Fall Henrico Frank
BA-Chef empört über Deutschlands prominentesten Arbeitslosen

Waschen und rasieren hat letztlich nichts genützt: Der bundesweit bekannt gewordene Arbeitslose Henrico Frank hat die von SPD-Chef Kurt Beck übermittelten Jobangebote als ungeeignet abgelehnt und sieht auch weiterhin keinen Grund zur Entschuldigung. Nun attackierte BA-Chef Weise den 37-Jährigen.

HB NÜRNBERG. Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, kritisierte das Verhalten des arbeitslosen Henrico Frank aus Wiesbaden als „verheerend für alle Arbeitslosen“. Der 37-Jährige repräsentiere ein Bild, das nicht der Wirklichkeit entspreche, sagte Weise.

Seine Darstellung in der Öffentlichkeit sei „ganz schlimm“. Dadurch erhielten Vorurteile gegen Menschen ohne Arbeit neue Nahrung. „Man könnte sagen, das ist ein Einzelfall. Aber er ist verheerend in der öffentlichen Darstellung“, betonte der Chef der Nürnberger Bundesagentur.

Der Langzeitarbeitslose hatte SPD-Chef Kurt Beck auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt heftig wegen Hartz IV angegriffen, worauf ihm der rheinland-pfälzische Ministerpräsident empfahl, sich zu waschen und rasieren, dann werde er auch eine Arbeit finden. Dies tat Frank, lehnte aber die Annahme mehrerer durch Becks Initiative angebotene Stellen wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen ab.

Jobs wie Straßenbauarbeiter, Müllwerker oder Lkw-Fahrer seien für einen Mann mit kaputter Schulter und Bandscheibenschaden nicht zu leisten, ließ Frank durch seine "Sprecherin" erklären.

Vor Weise hatten bereits zahlreiche Politiker und Arbeitslosenverbände das Verhalten des Arbeitslosen heftig angegriffen. Die Stadt Wiesbaden kündigte unterdessen an, den Fall des Langzeitarbeitslosen genau unter die Lupe zu nehmen. Unter den Jobangeboten, die Beck dem 37-Jährigen übermittelt habe, seien auch Tätigkeiten, die eine Person mit gesundheitlichen Einschränkungen wahrnehmen könne, sagte die Sprecherin der Stadt, Ilka Gilbert-Rolke. Sollte sich herausstellen, dass Frank die Arbeitsangebote aus reiner Unlust ausschlage, könne dies zu einer Kürzung des Arbeitslosengelds II von bis zu 100 Prozent führen.

Beck warnte am Freitag vor einem pauschalen Urteil über Menschen ohne Beschäftigung. Aus Franks Verhalten dürfe nicht auf das Verhalten aller Langzeitarbeitslosen geschlossen werden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Das ist unzulässig und bringt uns überhaupt nicht weiter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%