Faktor Mensch: Karriereberatung für Guttenberg

Faktor Mensch
Karriereberatung für Guttenberg

Nun steht Karl-Theodor zu Guttenberg ohne Job da. Und was jetzt? Charity, Beratung oder Anwaltsjob wären Möglichkeiten für den Ex-Minister - eine kleine Karriereberatung.
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Herr zu Guttenberg, als hätten Sie es geahnt, haben Sie im Oktober bei Thomas Gottschalk in „Wetten, dass ...?“ gesagt: „Ruhm ist doch gar nichts wert. Er kann von einer Sekunde zur anderen weg sein. Und das wird auch mir passieren.“ Nun ist Ihnen das tatsächlich passiert, wenn auch nicht in einer Sekunde, sondern in drei Wochen. Sie haben Ihren Doktortitel und Ihre Ämter verloren.

„Was nun?“ werden Sie sich fragen, wird Ihre Frau Sie fragen. Ja, was nun? Lassen Sie uns mal gemeinsam überlegen ... Aber um eines gleich von vornherein klarzustellen: Ihre zweite Chance für ein Comeback in der Politik müssen Sie sich hart erarbeiten.

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken, und versuchen Sie nicht, Ihre Schwächen zu überwinden oder Fehler wiedergutzumachen. Konkret, schließen Sie sich jetzt bitte nicht im Studierzimmer Ihres Schlösschens ein, um eine neue Doktorarbeit zu schreiben. Das wäre verschwendete Zeit! Bitte schenken Sie uns auch keine neue Stiftung, die sich ausschließlich den Armen, Dummen oder Kreativen widmet. „Charity Ladies“ haben wir genug. Sie sollten etwas Richtiges schaffen. Und bitte gründen Sie auch keine neue Partei, wie es Oskar Lafontaine versucht hat. Diese Basisarbeit ist nichts für Sie, glauben Sie mir.

Schauen Sie sich lieber etwas bei Ihren abgetretenen Ex-Politiker-Kollegen ab. Vielleicht taugt ja einer von denen als Vorbild. Oder ist abschreckend.

Friedrich Merz und Jürgen Rüttgers zum Beispiel, die sind ja Juristen wie Sie. Beide sind bei Anwaltskanzleien untergekommen. Dieser Weg ist für Sie aber eher unwahrscheinlich, weil Sie kein Zweites Staatsexamen haben. Also, abhaken. Dann Ihr Parteikollege Ole von Beust, zwar ein Fischkopp, aber Jurist wie Sie. Er ist inzwischen bei der Strategieberatung Roland Berger gelandet. Ich finde, für einen 55-Jährigen ist das o.k., aber nicht für einen 39-Jährigen, der auf seine zweite Chance in der Politik hofft. Denn wie wollen Sie sich als einer von vielen Beratern beweisen? Dann lieber die Joschka-Fischer-Tour, Außenminister und Turnschuhträger a. D., der seine eigene Beratung hat. Aber da Berater auch nicht gerade Sympathieträger sind, würde ich dazu nicht raten. Nett, aber formatlos wäre noch der Vereinsmeier à la Rudolf Scharping. Der war lange nur noch als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer unterwegs.

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  • Die ersten erfrischenden Zeilen überhaupt, den das HB bislang veröffentlicht hat! Weder undifferenzierte Beweihräucherung noch wutentbrannte Verbannung eines Menschen, der einem fast leid tun könnte, ob seiner bis zuletzt treu gebliebenen "Irrfahrt"!
    Aus heutigem Blickwinkel möchte ich ihn nicht zurück, denn die Kombination aus seiner Nähe zur US-Regierung und seiner bislang nicht vorhandenen Bodenhaftung erscheint mir allzu gefährlich für Deutschland!
    Freue mich schon mehr von Frau Kewes zu lesen!

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