Fahndung nach zweitem Bombenleger
„So nah war die Bedrohung noch nie“

Innenminister Wolfgang Schäuble schätzt die Sicherheitslage in Deutschland nach der Festnahme eines Terrorverdächtigen in Kiel „ungewöhnlich ernst“ ein. Er fordert daher bereits konkrete Konsequenzen.

HB BERLIN/KIEL. „So nah war die Bedrohung noch nie“, sagte der CDU-Politiker am Samstagabend im ZDF. Wie viele potenzielle Terroristen in Deutschland lebten, sei völlig unklar. „Wir wissen gar nicht, wen wir hier alles noch haben“, sagte er. Als Konsequenz müsse nun die Anti-Terror-Datei beschlossen und die Videoüberwachung ausgeweitet werden.

Die Fahndung nach dem zweiten Bombenleger vom Kölner Hauptbahnhof läuft unterdessen auf Hochtouren. In Kiel befragten Polizeibeamte bis in den Samstagabend hinein Bewohner des Studentenwohnheims, in dem der am Samstag festgenommene Libanese gewohnt hatte. Der zweite mutmaßliche Täter ist nach den Worten von BKA-Chef Jörg Ziercke aber nicht aus Kiel. Der Kieler Student soll an diesem Sonntag dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe vorgeführt werden, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms. DNA-Spuren aus einem Trolley mit dem Sprengsatz sowie Fingerabdrücke stimmten mit den Spuren des nun festgenommenen Verdächtigen überein.

Die beiden Männer sollen vor drei Wochen im Hauptbahnhof Köln Kofferbomben in Regionalzüge nach Koblenz und Hamm gelegt haben. Kurz vor den Zielorten sollten diese explodieren. Nur ein handwerklicher Fehler hat nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) die Explosion und damit eine Katastrophe mit vielen Toten verhindert.

Womöglich weiterer Anschlag geplant

Nach den Worten von BKA-Chef Ziercke hat „Verunsicherung und Fahndungsdruck“ dazu geführt, dass der Mann in Kiel festgenommen werden konnte. Der Student habe sich aus seinem Wohnort Kiel kurz vor der Festnahme am frühen Samstagmorgen absetzen wollen. Nach ZDF-Informationen wollte der Mann nicht fliehen, sondern einen weiteren Anschlag verüben. Die Polizei hat nach Auskunft von Ziercke keinen Sprengstoff am Bahnhof gefunden.

Die Generalbundesanwältin sieht hinter den beiden Tatverdächtigen eine terroristische Gruppe. „Die Umstände begründen den Verdacht, dass weitere und bislang unbekannte Personen sich dauerhaft zu einer Vereinigung zusammengeschlossen haben, um schwere Gewalttaten in der Bundesrepublik Deutschland zu verüben“, sagte sie. Ziercke warnte davor, in der Wachsamkeit nachzulassen. „Der zweite Tatverdächtige ist noch auf freiem Fuß.“ Man wisse nicht was dieser vorhabe.

Nach einer Bombendrohung ist der Hamburger Hauptbahnhof am Samstagabend für mehr als zwei Stunden komplett gesperrt worden. Ein anonymer Anrufer hatte nach Polizeiangaben behauptet, in dem Gebäude eine Bombe versteckt zu haben. Es wurde jedoch nichts gefunden, so dass der Verkehr nach zwei Stunden wieder freigegeben werden konnte.

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