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Fachkräftemangel: Ingenieure verzweifelt gesucht

Rund 25 000 Ingenieursstellen bleiben jeden Monat unbesetzt, bei Naturwissenschaftlern und IT-Fachleuten ist die Lage ähnlich schlecht. Weil der Personalmagel den Mittelstand besonders hart trifft, fordert der VDI jetzt einen nationalen „Technikrat“. Außerdem solle der Zuzug ausländischer Bewerber weiter vereinfacht werden.

Vorallem im Westen bleiben tausende Ingeneursstellen unbbesetzt. Grafik: Handelsblatt
Vorallem im Westen bleiben tausende Ingeneursstellen unbbesetzt. Grafik: Handelsblatt

BERLIN. Der Berliner Anlagenbauer Borsig würde sofort zwölf Ingenieure einstellen – wenn es sie gäbe. „Zwei Stellen sind schon länger als ein Jahr vakant“, klagt Personalchef Andreas Peter. Von 450 Mitarbeitern an sechs Standorten sind 130 Ingenieure. „Wir suchen in allen Bereichen und Regionen, werden aber trotz teilweise deutlich höhere Gehälter nicht fündig.“

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Wie Borsig geht es tausenden Unternehmen in Deutschland. Im Monatsdurchschnitt sind rund 25 000 Ingenieurstellen frei, meldet der Verband deutscher Ingenieure. 2006 konnten 73 000 Stellen für Naturwissenschaftler und Ingenieure nicht besetzt werden. Verzweifelt gesucht sind auch IT-Fachleute, von denen derzeit 43 000 fehlen, hatte der Branchenverband Bitcom gemeldet.

„Allein bei den Ingenieuren beläuft sich der Wertschöpfungsverlust 2006 auf 3,5 Mrd. Euro“, sagte VDI-Direktor Willi Fuchs. Doch es fehlen nicht nur Akademiker, auch 63 000 Techniker-Jobs blieben leer. Zwei von drei Unternehmen finden nach einer DIW-Studie qualifizierte Arbeitskräfte im technischen Bereich nur „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Juristen hingegen finden neun von zehn Unternehmen problemlos.

Um die Misere von ganz oben anzugehen „fordern wir einen nationalen Technikrat bei der Bundeskanzlerin“, sagte VDI-Präsident Bruno Braun. Dieser müsse sich „ganz praktisch darum kümmern, den Mangel zu bekämpfen“. Aktuell pocht der VDI, wie die Wirtschaft insgesamt, auf eine Senkung der Gewaltschwelle für hochqualifizierte Zuwanderer. Derzeit erhalten diese erst ab einem Jahressalär von 85 000 Euro eine Arbeitserlaubnis. Vor allem Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) drängt seit langem auf eine Senkung auf zumindest 60 000 Euro. Bislang verhindert das die SPD, auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hält sich dezent zurück.

„Doch auch 60 000 sind zu viel“, mahnt Fuchs, „sonst guckt der Mittelstand in die Röhre“. So wie der Elektroanlagenbauer Elpro in Berlin, von dessen knapp 400 Mitarbeitern rund die Hälfte Ingenieure sind. „60 000 können wir nicht zahlen“, sagt Personalreferentin Ursula Raddatz. In den nächsten Jahren gehen bei Elpro „mindestens 40 Ingenieure in Rente, Ersatz ist kaum zu kriegen“. Auch wegen der Konkurrenz der Konzerne: „Siemens kauft bundesweit ganze Jahrgänge von den Hochschulen“.

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