Fall wird untersucht
Bundeswehrsoldaten sollen giftige "Bonbons" verteilt haben

Neue Misshandlungsvorwürfe gegen Bundeswehrsoldaten sind bekannt geworden. Dabei sollen diesmal nicht Soldaten, sondern Kinder die Opfer sein.

HB BERLIN. Die Soldaten sollen nach Angaben eines Ex-Soldaten giftigen Trockenbrennstoff als Bonbons an Kinder bei einem Auslandseinsatz verteilt haben. Dies gehe aus einer Eingabe des ehemaligen Soldaten an den Wehrbeauftragten Willfried Penner hervor, sagte einer seiner Mitarbeiter am Freitag in Berlin. Die Eingabe sei sehr vage und nenne weder das Land noch die Zeit, in sich der Vorfall ereignet haben soll. Der Ex-Soldat habe sich in der Eingabe auch über seine Grundausbildung beschwert. „Wir nehmen das ernst“, sagte der Mitarbeiter. Der Fall werde untersucht. Er sei bekannt geworden, nachdem wegen der Misshandlungsvorwürfe in einer Kaserne im nordrhein-westfälischen Coesfeld die Aufforderung an die Soldaten ergangen war, Übergriffe zu melden.

Auch das Bundesverteidigungsministerium hatte die Eingabe des Ex-Soldaten mit den Vorwürfen bestätigt, über die die „Bild“-Zeitung berichtet hatte. Der Fall wurde Minister Peter Struck (SPD) vorgelegt. Dem Zeitungsbericht zufolge handelte es sich bei dem Trockenbrennstoff um ein Fabrikat der Marke Esbit. Dieser wird in Form von in Folie verpackten weißen Tabletten oder Riegel als Brennstoff etwa für Campingkocher eingesetzt. Nach Angaben des Herstellers ist der Brennstoff in den Rationspaketen verschiedener Armeen enthalten.

Unter Verteidigungsexperten im Bundestag hieß es, Penners Bericht enthalte darüber hinaus keine weiteren Angaben. Daher könne man noch nicht einschätzen, ob die Vorwürfe aus der Eingabe des Soldaten stimmten.

Offenbar handelt es sich um denselben Soldaten, der auch Vorwürfe über die Misshandlung von Soldaten in Ahlen erhoben hatte. Dazu hatte es in einem Zwischenbericht des Ministeriums geheißen, ein früherer Zeitsoldat habe im November bei Penner eine Beschwerde eingelegt wegen entwürdigender Behandlung von Soldaten. Im Frühjahr 2002 seien bei einer simulierten Geiselnahme unliebsame Soldaten schikaniert worden. Er habe zudem rechtsextremistische Gesinnung und Drogenkonsum gerügt. Im Bericht des Ministeriums heißt es: „Die vorliegenden Angaben sind bisher allerdings nicht so konkret, dass gegen bestimmte Personen ermittelt werden kann.“ Die Ermittlungen dauerten an.

Die Bundeswehr geht seit Wochen Vorwürfen über die Misshandlung von Soldaten wie in Coesfeld nach. In Coesfeld sollen zahlreiche Rekruten entführt, gefesselt und durch Bespritzung mit Wasser und Stromstöße gequält worden sein. Bislang sind über 20 Fälle bekannt geworden, in denen Soldaten in der Ausbildung misshandelt wurden oder in denen der Vorwurf der Misshandlung erhoben wurde. Struck hatte die Misshandlungen als unannehmbar bezeichnet und die Entlassung der Täter angekündigt.

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