Familie und Politik
Spitzen-Politikerinnen fordern den politikfreien Sonntag

Die neue Linken-Chefin Katja Kipping blockt Terminkalender für ihre Tochter. Mit Kolleginnen von CDU und SPD ist sie sich einig: Die Familie geht sonntags vor. Sie fordern einen politikfreien Sonntag.
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BerlinZahllose Pflichttermine und am Wochenende noch ein Bürgerfest oder Parteitag: Spitzenpolitiker sind permanent im Einsatz und riskieren damit eine Überlastung. Nun fordern Spitzenpolitikerinnen mit Kleinkindern ein Innehalten und wenigstens "politikfreie Sonntage", um auch mal durchzuschnaufen.

Die neue Linke-Vorsitzende Katja Kipping, die eine acht Monate alte Tochter hat, sagte der "Welt am Sonntag", angesichts der Dauerbelastung von Berufspolitikern müsse es auch in der Politik mal "einen freien Tag geben". Es dürfe "nicht zum Standard werden, einfach durchzuarbeiten".

Kinder gehen vor

Kipping nimmt sich nach eigener Aussage "ganz sturköpfig" jeden Tag Zeit für ihre Tochter. "Da hilft ein Trick: Ich blocke in meinem Terminkalender für sie immer ein paar Stunden am Stück." Daher sei nicht zu befürchten, dass sie in ihrer neuen, aufwendigen Funktion als Parteichefin zu einer Rabenmutter werde. Im Übrigen "streite ich ja nicht nur für mich für gesellschaftliche Veränderungen, sondern auch für die Zukunft meiner Tochter".

Mit Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die ebenfalls eine kleine Tochter zu betreuen hat, habe sie sich auch schon einmal darüber ausgetauscht, wie eine Spitzenpolitikerin mit Kleinkind den Alltag managt, berichtete Kipping. "Und wir waren uns in einem Punkt einig: Wir brauchen politikfreie Sonntage." Das habe ursprünglich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles gefordert, die im vergangenen Jahr eine Tochter zur Welt brachte. "Vielleicht werden wir da mal eine parteiübergreifende Initiative starten", stellte Kipping in Aussicht.

Volksfeste immer am Wochenende

Die Chancen stehen offenbar nicht so schlecht, denn auch in der SPD-Spitze gibt es gleich mehrere Frauen, die nicht nur kräftezehrenden Jobs nachgehen, sondern auch noch verantwortungsvolle Aufgaben als Mütter wahrnehmen. Das gilt neben Andrea Nahles beispielsweise auch für die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig. Die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Mutter eines Sohnes im Kleinkindalter, unterstützt nachdrücklich Kippings Forderung nach Sonntagen ohne Partei- oder Ministertermine.

Der Nachrichtenagentur dapd sagte Schwesig: "Wir können nicht von Unternehmen familienfreundliche Arbeitszeiten verlangen, und die Politiker machen das Gegenteil." Um dann allerdings gleich wieder einzuschränken: "Klar: Politiker werden sich sonntags weiter auf Volksfesten sehen lassen. Aber Politik muss auch vorleben, dass Familie sonntags vorgeht."

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Familie und Politik: Spitzen-Politikerinnen fordern den politikfreien Sonntag"

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  • Frau Kipping sollte die politik-freie 7-Tage-Woche praktizieren. Und zwar bis zur Rente. Und Gysi, Laffo und Waggy nehmen sie mal gleich mit ! Und tschüss.

    Was bedeutet eigentlich dieser graue Stern am Halsband von Frau Wagenknecht, den sie ständig trägt ? Ein Fruchtbarkeits-Okkult ?? Ist das eine Broschen Napoleons von der Saar ? Ein Relikt der Revolutions-Garden sogar ?? Weiss das jemand ??

  • Das ist doch lachhaft. Jeder Maschinenbaustudent z.B. hat mindestens eine 70-Stunden-Woche und dürfte jedes Wochenende im Jahr gut beschäftigt sein, um nicht zu den durchschnittlich 85% Durchfallern in den Klausuren zu gehören. In allen großen Firmen ist es selbstverständlich, dass im Bereich F&E am Wochenende durchgearbeitet wird. Und eine von Steuergeldern alimentierte Mutti will Sonntags ihren Hintern nicht auf einem Parteitag plattsitzen. Wirklich lachhaft. Wenn solches Verhalten einreißt, werden uns die Asiaten bald komplett übernehmen.

  • So ganz unrecht hat sie nicht.
    Es wird doch ohnehin nur noch rumgekakelt in Berlin
    Ich denke, unsere Politiker müssen mal wieder lernen, die Woche über ordentlich zu arbeiten, dann ist auch am Sonntag frei
    Ausnahmen gibt es immer
    Aber würden die nicht so viele Nebentätigkeiten haben, würden sie auch in der Woche was geleitster bekommen
    Man sieht es doch, wenn Budnesagsdebatten sind, wie wenig Abgeordnete oft da sind.
    Dann brauchen sie aber auch Sonntag nicht plötzlich eifrig tun nur um uns vorzugaukeln, sie müßten so viel arbeiten

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