Fahrplan der Koalition
Sechs Schritte bis zum Ende des Atomzeitalters

Zügiger Netzausbau, bessere Energieeffizienz: Die schwarz-gelbe Regierung hat ein Sechs-Punkte-Programm für die Energiewende ausgearbeitet. Damit soll der Ausstieg aus der Atomkraft beschleunigt werden.
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Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat nach Medienberichten einen Fahrplan für eine Energiewende mit einem schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft entwickelt. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hätten sich auf ein Sechs-Punkte-Programm verständigt, berichten übereinstimmend die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Stuttgarter Zeitung“.

Gesetzt werde auf die Förderung erneuerbarer Energien, einen zügigen Ausbau von Netzen und Speichern, bessere Energieeffizienz, flexible Kraftwerke, eine Neuausrichtung der Energieforschung und auf Bürgerbeteiligung. Das Konzept sei auch die Grundlage für die Gespräche der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder in der kommenden Woche.

Den Berichten zufolge sieht das neunseitige Papier vor, das Zusammenspiel konventioneller Kraftwerke mit der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu optimieren. Zum Ausbau der Windenergie sei eine gemeinsame Offensive von Bund und Ländern zur Ausweisung neuer Standorte für Windkraftanlagen geplant. Um den Bau von Offshore-Anlagen auf See zu fördern, solle das bereits beschlossene Fünf-Milliarden-Euro-Sonderprogramm der KfW-Bankengruppe noch in diesem Frühjahr starten. Zudem sollen Offshore-Windparks leichter genehmigt werden und sich schneller refinanzieren. An Land sollen ältere Windräder verstärkt durch leistungsfähigere Neuanlagen ersetzt werden.

Um mehr Energieeffizienz zu erreichen, will der Bund den Berichten zufolge das Gebäudesanierungsprogramm der KfW schrittweise auf zwei Milliarden Euro aufstocken. Die energetische Sanierung soll steuerlich gefördert und der Energie- und Klimafonds, in den die Atomkraftwerksbetreiber einzahlen, im kommenden Jahr auf eine Milliarde Euro aufgestockt werden. Vorgesehen ist ferner der schnellere Ausbau der Infrastruktur wie der Stromnetze, um etwa den Windstrom vom Norden in den Süden zu bringen. Investiert werden soll auch in flexiblere Kraftwerke und Speicher, die der Stabilisierung der Stromversorgung dienen. Intelligente Netze sollen helfen, den Verbrauch durch die Endkunden so zu steuern, dass nicht alle zur selben Spitzenzeit Strom beziehen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • An Maiers und Tom
    Sie haben Recht ich habe Hamm und Kalkar verwechselt, ich meinte natürlich Kalkar. Dabei finde ich die Forschung in diesen Bereich wichtig. Besonders weil auch die Vorräte von „nutzbaren Uran“ für die gegenwärtigen Reaktoren begrenzt sind. (30-70 Jahre)

    Das Thema Subventionen sollte aber auf den Tisch kommen, wie hoch sind die Subventionen?

    Es wurden zwar Zahlen genannt, aber der Strom aus AKWs ist preiswert. Diesen günstigen Strom verwendet meine „Stadtwerke (Anteilseigner)“ für andere Projekte und finanziert damit auch den Öffentlichen Nahverkehr.

    Wenn es unter dem Schluss nicht preiswert wäre, hätten auch die Monopolisten (Stromproduzenten) dieses Projekt nicht durchgeführt, die Eigner waren die Kommunen.

    Damit wären die Kommunen mittelfristig nicht mehr in der Lage als Stromproduzent aufzutreten, weil sie die wirtschaftliche Basis durch Subventionen zerstören. Eine Kommune ist zwar ein Teil des Staates und deswegen würden dieser immer einen großen Anteil der Subventionen selber tragen. (Letztendlich zahl es der Steuerzahler)

    Ich werde mich in diesen Bereich erkundigen.

    Die 18 Mrd. Rubel die ich als Kosten für Tschernobyl waren nur die Kosten für die Beseitigung der aktuellen Schäden und das verschließen des Reaktorblockes.

    Mit Absicht habe ich nicht die 380.000 Menschen eingerechnet, die man fahrlässig in den Tod geschickt hat.

    Ein Menschenleben sollte man nicht berechnen.

  • Wichtig zu wissen ist, dass der Netzausbau ohne gleichzeitigen Ausbau der Speicher nun gar keinen Sinn macht. Wir transportieren den unveredelten WKA-Strom sonst nur von Nord nach Süd, dadurch wird er keinen Deut wertvoller. Ohne Speicherung (Glättung) alles Murks!

  • Tja, das Maschinenbaustudenten sich mit Ökonomie nicht besonders auskennen, verwundert nicht.

    Atomenergie ist so teuer, dass nirgends auf diesem Planeten Atomkraftwerke gebaut werden, wenn keine staatlichen Subventionen fließen.

    Wie sagte Fatih Birol, der Chefökonom der IEA (Internationale Energieagentur der OECD), einer nicht gerade als atomkritisch bekannten Organisation schon am 9. November 2006 im britischen "The Economist":

    „If governments do not facilitate the investment,
    I don‘t think nuclear will fly.“

    Und das war, bevor die Kosten der wenigen Atomkraftwerke, die sich tatsächlich im Bau befinden, explodierten. Die Ratingagentur Moodys hat wegen dieser extremen Kostensteigerungen bereits angekündigt, das Rating von Energieversorgern abzuwerten, wenn sie Atomkraftwerke bauen wollen.

    Wer also am Ende lachen wird, bleibt abzuwarten. Wer dagegen weinen wird, ist heute schon klar: Der Steuerzahler der Länder, die den Fehler machen, auf Atomkraft zu setzen.

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