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Fall Schavan: Rechtsstreit wird sich über Monate hinziehen

In Kürze wird Schavan von der Uni die schriftliche Begründung für den Titelentzug erhalten, dann bleiben ihr vier Wochen, um dagegen zu klagen. Ein Prozess kann sich lange hinziehen – wie andere Plagiats-Fälle zeigen.

Bruno Bleckmann, Dekan der philosophischen Fakultät, wird die Begründung der Uni Düsseldorf für den Entzug von Schavans Doktortitels verfassen. Quelle: dpa
Bruno Bleckmann, Dekan der philosophischen Fakultät, wird die Begründung der Uni Düsseldorf für den Entzug von Schavans Doktortitels verfassen. Quelle: dpa

DüsseldorfBald bekommt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) Post von der Universität Düsseldorf: In den nächsten Tagen soll sie die schriftliche Begründung für den Entzug ihres Doktortitels erhalten. Mit dem Erhalt des Bescheids beginnt die vierwöchige Frist, um eine Klage am Verwaltungsgericht Düsseldorf einzureichen. Schavan hatte bereits angekündigt, gegen die Entscheidung der Uni juristisch vorgehen zu wollen.

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Wie lange das Gerichtsverfahren dauern wird, ist unklar. „Jeder Fall ist anders“, sagte ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Düsseldorf. Es gebe „keine speziellen Regelungen“ für Verfahren bei Klagen gegen die Aberkennung akademischer Grade. Scheitert Schavan mit ihrer Klage, könnte sie in Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster und als letzter Instanz beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gehen.

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Im Plagiats-Fall der Unternehmerin und Honorarprofessorin Margarita Mathiopoulos vergingen vom Entzug des Doktortitels durch die Uni Bonn im April 2012 bis zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln knapp acht Monate. Das Gericht hatte ihre Klage im Dezember 2012 zurückgewiesen.

Auch der Fall Silvana Koch-Mehrin zieht sich schon lange hin. Die Universität Heidelberg hatte der FDP-Politikerin im Juni 2011 den Doktortitel aberkannt, den sie mit ihrer Arbeit über die "Lateinische Münzunion 1865-1927" erlangt hatte. Ihr wurde vorgeworfen, die Arbeit in substanziellen Teilen aus Plagiaten erstellt zu haben. Koch-Mehrin hatte bereits vor der Universität Widerspruch gegen die Aberkennung eingereicht, war damit aber gescheitert. Mängel ihrer Arbeit seien bereits bei der ursprünglichen Bewertung erkannt worden und in die Note eingeflossen, argumentiert die Politikerin.

Entschieden wird der Fall vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe. Dort wird die mündliche Verhandlung zu Koch-Mehrins Klage gegen die Aberkennung ihres Doktortitels am 4. März fortgesetzt. Sowohl Koch-Mehrin als auch die beklagte Universität Heidelberg hätten Schriftsätze mit "neuen, bislang nicht erörterten Gesichtspunkten" eingereicht, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Das Verfahren war im November vergangenen Jahres unterbrochen worden, damit beide Seiten weitere Unterlagen nachreichen konnten.

  • 06.02.2013, 13:29 Uhrob@bad-homburg.eu

    Lassen sie mich raten - eine besodners eilbedürftige Familienrechtliche Entscheidung im Zuge der einstweiligen Anordnung?

    Sowas dauert immer exakt ein halbe Jahr denn das ist die Frist innerhalb welcher das Verfahren in der Hauptsache eröffnet werden muß wenn eine einstweilige Anordnung vorlag.

    (...)
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  • 06.02.2013, 13:34 Uhrpro-D

    wow, genial was wir so an Saubermännern in der Politik haben. ein wirklich nettes Beispiel für das Volk:
    (...)

    Ich bin echt begeistert, was in dt. Landen so abgeht.

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  • 06.02.2013, 13:34 UhrBrasil

    Eine Bildungsministerin, der von Experten, nach monatelanger Pruefung der (erschlichene) Titel aberkannt wurde ist absolut untragbar!
    (...)
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