Fachkräftemangel
Dem Gesundheitswesen droht der Kollaps

Doppelt so viel Wartezeit beim Hausarzt, 60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, zahlreiche unbesetzte Arztstellen. Einer Studie zufolge könnte in 20 Jahren eine riesige Lücke von fast einer Millionen Fachkräften in der Gesundheitsversorgung klaffen. Ohne Reform droht dem System der Kollaps.
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HB Frankfurt/Main. Das Gesundheitssystem steuert wegen der Alterung der Gesellschaft auf einen dramatischen Fachkräftemangel zu. Einer aktuellen Studie zufolge werden bereits 2020 in Deutschland fast 56 000 Ärzte sowie 140 000 Pflege- und andere nicht-ärztliche Fachkräfte fehlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) und des Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifor), die am Mittwoch in Frankfurt am Main vorgestellt wurde.

Bis 2030 drohe die Personallücke in der Gesundheitsversorgung sogar auf über 950 000 Fachkräfte anzuwachsen. Hinzu komme der Personalbedarf in der Altenpflege. Ohne Reformen stehe das System vor dem Kollaps, warnten die Studienautoren. Im Jahr 2008 waren laut Statistischem Bundesamt rund 4,6 Millionen Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) plant, angesichts des Ärztemangels in wirtschaftlichen Randzonen Deutschlands den Numerus Clausus auf Medizin abzuschaffen, und erwägt zudem eine Landarzt-Quote.

Das deutsche Gesundheitssystem krankt an einer beinahe kontinuierlichen Kostenexplosion. Die Gesundheitsausgaben in Deutschland klettern trotz aller Sparbemühungen weiter. So wurden zum Beispiel 2008 laut Statistischem Bundesamt 263,2 Mrd. Euro für medizinische Behandlungen, Pflegeleistungen, Arzneimittel und Vorbeugung ausgegeben. Das waren fast zehn Mrd. Euro oder 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Pro Kopf erhöhten sich die Ausgaben um 130 Euro auf 3 210 Euro. Zu Beginn der 1990er Jahre hatten die Gesundheitsausgaben in der Bundesrepublik noch unter 170 Mrd. Euro gelegen.

Im Zuge der Gesundheitsreform von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) werden die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen schon ab Beginn 2011 zur Kasse gebeten: mit ihrem Anteil am Beitragsplus von 14,9 auf 15,5 Prozent. Die Kassenmitglieder müssen alle Mehrkosten für Ärzte, Kliniken und Pharma in der älter werdenden Gesellschaft über Zusatzbeiträge berappen - über von Kasse zu Kasse unterschiedliche Kopfpauschalen.

Statt der geforderten mehr als zwei Mrd. Euro mehr sollen die 150 000 niedergelassenen Ärzte kommendes Jahr nur etwa die Hälfte mehr bekommen. Begrenzungen von 350 Millionen Euro gibt die Koalition bereits vor, wenn Ärzte und Kassen an diesem Freitag über das Honorar fürs kommende Jahr verhandeln. Die Hausärzte sollen nur noch im Ärzteschnitt mehr verdienen können - ihnen entgehen dadurch etwa 500 Mio. Euro im Jahr.

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Kommentare zu " Fachkräftemangel: Dem Gesundheitswesen droht der Kollaps"

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  • "Wer sich zum Wurme macht, kann nachher nicht klagen, wenn er mit Füßen getreten wird" immanuel Kant

  • hey. warum bewerbts ihr euch nicht alle gleich für den posten, den rösler so inne hat? alles klugscheißerei hier. es wird nie besser, nur schlimmer. ihr seids doch alle versager und könnt doch nur noch eure waschlappenmentalität im internet durch kommentare wie diese verschleiern. ihr seid echt ärmlich.

  • Eben und hier sind wir genau beim Problem genau dieser großen Lüge in Deutschland: Die Fachkräfte sind da, werden aber nicht eingestellt. Weil angeblich kein Geld da ist.

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