Fall Buback
Ex-RAF-Terroristin Verena Becker verhaftet

Untersuchungshaft für Verena Becker: Die Bundesanwaltschaft hat den Haftbefehl gegen die frühere RAF-Terroristin in Vollzug gesetzt. Ob gegen sie wegen des Anschlags auf Generalbundesanwalt Buback im April 1977 Anklage erhoben wird, ist allerdings noch unklar

KARLSRUHE. Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker kommt in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl sei am Freitagabend in Vollzug gesetzt worden, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Becker war am Donnerstag in Berlin festgenommen und am Freitag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt worden. Ob gegen sie wegen des Anschlags im April 1977 Anklage erhoben wird, ist noch unklar.

Die Beschuldigte sei "dringend verdächtig, gemeinschaftlich mit anderen am 7. April 1977 in Karlsruhe aus niedrigen Beweggründen drei Menschen heimtückisch getötet zu haben und mithin des Mordes in drei tateinheitlich zusammentreffenden Fällen schuldig zu sein", so die Bundesanwaltschaft.

Becker wird zur Last gelegt, sich an dem Anschlag des "Kommandos Ulrike Meinhof" der "Roten Armee Fraktion (RAF)" auf Generalbundesanwalt Buback vom 7. April 1977 als Mittäterin beteiligt zu haben. Das Attentat, dem auch der Fahrer Bubacks, Wolfgang Göbel, und der Erste Justizhauptwachtmeister Georg Wurster zum Opfer fielen, war Teil einer von der "RAF" als "Offensive 77" bezeichneten Anschlagsserie, die eine feste Gruppe von "RAF"-Mitgliedern für das Jahr 1977 geplant hatte. Verena Becker, die zu dieser Gruppe gehörte, soll demnach wesentliche Beiträge zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags vom 7. April 1977 und im Rahmen des Nachtatgeschehens geleistet haben.

Gegen Verena Becker war bereits unmittelbar nach ihrer Festnahme am 3. Mai 1977 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der mittäterschaftlichen Beteiligung an der Ermordung des Generalbundesanwalts Buback und seiner beiden Begleiter Göbel und Wurster eingeleitet worden. Die damals geführten Ermittlungen hatten den Tatvorwurf allerdings nicht mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit erhärten können. Trotz eines verbleibenden Tatverdachts wurde das Verfahren daher am 31. März 1980 eingestellt.

Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte Verena Becker jedoch am 28. Dezember 1977 unter anderem wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes an sechs Menschen zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Gegenstand des Strafverfahrens waren die Vorgänge im Zusammenhang mit ihrer Festnahme am 3. Mai 1977 in Singen. Sie hatte als "RAF"-Mitglied gemeinsam handelnd mit dem "RAF"-Mitglied Sonnenberg versucht, sich durch den Einsatz von Schusswaffen der drohenden Verhaftung zu entziehen. Verena Becker wurde schließlich durch Entscheidung des Herrn Bundespräsidenten vom 25. September 1989 begnadigt und am 30. November 1989 aus der Strafhaft entlassen.

Nach der Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der mittäterschaftlichen Beteiligung an der Ermordung des Generalbundesanwalts Buback und seiner beiden Begleiter Göbel und Wurster am 9. April 2008 erfolgten unter anderem molekulargenetische Untersuchungen der Briefumschläge, mit denen Selbstbezichtigungsschreiben der "RAF" zu dem Anschlag vom 7. April 1977 versandt worden waren. Solche Untersuchungen sind erst in jüngerer Zeit kriminaltechnisch möglich geworden. Aufgrund der durch die molekulargenetischen Untersuchungen entstandenen neuen Verdachtsmomente veranlasste die Bundesanwaltschaft eine Reihe von verdeckten Ermittlungsmaßnahmen, die zu der Durchsuchung der Wohnung der Beschuldigten am 20. August 2009 führten.

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