Fachkräftemangel

Bundesagentur will Berufsnachwuchs fördern

Experten sehen bereits ein Wachstumshemmnis für die Wirtschaft – auf jeden Fall wird der Fachkräftemangel für immer mehr Branchen zum Problem. Die Bundesagentur sucht Auswege – und ist nun auf Berufsstarter gestoßen.
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Es gehe nicht darum, Schülern ein Studium auszureden, erklärt der Vorstandschef der Bundesagentur. Aber darum, eine duale Ausbildung als Option aufzuzeigen. So könnte der Fachkräftemangel reduziert werden, sagt Scheele. Quelle: dpa
Studium oder Ausbildung?

Es gehe nicht darum, Schülern ein Studium auszureden, erklärt der Vorstandschef der Bundesagentur. Aber darum, eine duale Ausbildung als Option aufzuzeigen. So könnte der Fachkräftemangel reduziert werden, sagt Scheele.

(Foto: dpa)

Nürnberg Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, setzt im Kampf gegen den Fachkräftemangel neben der Anwerbung von Zuwanderern auch auf bessere Berufsberatung junger Menschen. „Am Übergang von Schule und Beruf gehen uns noch immer zu viele verloren“, beklagte Scheele in einem Interview der Deutschen Presseagentur. Diese jungen Menschen fehlten später als Fachkräfte.

Um zu verhindern, dass Jugendliche ihre Lehre oder ihr Studium abbrechen und ohne Ausbildung blieben, muss Scheeles Ansicht nach das System der Berufsorientierung weiter verbessert und ausgebaut werden. Ein Arbeitsmarkt, der mit dem Problem einer zunehmend überalterten Bevölkerung konfrontiert sei, könne es sich nicht leisten, dass Menschen schon in jungen Jahren arbeitslos würden.

Konkret kündigte Scheele von 2019 an eine gezieltere Berufsberatung in den Schulen an. „Wir probieren das im Moment an drei Standorten aus. „Dabei schauen wir, ob wir Abiturienten gezielter mit weniger Verlusten durch Abbrüche auch auf eine duale Ausbildung in einem Betrieb hin orientieren können“, sagte Scheele.

Es gehe nicht darum, den Schülern ein Studium auszureden, machte Scheele deutlich. „Aber wir machen auch klar, dass eine duale Ausbildung keine Sackgasse ist.“ Immerhin sei die Abbrecherquote bei Bachelor-Studiengängen an den Fachhochschulen sehr hoch, gab der Chef der Bundesagentur zu bedenken.

Ein derzeit noch im Aufbau befindliches IT-System solle dabei verhindern, dass Jugendliche durch das Raster von Schule, Ausbildung und Jugendhilfe fallen. In dem System sollen nach Scheeles Plänen Daten über den Berufsweg, aber auch mögliche Ausbildungs- oder Studienabbrüche der Jugendliche zentral erfasst werden. Erprobt werde das System von kommendem Jahr an in Hamburg, Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Zwar gebe es Vorbehalte von Datenschützern; diese nehme er aber sehr ernst, sagte Scheele. Man arbeite daran, die Bedenken auszuräumen und Datenschutz und eine gute und effektive Förderung am Übergang von Schule und Beruf in Einklang zu bringen.

Zugleich machte Scheele im Zusammenhang mit dem wachsenden Fachkräftemangel deutlich: „Ohne die Anwerbung von Arbeitskräften aus Drittstaaten wird es nicht gehen. Das muss man eindeutig für die nächsten Jahre sagen.“ Dazu brauche es aber ein Zuwanderungsgesetz, das bestehende Regelungen sinnvoll zusammenfasst und damit verständlicher werde, sagte Scheele.

Arbeitsmigranten müssten allerdings dazu verpflichtet werden, bereits in ihrem Heimatland Deutsch zu lernen. Eine zentrale Anerkennungsstelle in Deutschland sollte bei reglementierten Berufen wie etwa im Pflegebereich die Berufsabschlüsse der Zuwanderungsinteressenten prüfen. Auch sollten sie eine Arbeitsplatzzusage aus Deutschland haben, bevor sie ein Visum erhalten.

Potenzial zur Linderung des Fachkräftemangels sieht Scheele schließlich auch in jüngeren Langzeitarbeitslosen zwischen 25 und 45 Jahren. Konkret bedeute das, mehr Langzeitarbeitslosen die Chance zu geben, auch im Erwachsenenalter einen Berufsabschluss zu erwerben oder sich zumindest fortzubilden. „Das tun wir bereits, aber das muss noch intensiviert werden“, sagte Scheele. Das Problem sei derzeit allerdings, dass den Jobcentern dafür das Geld fehle.

Schließlich müsse man künftig darauf achten, dass die deutsche Wirtschaft mit der wachsenden Digitalisierung der Unternehmen nicht zu viele Leute verliere, „weil möglicherweise einige Menschen bei der Höher-Entwicklung von Arbeitsplätzen nicht mithalten können“, mahnte Scheele. Arbeitsmarktforscher gehen davon aus, dass mit dem Einzug des Internets in die Werkshallen rund 1,5 Millionen Jobs verloren gehen, aber zugleich 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.

  • dpa
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