Fachkräftemangel Regierung lockt Ausländer in deutschen Arbeitsmarkt

Arbeitsministerin von der Leyen bricht ein Tabu, das bisher vor allem in den Reihen der Konservativen verteidigt wurde: Der Vorrang von deutschen Bewerbern gegenüber ausländischen Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt soll entfallen. Die Industrie ist erleichtert.
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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen: „Die Ministerin setzt an der richtigen Stelle an." Quelle: Reuters

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen: „Die Ministerin setzt an der richtigen Stelle an."

(Foto: Reuters)

DÜSSELDORF. Wenn CSU-Chef Horst Seehofer über Ausländer spricht, hört sich das so an: „Ich habe kein Verständnis für die Forderung nach weitergehender Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen.“ Seit Wochen bremst die CSU Überlegungen, den zunehmenden Mangel an Fachkräften durch Lockerungen im Zuwanderungsrecht zu entschärfen. Auch der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Hans-Peter Uhl, ist ganz auf Seehofer-Linie: „Neue Möglichkeiten des Missbrauchs, insbesondere für illegale Schlepperbanden, würden eröffnet.“

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will diesen Ton nicht länger akzeptieren. „Wir müssen heute die Weichen so stellen, dass der Zug der gut qualifizierten Fachkräfte, die zu uns passen, nicht an unserem Land vorbeifährt“, sagte sie dem Handelsblatt.

Sie kündigte eine Fachkräfte-Initiative an, die Firmen den Zugang zu ausländischen Fachkräften erleichtern soll. Für bestimmte Berufe, darunter Ingenieure und Ärzte, soll die oft komplizierte Vorrangprüfung für Zuwanderer ausgesetzt werden. Dafür lasse sie in ihrem Ministerium nun eine „Positivliste“ mit solchen Mangelberufen erstellen, für die das vereinfachte Verfahren gelten soll.

Die Vorrangprüfung gibt bisher zwingend vor, dass ein deutscher dem ausländischen Bewerber vorzuziehen ist. Dafür müssen Firmen, die eine ausländische Fachkraft anstellen wollen, in aller Regel erst von der Arbeitsagentur prüfen lassen, ob nicht doch ein inländischer Arbeitsloser verfügbar ist. Dieses Verfahren ist zeitaufwendig und schafft nach Ansicht vieler Unternehmen Unsicherheit. Künftig soll ihnen dies zumindest bei Berufen mit nachgewiesenem Bewerbermangel im Inland erspart bleiben.

„Die Unternehmen und ihre ausländischen Bewerber wissen dann direkt, woran sie sind“, sagte von der Leyen. Die konkrete Anwendung der neuen „Positivliste“ soll nach ihrer Vorstellung im Frühjahr 2011 starten. Formal könnte sie die Regelung sogar in Eigenregie umsetzen. Sie wolle jedoch einen Konsens in der Koalition erzielen.

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35 Kommentare zu "Fachkräftemangel: Regierung lockt Ausländer in deutschen Arbeitsmarkt"

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  • Hier sind komischerweise fast alle einer Meinung. Wieso hat man die Leute, die uns allen das angetan haben, eigentlich gewählt (ich allerdings nicht in den letzten 15 Jahren)?

    Ob allerdings Auswandern eine Lösung ist, wage ich zu bezweifeln. Wo ist es denn besser? Niederlande sind sicher nicht besser, den Dilettantismus in dem Land habe ich mir fast 15 Jahre lang angesehen, oder hat sich dort plötzlich alles verbessert - unglaubwürdig.

  • [29] ingeneurin

    Geben sie ihrem bekannten den Rat auszuwandern, ist das einzige was man als Deutscher noch machen kann. Und nehmen auch sie sich den Rat einer eingewanderten grünen Politikerin aus Frankfurt zu Herzen, die die Deutschen aufgefordert hat auszuwandern. ich werde auch gehen, Deutschland hat eh keine Zukunft, und erst recht hat dieses Land meinen Kindern nichts mehr zu bieten, außer dem Dauervorwurf von Politiker, Journalisten, Leuten wie Tibet und Einwanderern, alle Deutschen wären Rassisten. Was ich in der Schule und danach erlebt habe will ich meinen Kindern jedenfalls nicht zumuten! Für mich und meine Familie ist das Thema Deutschland gottseidank bald erledigt.

  • [31] verwirrt
    Wann wird endlich der "Politiker-Markt" (Arbeitsmarkt kann man den ja eigentlich nicht nennen) liberalisiert? Vielleicht machen inder oder Nigerianer den Job der Arbeitsministerin ja für ein Drittel der Diäten."

    Klasse idee, sämtliche Minister und Abgeordnete feuern, mehr Mist als unsere Politiker können inder oder Nigerianer auch nicht verzapfen!!

    ich finde es auch gut, das Hochtief jetzt von einer spanischen Firma übernommen wird, hoffentlich werden die überbezahlten deutschen Manager in HartziV entsorgt und durch billigere Ausländer ersetzt.

  • Es geht doch offensichtlich nur darum die Löhne der arbeitenden bevölkerung in Deutschland noch weiter zu drücken. Daher ist die "industrie" auch erleichtert. Es herrscht nämlich eigentlich kein Mangel an Fachkräften, sondern an billigen und beliebig drangsalierbaren Fachkräften. Wann wird endlich der "Politiker-Markt" (Arbeitsmarkt kann man den ja eigentlich nicht nennen) liberalisiert? Vielleicht machen inder oder Nigerianer den Job der Arbeitsministerin ja für ein Drittel der Diäten. Das Gezeter, welches in dem Fall zu hören wäre, wäre ruhestörender Lärm.

  • @Tibet: ist das hier ihr Standardspruch, den Sie mittels Str+C im internet verbreiten ?

  • als "Fachkraft" in der iT mit 15 Jahren berufserfahrungen habe ich mich im letzten halben Jahr mal umgeschaut. Abgesehen davon dass viele Unternehmen es nicht mal mehr für nötig halten den Eingang der Unterlagen zu bestätigen, geschweige denn aus Höflichkeit Absagen erteilen, wurde mir nach 4 Gesprächen jeweils vermittelt dass ich überqualifiziert sei und man mich nicht lange halten könne. Ebenso bin ich bei dem derzeitigen Mindestbetrag für eine ausländische Fachkraft von 66.000 Euro mehrfach ausgelacht worden.

    im Ausland zahlt man mir das ohne Diskussion doppelt und dreifach!

    Dieses Land will seine eigenen Kinder nicht, geschweige denn dass man welche bekommt.

  • Soso, es finden sich keine Fachkräfte...
    20.000 ingenieur/innen sind arbeitslos gemeldet.
    ich suche auch und bewerbe mich, nur - die industrie will wie immer die 20 jährigen mit 10 Jahren berufserfahrung für einen Leiharbeiterlohn.
    Fall aus dem bekanntenkreis: Ein 30 jähriger ingenieur frisch von der Uni hat eine Stelle erhalten für 800 Euro netto (Vollzeit!). Trotz erfolgreicher Arbeit wurde er noch in der Probezeit (ohne begründung) gekündigt.
    Und die Ärzte?
    Die wandern seit Jahren nach Norwegen und anderen Ländern aus, wo es weniger Stress und mehr Geld gibt. Denn dem deutsche Gesundheitssystem, das ja an die Lohnentwicklung gekoppelt ist, geht das GEld aus. Nicht wegen hoher Ausgaben, sondern wegen geringer Einnahmen.
    Also: Wie unter Kohl(CDU, sollte es einer vergessen haben) 52% Einkommenssteuer für hohe Einkommen, Vermögenssteuer einführen, paritätische Krankenkassenbeiträge wiederherstellen, beitragsbemessungsgrenze abschaffen und den Hedgefonds einen Riegel vorschieben,

  • Menschen, die Einwanderungspolitik zu kritisieren sind oft mit dem Etikett rassistisch ausgerichtet. Aber die Debatte über unsere multi polaren Welt ist so einseitig, dass wohlmeinende Menschen der höchsten Charakter, der will nur anderen Nationen helfen industriell erfolgreich sind unfair für ihre weise, verwaschene Zeit bewiesen, politische beratung

  • Und zur Familienpolitik, die von der Leyen in den letzten Jahren so erfolgreich modernisiert haben soll:

    die Statistiken sagen aus, dass die Wurfprämie bei den Aischas angekommen ist. Und da die besagte Zielgruppe für ingenieurskunst sowie Medizin weltweit bekannt ist, wird sich damit das Problem des Fachkräftemangels ja ganz von alleine lösen.


    Von der Leyen scheint aber selbst an ihre Politik nicht zu glauben.


    Aber von der Leyen, wäre nicht von der Leyen, wenn sie nicht im stillen Kämmerlein mit Guido an der weiteren Modernisierung der Familienpolitik weiter arbeiten würde - und Voila!, eine neue idee ist schon wieder da:


    wieso machen wir den Familien das Leben nicht leichter und erhöhen die ermäßigte Mehrwertsteuer ???

    Dass der Nutzen der ermäßigten Mehrwertsteuer schon längst nicht mehr die "Kosten" deckt, dafür hat die Mövenpick-Tochter FDP gesorgt.

    Alles dann nur noch reine Formalie, dass der bundesrechnungshof auf diesen Mißstand hinweisen musste. Allerdings nicht im Zusammenhang mit Familien, sondern mit Hotels und Nutten.


    Und das ist wohl die Errungenschaft von der Leyens, die mir bisher nicht so richtig klar geworden ist:

    Nutten und Familien in einen Topf zu werfen, das ist die Modernisierung der Familienpolitik in Deutschland - was für eine große Errungenschaft für eine Studiumabbrecherin, bei der die Wurfprämie absolut unnötig gewesen ist, ja aogar zur Übervölkerung geführt hätte.



    Aber grundsätzlich ist jegliche Kritik an unseren Politikern nicht mehr zeitgemäß - diese Aufgabe haben unsere Politiker nämlich auch Outgesourced (im Fachjargon: captive onshore outsourcing) an die us-amerikanischen Diplomaten.

  • So als Denkanstoss an alle deutsche Uni-Absolventen, die es wirklich drauf haben:

    Wenn man arbeitet, hat man keine Zeit Geld zu verdienen.

    Die betonung liegt auf arbeiten. ist übrigens auch kein Witz oder Zynismus. Das ist so die Lebenserfahrung.

    Keiner von denen in der Politik kann Euch sonst wo das Wasser reichen - wieso sollte man also sich an sowas belangloses wie Politikern orientieren.

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