Fachkräfte-Gipfel
In Deutschland studiert, im Ausland erfolgreich

Deutschland sucht händerringend qualifizierte Ingenieure und Ärzte. Die Regierung öffnet die Grenzen für Ausländer etwas weiter. Doch die besten Köpfe heuern anderswo an, selbst wenn sie in Deutschland studiert haben.
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BerlinEs ist ein großer Schritt für die Bundesregierung – aber ein kleiner für die deutsche Wirtschaft. In ihrem Konzept zur Fachkräftesicherung kündigt die Regierung die Grenzöffnung für einen Teil ausländischer Ingenieure und Ärzte an. Konkret fällt ab sofort für die händeringend gesuchten Ingenieure im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik und für Ärzte die „Vorrangprüfung“ weg. Diese schreibt generell vor, dass nur dann ein EU-Ausländer eine Arbeitserlaubnis erhält, wenn die Stelle nicht mit einem Deutschen besetzt werden kann.

Doch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte vor großen Hoffnungen: „Es werden nicht viele kommen, denn Deutschland hat lange signalisiert, dass wir niemanden brauchen. Und qualifizierte Ingenieure oder Ärztinnen haben weltweit viele Angebote.“

Die Lockerung ist Teil der „Fachkräftestrategie“, die das Kabinett heute auf den Weg gebracht hat. Anschließend traffen sich die Kanzlerin und einige Minister in Meseberg mit Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Gipfeltreffen. Dort wollen sie eine gemeinsame Erklärung zur Fachkräftepolitik verabschieden.

Die Erleichterung für Ingenieure und Ärzte ist jedoch vorerst die einzige substanzielle Neuerung – ansonsten fasst Merkels „Strategie“ nur Bekanntes zusammen. Vage stellt die Regierung eine „Prüfung“ in Aussicht, wie man Zuwanderung gezielt steuern könne und fordert eine „Willkommenskultur“. Das geht nicht über den Koalitionsvertrag hinaus. Hintergrund ist der Widerstand von CSU und CDU-Innenpolitikern.

Entsprechend nüchtern ist das Urteil der Wirtschaft:  Die Erleichterung für einige Ingenieurberufe und Ärzte „ist ein erster kleiner Schritt, um die Zuwanderung für Qualifizierte nach Deutschland generell zu erleichtern“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Hans Heinrich Driftmann, dem Handelsblatt. Die bisherige Vorrangprüfung habe „mit einer Willkommenskultur nichts zu tun“. Nun müsse regelmäßig untersucht werden, welche weiteren Berufe von der Prüfung ausgenommen werden könnten.

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Neue Perspektiven für Krankenhauspersonal

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  • kann mir einer erklären was diese völlig unsinnigen Argumente sollen: die Besten (also die, die woanders viel mehr verdienen, falls das manchem immer noch nicht klar ist) - die Besten also will man dadurch halten, dass man hier die Lohngrenzen nach unten nimmt? Was soll dieser Unfug? Ich jedenfalls bin nicht mehr zu halten....

  • Und noch was. Wenn Investmentbanker 500.000.- und mehr im Jahr verdienen und ein Ingenieur mit 40.000.- abgespeißt werden soll, dann brauch sich niemand über zu wenig Ingenieure wundern. Schauen Sie mal über Ihren Tellerrand hinaus, vielleicht in die USA, wohin ja viele auswandern. Da verdient ein guter Kranführer mehr als hierzuland ein Ing. oder Arzt.

  • Wenn Sie keine Steuern zahlen müssen und auf einem Dorf in Meck-Pomm leben sicherlich ausreichend. Wenn Sie in einem Ballungsraum leben, sich Haus und Familie leisten wollen, wohl kaum. Viele verkaufen sich unter Wert, das ist bekannt. Der Arbeitsmarkt war auch bis jetzt von einem Überangebot an Arbeitskräften geprägt. Das sich hieran etwas ändern könnte ist für viele Arbeitgeber der reinste Alptraum.

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