Fachkräftemangel
IT-Spezialisten werden Mangelware

Der Mangel an Computerspezialisten wird zum Standortproblem: Laut IT-Branchenverband Bitkom sind zur Zeit in Deutschland 43 000 IT-Stellen unbesetzt, davon allein 25 000 in den Anwenderfirmen. Viele Firmen verlieren aufgrund des Fachkräftemangels Aufträge. Indes setzt die Regierung einen neuen IT-Beauftragten ein – ohne große Machtbefugnisse.

BERLIN/FRANKFURT. Eine Studie habe ergeben, dass 24 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Aufträge wegen des IT-Fachkräftemangels verloren haben. „Wir schätzen den Verlust auf mehr als eine Milliarde Euro“, klagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer.

Die Politik ist besorgt: Von einem „fast schon dramatischen Problem“ sprach Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling (CSU). Der Mangel entwickle sich zur Wachstumsbremse, warnte sein parlamentarischer Kollege Hartmut Schauerte (CDU): Der Schaden werde auf ein Prozent des BIP geschätzt.

Der Fachkräftemangel ist ein zentrales Thema des zweiten IT-Gipfels der Bundeskanzlerin am Montag in Hannover. Der Branche wird dabei der ganz große Bahnhof bereitet: Neben Angela Merkel werden die vier Minister Wolfgang Schäuble (Innen), Michael Glos (Wirtschaft), Annette Schavan (Forschung) und Brigitte Zypries (Justiz) auftreten.

Erneut will man über abgesenkte Schwellen für die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland sprechen. Denn im Inland ist nicht genug Nachwuchs zu erwarten. Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) rechnet 2007 mit gerade mal 9 600 Absolventen in Elektro- und Informationstechnik. Und es kommt nicht viel nach: Die Zahl der Erstsemester stagniere bei rund 7 800. Angesichts der höheren Zahl der Schulabgänger und der guten Aussichten „werten wir das als nachlassendes Interesse“, sagte VDE-Arbeitsmarktexperte Michael Schanz. Deshalb will sich der Gipfel auch der „Qualifikation und Weiterqualifikation“ widmen, kündigte Wuermeling an. Das soll Teil der „Hannoverschen Erklärung“ sein.

Bitkom-Präsident Scheer fordert ein frühes Umsteuern: mehr Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften, ein Pflichtfach Informatik und Zusatzangebote für Mädchen. Bei der Pisa-Studie schnitten deutsche Schüler in Naturwissenschaften gut ab, aber selbst von den Besten interessiert sich fast die Hälfte gar nicht für diese Fächer. Nur 18 Prozent der 15-Jährigen wollen einen naturwissenschaftlichen Beruf – international jeder Vierte.

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