
BERLIN/DÜSSELDORF. Wenn zwei Bundesminister zusammen vor die Presse treten, gibt es meist wichtige Dinge zu verkünden. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Innenminister Thomas de Maizière hatten in der vergangenen Woche so einen Auftritt in Berlin. Die Hauptbotschaft hatte diesmal aber ihr dritter Mitstreiter im Gepäck: Fachkräftemangel sei kein Zukunftsthema mehr, warnte Hans Heinrich Driftmann, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Das Problem sei schon ganz real - und drohe zu einem Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung zu werden.
Nach einer neuen Umfrage des DIHK haben bereits 70 Prozent der deutschen Firmen "generell oder zumindest teilweise" Schwierigkeiten, passende Fachkräfte für ihre offenen Stellen zu finden. Diese Entwicklung werde sich mit der guten Konjunktur weiter verschärfen und damit zur "zentralen Herausforderung für Wirtschaft und Politik". Weniger klar ist freilich, was daraus nun politisch-praktisch folgt.
Ein völlig neues Rezept hatten jedenfalls weder von der Leyen noch de Maizière dabei - sieht man einmal von dem unumstrittenen Anspruch ab, dass möglichst viele inländische Arbeitslose von der steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften profitieren sollten. Der - umstrittene - zweite Teil ihrer Botschaft war dagegen die Absage an einen möglichen Lösungsweg: Änderungen am Zuwanderungsrecht hätten für sie "keine Priorität", verkündeten die beiden Minister.
Um drei Schlüsselfragen geht es in der Fachkräftedebatte: Hat Deutschland ein Qualifikationsproblem? Warum wollen so wenige qualifizierte Zuwanderer nach Deutschland? Oder ist Arbeiten in Deutschland gar so unattraktiv, dass immer mehr gut gebildete Inländer am liebsten ins Ausland flüchten? Die Zusammenhänge sind erheblich komplizierter, als es scheint. Einerseits gibt es keine greifbaren Belege dafür, dass Deutschland unter dem gefürchteten "Brain Drain" leidet - einer systematischen Abwanderung der besten Köpfe. Andererseits gibt es jedoch viele Anzeichen dafür, dass Migration prinzipiell wünschenswert ist.
Selbst ohne akuten Fachkräftemangel wäre es eigentlich zum allseitigen Vorteil, wenn möglichst viele In- und Ausländer ihre Kenntnisse durch vorübergehende Aufenthalte dies- und jenseits der Landesgrenzen mehren. "Brain Drain" war gestern; die moderne Entwicklung heißt "Brain Circulation" - zirkuläre Migration: Die Arbeitskräfte gehen und kehren nach einiger Zeit in ihr Heimatland zurück - reicher an Erlebnissen und Erfahrungen.
Im Schnitt dauern Auslandsaufenthalte nur zwei Jahre. Lediglich etwa jeder fünfte Emigrant bleibt fünf Jahre oder länger im Ausland. "Die Höchstqualifizierten kehren zurück, während weniger Qualifizierte längerfristig im Ausland bleiben", stellen die Migrationsforscher Andreas Ette und Lenore Sauer in einer neuen Studie fest.
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Auswanderer erstmals wieder zurückgegangen. Fast 155 000 Menschen haben Deutschland verlassen. Gleichzeitig sind aber auch fast 115 000 Deutsche zurückgekommen - sechs Prozent mehr als im Vorjahr.
Der deutsche Durchschnitts-Auswanderer ist jung, städtisch und männlich. Und er ist überdurchschnittlich gebildet. Der Durchschnitts-Rückwanderer sieht ganz ähnlich aus. Angestellte eines internationalen Konzerns profitieren von der internationalen Erfahrung. Also gehen sie häufig für ein paar Jahre ins Ausland. "Die Internationalisierung der Managerkarrieren findet über temporäre Auslandsaufenthalte statt", stellt Markus Pohlmann, Soziologie-Professor an der Universität Heidelberg, fest: "Generell zeigen die Daten deutlich, dass kurze Auslandsaufenthalte für die Karriere förderlich sind, lange Auslandsaufenthalte hingegen riskant." Wer sich viele Jahre im Ausland aufhält, vergibt nach wie vor wichtige Karrierechancen im Inland.
Das ganze sind geförderte und staatlich organisierte Programme.
Diejenigen die hier in Deutschland ständig vollgequatscht werden, wandert doch aus, wenn es euch nicht passt, sind in diesen geförderten Programmen nicht drin, sondern sitzen im Ausland auf der Strasse oder haben vielleicht etwas Glück.
Die wirtschaftlich Schwachen und Unterschichten in Deutschland sind in solchen Programmen per definitionem nicht enthalten, sondern erhalten das ganze vorgegauckelt.
Sehr guter Artikel, der einmal die gesamten Fakten aufzeigt und nicht nur einseit argumentiert.
Wie die Zahlen zeigen, gewinnt Deutschland Fachkräfte und man kann nicht von einem "brain Drain" sprechen. in einer globalisierten Welt mit international agierenden Unternehmen ist es eine logische Konsequenz, dass die Anzahl der Auswanderer und Ruckwanderer steigt.
So leben auch 500.000 aus dem gelobten Land, der Schweiz im Ausland. Ungefähr 30.000 Schweizer wandern jedes Jahr aus und 23.000 kommen zurück. Somit liegt die Auswanderungsquote bei ca. 0,08%. in Deutschland, nach den Zahlen des Handelsblattes, bei ca. 0,05%. Daher kann von einer großen Auswanderungswelle, die immer wieder von Medien suggeriert wird keine Rede sein.
@Alfred: und als nächstes führen wir noch eine Quote für das ingenieursstudium ein? Jeder dritte mit einem Abi besser als 2.0 wird zwangsrekrutiert. Haben Sie in ihrer Freizeit nichts anderes zu tun, als solchen Quatsch zu schreiben?
21 Kommentare
Alle Kommentare lesen