Fachkräftemangel
Regierung „trödelt“ Arbeitgebern zu sehr

Die Bundesregierung hat es mit der Bekämpfung des drohenden Fachkräftemangels offenbar nicht besonders eilig. Beim "Zukunftsgipfel" Mitte Juni hatte sie mit Wirtschaft und Gewerkschaften eine gemeinsame Arbeitsgruppe vereinbart. Gut drei Monate später hat dieses Gremium noch nicht ein einziges Mal getagt - auch wer konkret daran teilnehmen soll, ist noch offen.
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BERLIN. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Ein erstes Gespräch sei allerdings "noch für dieses Jahr geplant", schreibt das Arbeitsministerium.

Eine Arbeitsgruppe der beteiligten sechs Ministerien hat sich bisher darauf verständigt, zunächst einmal "ein gemeinsames Wissensfundament in Bezug auf Daten und Fakten zum Thema Fachkräftemangel aufzubauen". In der Einleitung verweist die Regierung gleichwohl darauf, dass die Sicherung der Fachkräftebasis "zentraler Handlungsschwerpunkt" sei. Denn es sei "davon auszugehen, dass sich die Schwierigkeiten der Unternehmen bei der Personalsuche weiter verschärfen werden".

Die Grünen werfen der Bundesregierung "Trödelei" vor: "Dieses schwere Versäumnis schadet Unternehmen und Arbeitsplätzen", sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin Kerstin Andreae. "Der Fachkräftemangel droht zu einer Bremse für den Aufschwung zu werden". Die Grünen fordern die Senkung der Verdienstgrenze für hochqualifizierte Zuwanderer von derzeit 66 000 auf 40 000 Euro und wollen dazu Ende September einen Gesetzentwurf einbringen. Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will eine Senkung, konnte das gegen die CDU aber nicht durchsetzen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mahnte die Regierung nach einer Präsidiumssitzung, an der Wirtschaftsminister Brüderle teilgenommen hatte, die beschlossene Initiative zur Sicherung von Fachkräften endlich umzusetzen. "Die deutsche Wirtschaft steht bereit. Jetzt ist es an der Politik, die Ankündigung auch wahr zu machen. Hundt warnte vor den Folgen eines Fachkräftemangels in Deutschland. Er sprach von "dramatischen Engpässen" beim Expertennachwuchs.

"Fehlende Fachkräfte sind in Deutschland kein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Problem. Bereits heute fehlen allein im naturwissenschaftlich-technischen Bereich rund 65 000 Fachkräfte, davon etwa 35 000 Ingenieure", betonte der Arbeitgeberpräsident. Die demografischen Veränderungen würden diese Entwicklung noch massiv verschärfen, warnte Hundt. Deutschland brauche eine Gesamtstrategie zur Fachkräftesicherung. Die Wirtschaft leistet nach Hundts Worten bereits einen wesentlichen Beitrag und investiere Jahr für Jahr mehr als 50 Mrd. Euro in die Aus- und Weiterbildung.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Fachkräftemangel: Regierung „trödelt“ Arbeitgebern zu sehr"

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  • Genau Jonas! ich kann diese unerträglichen Lügen der Wirtschaftvertreter nicht mehr hören. Es ist einfach nicht wahr. Es gibt viele ausgebildete Fachkräfte die nach bestandener Ausbildung entlassen werden und dann bei Zeitarbeitsfirmen ausgebeutet werden. So sieht es aus. Die investition von 50 Mrd Euro für die Aus- und Weiterbildung pro Jahr zweifle ich an. Es geht einzig und allein um Lohndrückerei. Das sieht man schon an der Forderung der Grünen, die die Verdienstgrenze nach unten setzen will. Wie lange lassen wir es uns als Volk noch gefallen, von der Wirtschaft und ihren Lobbyisten regiert (verraten und verkauft) zu werden, statt von den gewählten (aber machtlosen) Politikern?

  • Fachkräftemangel ?

    Die einzige mangelhafte Fachkraft hier ist Dieter Hundt.

    Nur mal ein beispiel bei den ingenieuren:

    in Deutschland arbeiten 650000 Menschen als ingenieuer. Pro Jahr gibt es 40000 neue Absolventen.

    Nach 16 Jahren ist also der durchschnittliche Absolvent arbeitslos, weil man ihn nicht braucht, er hat von 25 bis 41 Chancen auf dem Arbeitsmarkt, und danach von 41 bis 67 auf Hartz4, wir haben also doppelt so viele ingenieure wie die industrie braucht. Das ist sicher kein Mangel.

    Wir haben einen dermassenen Überschuß an ingenieuren, daß nicht mal 60% in ihrem erlernten beruf arbeiten, und pro Jahr tausende Deutschland verlassen um woanders eine adäquate beschäftigung zu finden.

    Gehen Sie Dieter Hundt nicht auf den Leim und hören Sie ENDLiCH auf diesen Dummschwatz vom angeblichen Fachkräftemangel ständig auf's neue abzuschreiben. Er stimmt nicht.

    SPERRT DEN HUNDT ENDLiCH EiN!

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