Fachleute drängen Länder
Rat fordert mehr Studienplätze

Der Wissenschaftsrat hat die Bundesländer dringend aufgefordert, bis zu 30 Prozent mehr Studienplätze zu schaffen. Andernfalls seien „schwerwiegende ökonomische Konsequenzen“ zu befürchten.

BERLIN. Der scheidende Vorsitzende des wichtigsten wissenschaftlichen Beratergremiums, Karl Max Einhäupl, sprach von einem Fiasko, welches in zweifacher Hinsicht drohe: „Die Wirtschaft wird am Ende gezwungen sein, ihren wachsenden Bedarf an Fachkräften in China und Indien zu decken.“ Gleichzeitig werde sich ein Heer abgewiesener Studienbewerber in den Berufsausbildungsmarkt ergießen und so die Probleme auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verschärfen. Darüber hinaus drohe ein massiver Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Nach Prognosen der Kultusministerkonferenz wird sich die Zahl der Studienberechtigten pro Jahr bis 2011 von derzeit rund 380 000 auf über 445 000 erhöhen und auch 2020 noch deutlich über dem heutigen Niveau liegen. Dieser Run auf die Hochschulen müsse als Chance begriffen werden, sagte Einhäupl. Denn zum einen werde als Folge des ökonomischen Strukturwandels der Bedarf an Hochschulabsolventen in Zukunft deutlich steigen. Zum anderen müsse die gut ausgebildete Generation der „Babyboomer“ ersetzt werden, die zu Beginn des nächsten Jahrzehnts in Pension gehe.

Der Wissenschaftsrat hält es deshalb für erforderlich, den Anteil der Abiturienten, die tatsächlich ein Studium aufnehmen, von 75 auf mindestens 80 Prozent zu erhöhen. Langfristig müssten sogar mehr Schüler als heute eine Studienberechtigung erwerben.

Insgesamt 35 Prozent eines Altersjahrgangs möchte der Wissenschaftsrat künftig als Jungakademiker von den Hochschulen ins Arbeitsleben entlassen. Heute sind es knapp 20 Prozent. Durch bessere Betreuung und durch den schneller zu erwerbenden Bachelor-Abschluss soll zugleich die Zahl der Studienabbrecher deutlich verringert werden.

Über die Kosten, die dadurch in den nächsten Jahren auf die Bundesländer zukämen, schweigt sich der Wissenschaftsrat aus. Die Hochschulrektorenkonferenz hatte zuletzt Mehrkosten von 1,5 Mrd. Euro pro Jahr veranschlagt. „20 Prozent mehr Studienplätze bedeuten nicht unbedingt 20 Prozent höhere Kosten“, sagte Einhäupl. Sicher sei aber, dass die Ausgaben im Verhältnis zu dem volkswirtschaftlichen Ertrag, den sie bringen würden, gering seien.

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