichend. Wenn Sie in einem Ballungsraum leben, sich Haus und Familie leisten wollen, wohl kaum. Viele verkaufen sich unter Wert, das ist bekannt. Der Arbeitsmarkt war auch bis jetzt von einem Überangebot an Arbeitskräften geprägt. Das sich hieran etwas ändern könnte ist für viele Arbeitgeber der reinste Alptraum.

  • Dieser angebliche Fachkräftemangel ist hausgemacht von der Wirtschaft und auch durch Versagen der Politik.
    Was hat man denn gemacht in den letzten Jahren? Studienabgänger mit besten Examen wurden nur als unbezahlte Praktikanten eingestellt oder gar nicht. Sie durften dann Taxi fahren um ein bißchen über die Runden zu kommen.
    Alle haben eins gelernt: In Deutschland lohnt es sich nicht, fleißig zu sein, gutes Studium hinzulegen, Dich will ja doch keiner.
    Also packten viele ihre Koffer und verließen Deutschland. Leicht gefallen ist es ihnen nicht, denn sie verließen hier alles. Sie gingen dorthin wo man sie wollte und brauchte.
    Krankenhausärzte die mehr als einen 8-Std.-Tag haben,eien hohe Verantwortng und nicht mehr verdienen als eine Mitarbeiterin bei einer Krankenkasse, die nicht studiert hat, hatten ebenfalls irgendwann die Schnauze voll und gingen dorthin wo man sie mit offenen Armen aufnahm, wo die Gehälter teilweise doppelt so hoch sind und die Arbeitsbedingungen besser.
    In den letzen drei Jahren sind ca. 1/2 Mio junger und jüngerer Deutscher ausgewandert.
    Wie wäre es denn, diese erst einmal zurück zu holen?
    Es wandern auch noch Leute mit über 50 aus. Denn in anderen Ländern wir nicht nur ihr hohes Fachwissen geschätzt, sondern auch ihre soziale Kompetenz die man in diesem Alter hat
    Beispiel der besonderen Art:
    Biologe, beste Abschlüsse. Studiert in D und Oxford, dort seinen Dr. gemacht hat sich hier bei der Max Planck-Gesellschaft beworben, angeblich suchen wir doch Naturwissenschaftler. Aber man brauchte ihn nicht.
    Er ging nach Japan an eine Uni und mußte dort dann nach etlicher Zeit erfahren, dass sein Arbeitsplatz von der Max Planck-Gesellschaft Deutschland finanziert wird. Die wissenschaftl. Forschungen aber kommen Japan zu gute.
    Dazu fällt einem dann wirklich nichts mehr ein.
    Jeder der nach Zuwanderung ruft müßte angezeigt werden

  • Vollste Zustimmung.
    Im übrigen gilt dies mittlerweile auch für gute Lehrberufe. Lernen und sich Einsetzen lohnt sich nicht, denn auch nach guter Lehre ist die Aussicht auf einen festen Job gering. Gerade auch im Handel. Ausgebildete junge Fach-Verkäuferinnen werden nicht übernommen, aber als 400 €-Kräfte können sie bleiben.
    Der Jugend wird ja gar keine Chance gegeben sich ein Leben aufzubauen.
    Und da jammern unsere kriminellen Politiker s tändig über den demografischen Faktor?
    Wer als junger Mensch heute ein Kind in die Welt setzt, aber nicht weiß, ob er morgen noch einen Job hat, der muß doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein.

  • 40 000 € brutto Jahresgehalt ist ganz bestimmt kein Hungerlohn, aber als Jahresgehalt für einen Ingenieur ziemlich hoch.
    Für dieses Jahresgehlt stehen Deutsche und EU-Bürger doch Schlange!!

  • Gerade Ärzte und Ingenieure werden in der Regel zu schlecht bezahlt. Die steuerliche Benachteiligung der Mittelschicht tu dann ihr übriges. Wer glaubt, dass spricht sich nicht auch bei Gymnasiasten rum der irrt sich gewaltig. Die Kinder bekommen tagtäglich von Ihren Eltern vorgeführt, dass sich lange Studienzeiten und harte Arbeit nicht mehr lohnen. Studienfächer, insbesondere in der Medizin oder Ingenieurwesen werden abgewählt. Statt wieder attraktive Bedingungen zu schaffen, rufen die Arbeitgeber nach billigen Ausländern. Das Jahresgehalt soll sogar auf 40.000.- Euro gesenkt werden. Noch Fragen? Aber selbst qualifizierte Ausländer arbeiten für solche Hungerlöhne nur noch ungern oder nur dann, wenn Sie know how abziehen können. Einen schönen Tag.

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