Faktisch sinkt die Zahl der Soldaten „nur“ um 10 000
Es gibt auch Gewinner der Standortreform

Das neue Standortkonzept des Bundesverteidigungsministers sieht keineswegs nur Schließungen und Kürzungen vor. Etliche Standorte können auch damit rechnen, dass die Zahl der Bundeswehr-Dienstposten bei ihnen drastisch steigen wird.

ink BERLIN. Die öffentliche Debatte wird darüber hinaus mit irreführenden Zahlen geführt: Wenn Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) die Zahl der Bundeswehr-Soldaten bis 2010 auf 250 000 reduzieren will, dann bedeutet dies faktisch „nur“ einen Rückgang gegenüber der derzeitigen Zahl von 10 000. Denn ihre Zielgröße von 285 000 Posten hat die Bundeswehr nie erreicht. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sprach deshalb am Dienstag auch von „nicht gefüllten Kästchen“ bei den Sollzahlen.

Wie vielfältig das Bild tatsächlich ist, zeigt das Beispiel Seedorf in Niedersachsen. Dort verzeichnet das Ministerium in seiner Statistik den größten Zuwachs unter den Standorten: Denn in der bisher nicht von der Bundeswehr genutzten Kaserne sollen künftig 3640 Bundeswehr- Soldaten stationiert werden. Doch aus Sicht der Gemeinde handelt es sich dabei um einen Ersatz für abziehende niederländische Truppen.

Profitieren werden von der Konzentration der Bundeswehr-Einheiten aber andere Orte wie etwa Augustdorf in Nordrhein-Westfalen. Dort wächst die Zahl der Dienstposten bis 2010 um rund 1 760 Soldaten. Hier soll künftig fast eine komplette Heeres-Brigade untergebracht werden. In Niedersachsen können auch Delmenhorst, Nordholz und Munster mit Zuwächsen rechnen. In Bayern wird etwa die Garnison in Ingolstadt massiv um 1 020 auf 1 330 Soldaten aufgestockt. In Brandenburg profitieren Wittstock und Schönwalde von der Umorganisation mit einem Plus von 800 bzw. 720 Soldaten.

Hintergrund sind die von den Militärs angestrebte klarere Dreiteilung der Bundeswehr in Eingreif-, Stabilisierungs- und Unterstützungskräfte und der dafür nötige Umbau. Schneiderhan kündigte dabei zum Beispiel einen Abbau der 22 Heeres-Brigaden auf künftig nur noch zwölf an. Deren Verfügbarkeit für Auslandseinsätze soll aber erhöht werden. So sinkt die Zahl der voll einsatzfähigen Kampfkompanien nicht etwa, sondern steigt.

Ziel ist auch, Einheiten räumlich näher zusammenzufassen. So profitieren die Standorte Munster und Augustdorf davon, dass der Stab der Eingreifdivision des Heeres in Hannover sitzen wird. In Seedorf wird die Masse der Verbände der Luftlandebrigade 231 angesiedelt. Die bisher landesweit verstreuten Kräfte zur Kampfmittelbeseitigung der Bundeswehr werden künftig in Stetten am kalten Markt zusammengefasst. Ausschlaggebend für die Konzentration war für die Militärs in den meisten Fällen, dass sich in der Nähe der Verbände Truppenübungsplätze befinden. Dies erklärt auch den Zuwachs an einigen bayerischen Standorten, da die Amerikaner künftig ihre mobile neue US-Stryker-Brigade in Grafenwöhr unterbringen wollen.

Die betriebswirtschaftlichen Einsparungen des Standortkonzeptes beziffert die militärische Spitze der Bundeswehr mit rund 200 Mill. Euro pro Jahr für Personal und Sachkosten. Zudem könnten rund 600 Mill. Euro aus der Planung gestrichen werden, die bisher für Betrieb und Investition an den 105 nun zu schließenden Standorten geplant waren.

Quelle: Handelsblatt

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