Fake-Account gelöscht
Der falsche Weidmann verschwindet

Seine Fans hatten die Facebook-Seite, die anonyme User in Jens Weidmanns Namen erstellt hatten, geliebt. Schnell wurde die Pinnwand für Solidaritätserklärungen genutzt. Doch die Bundesbank versteht damit keinen Spaß.
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DüsseldorfJens Weidmann war ein Fake – zumindest wenn es um sein Profil auf Facebook geht. Dennoch hatten bis Freitag Nachmittag mehr als 650 Personen die Seite mit einem "like" geadelt und eifrig kommentiert. Doch der Bundesbank ging der Spaß zu weit: „Meine Kollegen haben darum gebeten, es zu löschen“, bestätigte eine Sprecherin der Bundesbank gegenüber Handelsblatt Online. Tatsächlich ist die Seite inzwischen nicht mehr zugänglich.

Dabei waren negative Reaktionen auf das Profil in der Netzgemeinde ausgeblieben. Der User Riccardo Hertel postete auf der „falschen“ Weidmann-Seite: „Nur weil es ein Fake ist, ist es kein Grund die Seite nicht zu liken.“

Weiteren Zuspruch erhielt er  von Nutzer Hermann Högemann: „Eigentlich dürfte dem richtigen Jens Weidmann dieses Profil sehr zusagen.“ Und der „falsche Jens“ griff den Handelsblatt-Artikel auf und „gratuliert den Journalisten zu ihrer hervorragenden Rechercheleistung“. (Sorry, diese Links sind jetzt leider auch tot.)

Dabei stellten die Betreiber der Seite zunächst klar, dass sie weiterhin Artikel rund um Jens Weidmann posten und eine Plattform für Diskussionen sein wollen: „Vielleicht regt ihn der enorme Zuspruch hier auf dieser Seite an, selber tätig zu werden.“

Lob für das Profil gibt es auch auf Twitter: Für den User Dr. Marc Dieck  ist das Facebook-Profil von Weidmann ein „wirklich gut gemachter Fake“. Die Facebook-Nutzerin Brigitte de Boer ist sich aber trotz allem sicher, dass der „echte“ Weidmann die große Unterstützung von Seiten seiner Fans zur Kenntnis nehmen wird und er sich nicht „entmutigen und mobben“ lassen soll.

Falsche Facebook-Profile sind nichts Neues. Auf dem Profil selbst war nachzulesen, dass es sich hier um eine Gemeinschaftsseite über Jens Weidmann handelt – nicht, dass er selbst auch postet.  Die Bundesbank war erst am Freitag Vormittag auf die Seite aufmerksam geworden und hatte lange überlegt, ob sie gegen „Fake-Jens“ vorgehen will. „Wir werden dies beobachten und gegebenenfalls reagieren“, hieß es noch mittags.

Am späten Nachmittag hatte sich die Bundesbank dann eine Meinung gebildet. Jens Weidmann ist offline. Aber vielleicht hat die Notenbank ja bereits eine Agentur beauftragt, einen professionellen Auftritt zu organisieren. Zu sagen hat Jens Weidmann ja genug. Und Fans auch.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik

Kommentare zu " Fake-Account gelöscht: Der falsche Weidmann verschwindet"

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  • Der echte Weidmann ist vermutlich auch ein falscher Weidmann:

    Wenn Weidmann jetzt die Situation nicht eskaliert, z.B. mit einem leeren Stuhl bei der EZB oder einer Klage beim EuGh dann ist es sehr wahrscheinlich dass er mit Merkel nur ein abgekartetes Spiel getrieben hat um ihr als Feigenblatt zu dienen.

  • Na so ganz verschwunden ist der Jens Weidmann bei Facebook aber nicht.
    https://www.facebook.com/weidmann.jens

  • Es kann nicht genug Weidmanns geben ;-)

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