Fachkräftemangel
Bund erkennt nur wenige Abschlüsse an

300.000 ausländische Berufsabschlüsse will der Bund pro Jahr anerkennen. Doch die Realität sieht anders aus: 13.000 wurden 2014 anerkannt, fast alle im medizinischen Bereich. Heftige Kritik kommt von den Gewerkschaften.

BerlinIm vergangenen Jahr wurden gut 13.200 im Ausland erworbene Berufsabschlüsse anerkannt – 1.380 mehr als im Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Deutsche Gewerkschaftsbundes (DGB) kritisiert das Ergebnis als viel zu gering und fordert eine Kostenübernahme für die Antragsteller. „Die von der Bundesregierung ursprünglich anvisierte Zahl von rund 300.000 Anerkennungen liegt auch drei Jahre nach in Kraft treten des Gesetzes noch in weiter Ferne“, sagte Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, dem Handelsblatt. „Das große Potenzial der Interessierten wird überhaupt nicht ausgeschöpft“. Hauptkritikpunkt des DGB ist, dass es trotz des Fachkräftemangels kaum Anerkennungen für Industrie, Handel und Handwerk gab.

Von den rund 13.200 Anerkennungen im Jahr 2014 kamen fast 11.000 aus den medizinischen Gesundheitsberufen, für die anderen Berufe blieben 2.300 positiv beschiedene Verfahren übrig. „Das ist geradezu absurd gering, angesichts von 3,4 Millionen Menschen in Deutschland mit eigener Migrationserfahrung und einem beruflichen Erst- oder Fortbildungsabschluss im Alter zwischen 25 und 65 Jahren“, so Hannack.

Der DGB geht davon aus, dass vor allem  die Kosten des Verfahrens und der damit verbundenen Nachschulungen und Zeugnisprüfungen für die meisten eine zu hohe Hürde darstellen.

Allein die Übersetzung der heimischen Zeugnisse koste einen Antragsteller oft bis zu 1.000 Euro. „Da aber gerade Einwanderer, deren Zeugnisse in Deutschland nicht anerkannt wurden, im Niedriglohnsektor arbeiten, ist wichtig, dass die Anerkennung und eventuell notwendige Nachqualifizierungen kostenfrei sind", so Hannack.

Von den im Jahr 2014  insgesamt angefallenen knapp 20.000 Verfahren wurden 1.590 Anträge abgelehnt, knapp 5.000 sind noch nicht entschieden.  Von den drei Vierteln, die auf medizinische berufe entfallen, waren 6.807 Ärzte, 5.352 Krankenpfleger und 681 Physiotherapeuten. Die Mehrzahl aller Anträge stellten Menschen, die ihre Ausbildung in Polen, Rumänien oder Bosnien-Herzegowina abgeschlossen haben. Insgesamt kam gut die Hälfte der Antragsteller aus der EU, ein Viertel aus dem übrigen europäischen Ausland. Ein weiteres knappes Viertel stammt aus Länder außerhalb von Europa – die meisten davon aus Asien.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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