Fachkräftemangel
Ostdeutsche Firmen haben Nachwuchsprobleme

Der Wettbewerb um die besten Köpfe des Landes ist hart. Wenn der Osten nicht schnell aufholt, fehlt es langfristig an Nachwuchs. Als Beispiel könne laut Roland Berger das System aus NRW dienen.
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Wenn die ostdeutschen Länder im Wettbewerb um gute Fachkräfte nicht aufholen, können sie den gerade erst erreichten Schwung beim Aufbau innovativer Wirtschaftsstrukturen nicht halten. Doch so klar die Analyse ist, so schwierig ist die Lösung.

Die Berater von Roland Berger empfehlen Baden-Württemberg als Vorbild bei der Fachkräftesicherung. Dank des leistungsfähigen dualen Ausbildungssystems und des engen Netzes praxisorientierter Fachhochschulen fänden Unternehmen dort reichlich qualifizierten Nachwuchs. "Der enge Kontakt mit den Unternehmen während der Ausbildung sorgt dafür, dass die Berufsstarter mit hoher Wahrscheinlichkeit im Land und in den Unternehmen bleiben", heißt es in der Studie.

Dagegen finden aufstrebende Firmen in Ostdeutschland immer weniger Berufsnachwuchs. Während die Zahl der Lehrstellenbewerber in Deutschland laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seit 2007 um 30 Prozent gesunken ist, betrug das Minus im Osten 50 Prozent. Und das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass der Anteil der Ostdeutschen im Erwerbsalter demografisch bedingt von bisher rund 66 Prozent auf nur noch 53 Prozent im Jahr 2050 sinken wird. Für Thüringen erwarten Experten bis 2020 einen Bedarf von mindestens 200 000 Fachkräften.

Zugleich kämpfen ostdeutsche Firmen beim Werben um qualifizierte Arbeitskräfte weiter gegen eine schier übermächtige Konkurrenz aus dem Süden und Westen: Wenn Daimler, Siemens & Co. mit Spitzengehältern und ihrem Weltruf locken, gehen allen anderen leicht die Argumente aus. Seit der Wende sind rund eine Million Menschen in den Westen umgezogen oder arbeiten als Pendler dort. Mit Rückkehragenturen und Kampagnen für gute Arbeitsbedingungen werben Landesregierungen für den Standort Ost.

Um die Region weiter voranzubringen, empfiehlt Roland Berger in dem Konzept "Zukunft Ost", das Hochschulwesen so durchlässig wie möglich zu machen. Als Vorbild gilt hier Nordrhein-Westfalen, das mit dem Projekt "Studium ohne Abitur" mehr Studienanfänger und damit akademisch ausgebildete Fachkräfte gewonnen hat. Die Studie empfiehlt auch eine Qualifizierungsoffensive für Geringverdiener und Hilfen für Jugendliche, die nicht reif für die Ausbildung sind.

Werben sollen die Länder zudem um Fachkräfte aus Griechenland, Spanien und Italien. Dazu sollten sie "systematische Anwerbe- und Berufsintegrationsprogramme" auflegen.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

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