Familie und Beruf
Arbeitsmarkt braucht mehr Frauen

Für Frauen ist es immer noch schwierig, Beruf und Familie unter einen Hut zu kriegen. Deutschland kann es sich aber nicht mehr erlauben, junge und gut ausgebildete Frauen zu verlieren. Beide Lebensbereiche müssen daher in Zukunft besser verzahnt sein – dazu gehört auch eine gleichmäßigere Arbeitsteilung der Geschlechter.

BERLIN. In einem sind die Experten sich einig: Wenn ab 2010 immer weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen, kann es sich die deutsche Gesellschaft nicht mehr leisten, weiterhin vor allem gut ausgebildete Frauen an die „Familienpause“ zu verlieren. Die EU-Kommission hat sich daher bereits vor Jahren das Ziel gesetzt, die Frauenerwerbsquote in den Mitgliedsländern schrittweise zu erhöhen. Eine höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen soll aber auf der anderen Seite nicht dazu führen, dass in Deutschland künftig noch weniger Kinder geboren werden als heute.

Doch genau hier liegt das zentrale Dilemma deutscher Familien und der hiesigen Familienpolitik. Formal erfüllt Deutschland zwar schon heute die Vorgaben der EU. Mit einer Frauenerwerbsbeteiligung von über 58 Prozent hat es, oberflächlich betrachtet, die Zielmarke von 60 Prozent für 2010 schon fast erreicht. Doch der Schein trügt: Ein Großteil der Frauen arbeitet nur Teilzeit. Rechnet man in Vollzeitstellen, liegt die Quote daher nur bei 46 Prozent.

Zudem verzerrt die hohe Arbeitslosigkeit das Bild: Da seit Beginn der 90er Jahre ungefähr doppelt so viele Männer wie Frauen erwerbslos wurden, blieb die Frauenerwerbsbeteiligung – gemessen in Vollzeitjobs – beinahe konstant, während die der Männer von 76 auf 69 Prozent zurückging. Da tröstet es wenig, dass heute gut eine Million mehr Frauen im Job sind als Anfang der 90er-Jahre. Denn dieser Zuwachs hat vor allem bei Teilzeitjobs und schlechter qualifizierten Tätigkeiten stattgefunden.

Auf den höheren Qualifikationsniveaus geht die Schere zwischen Männern und Frauen noch immer auseinander: Haben Frauen und Männer zunächst gemeinsam studiert, gemeinsam den Einstieg in den Beruf geschafft, so zeigt die Statistik vom 30. Lebensjahr an einen Knick: Männer klettern in der Unternehmens- und Einkommenshierarchie weiter nach oben, Frauen bleiben dagegen auf der Karriereleiter stehen oder springen sogar gleich ganz ab. Bis auf den Chefsessel schaffen es gerade einmal zehn Prozent – und auch dort verdienen sie nach einer Studie der Hamburger Wirtschaftsprofessorin Sonja Bischoff deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Dabei wird die deutsche Volkswirtschaft ab 2010 immer stärker darauf angewiesen sein, dass sich gerade die gut ausgebildeten Frauen dauerhaft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen.

Das scheitert bisher daran, dass sich Beruf und Familie schlecht vereinbaren lassen. Zugleich aber entscheiden sich immer mehr vor allem gut ausgebildete Frauen aus finanziellen Gründen gegen Kinder. Gerade für sie ist die Familiengründung ein schlechtes Geschäft. Wie schlecht, das zeigt eine Studie von Wolfgang Strengmann-Kuhn (Universität Frankfurt) und Barbara Seel (Universität Hohenheim): Durch Gründung einer Familie und wegen der durchweg schlechteren Bezahlung auf gleichen Positionen verlieren Frauen mit Hochschulabschluss im Vergleich zu gleich ausgebildeten Männern insgesamt 275 000 Euro an Lebenseinkommen.

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