Faktencheck Flüchtlinge
Asozial, kriminell, faul?

Vorurteile über Flüchtlinge gibt es viele: Angeblich nehmen sie anderen die Jobs weg, bedrohen die Sicherheit in unserem Land und überfordern die Republik. Doch was sagen die Fakten?
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BerlinRechtsextreme und Fremdenfeinde hetzen lautstark gegen Asylbewerber. Aber auch andere warnen vor einer Überforderung des Landes durch die wachsenden Flüchtlingszahlen – und vor angeblich bösen Folgen für Sicherheit und Wohlstand. Es kursieren zahlreiche Vorurteile und Gerüchte. Ein Blick auf die Fakten.

Nehmen Flüchtlinge Arbeitsplätze in Deutschland weg?
Asylbewerber dürfen zunächst gar nicht in Deutschland arbeiten. In den ersten drei Monaten ist ihnen das komplett verwehrt. Erst nach 15 Monaten fällt zudem die „Vorrangprüfung“: Steht ein Deutscher oder ein EU-Bürger für den Job zur Verfügung, bekommen Asylbewerber keine Beschäftigungserlaubnis.

Die Arbeitgeber fordern eine Senkung dieser Fristen – denn der Bedarf an Arbeitskräften ist groß. Allerdings haben die Betroffenen auch aus anderen Gründen oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. So fehlen ihnen oft in Deutschland anerkannte Qualifikationen und Abschlüsse.

Dabei herrscht in vielen Berufsgruppen Fachkräftemangel, etwa in technischen oder Pflegeberufen. Mehr als ein Drittel der Betriebe fürchtet laut einer Umfrage dadurch Wettbewerbsverluste. Unterm Strich sind Arbeitskräfte aus dem Ausland nach offiziellen Prognosen durchaus nötig für Deutschland.

So würde die Zahl der Menschen, die für den Jobmarkt in Betracht kommen, laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ohne Einwanderung von derzeit 45 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050 auf unter 29 Millionen sinken. Ausländer in Deutschland zahlen laut einer Studie im Schnitt 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben als sie staatliche Leistungen erhalten.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Überfordert der Zustrom von Flüchtlingen die Bundesrepublik?
Laut offizieller Prognose werden in diesem Jahr insgesamt rund 800.000 Asylbewerber in Deutschland erwartet. Inoffizielle Schätzungen liegen deutlich darüber. Die Flüchtlingszahlen sind in den vergangenen Jahren und Monaten rasant gestiegen und liegen nun so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. EU-weit ist Deutschland das Hauptzielland für Flüchtlinge.

Ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt, nehmen andere EU-Staaten wie Schweden allerdings mehr Asylbewerber auf. Und Staaten aus der Region rund um das Bürgerkriegsland Syrien - wie die Türkei, Jordanien oder Libanon – sind ohnehin weit stärker von den großen Flüchtlingsbewegungen betroffen.

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Kommentare zu " Faktencheck Flüchtlinge: Asozial, kriminell, faul?"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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  • @Margit Steer

    Was haben Sie davon, wenn Sie sich und andere über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ohne wesentliche Zuwanderung belügen?
    Woher nehmen SIE denn die Menschen, die in wenigen Jahrzehnten ausreichend in unsere Sozialsysteme einzahlen?
    Nennen Sie doch mal ein Beispiel für einen Staat, wo die Bevölkerung altert, gleichzeitig schrumpft und dennoch den Lebensstandard auf gleichem Niveau hält.

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