Familienbericht
Experten unterstützen Elterngeld-Forderung von Rot-Grün

Das von Rot-Grün angestrebte Elterngeld als Lohnersatz findet bei Experten Unterstützung. Damit könnte dem finanziellen „Achterbahn-Effekt“ junger Familien wirksam begegnet werden, hieß es bei der Übergabe des aktuellen Familienberichts an die Bundesregierung.

HB BERLIN. In ihrem am Dienstag in Berlin an die Bundesregierung übergebenen 7. Familienbericht unterstützen führende Familienexperten die SPD-Forderungen nach einem Elterngeld als Lohnersatz. Sie befürworten ferner eine Bündelung aller Familienhilfen von Staat und Kommunen sowie einen flexibleren Wechsel zwischen Beruf und anderen nützlichen Tätigkeiten wie die Familienbetreuung.

„Familienpolitik auf allen Ebenen gehört in eine Hand“, sagte der Vorsitzende der Expertenkommission, Hans Bertram (Berlin). Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) begrüßte das „fast visionäre Konzept“ der Wissenschaftler. Sie unterstützte dabei das Ziel, längerfristig alle familienbezogenen Leistungen zu einer „Familienkasse“ zusammenzuführen. „Das wird allerdings nicht in zwei oder drei Jahren geschehen“, fügte sie hinzu.

Mit einem Elterngeld, bei dem berufstätige Väter oder Mütter ihr Gehalt vorübergehend vom Staat erhalten, könnte dem finanziellen „Achterbahn-Effekt“ junger Familien wirksam begegnet werden, meinte Bertram. Dieses Konzept setze sich zunehmend in Europa durch, so jetzt auch in Frankreich und Großbritannien.

In dem 500 Seiten starken Familienbericht wird auch ein „Optionszeitenmodell“ vorgeschlagen. Dabei sollen Berufstätige sich vorübergehend vom Beruf freistellen lassen können, um sich der Familie, ihrer Weiterbildung oder anderen gesellschaftlich nützlichen Tätigkeiten widmen zu können. „Das sehr starre Lebenslaufsystem in Deutschland muss überwunden werden“, sagte Kommissionsmitglied Helga Krüger (Bremen). Die Familie mit beiden Elternteilen als Erwerbstätige müsse zur Regel werden.

Finanzierung noch unklar

Die Familienministerin bekräftigte ihr Ziel, in die Zahlung eines Elterngeldes vom Jahr 2008 an einzusteigen. Als weitere Maßnahmen zur besseren Finanzausstattung der Familien nannte sie eine erhöhte steuerliche Absetzbarkeit von Betreuungskosten für die Kinder und die Weiterentwicklung des Kinderzuschlags. Daneben müsse aber auf jeden Fall die Infrastruktur zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgebaut werden.

Für die CDU/CSU-Fraktion kritisierte Maria Böhmer, dass die Finanzierung des Elterngeldes völlig in den Sternen stehe. Rot-Grün habe die Einkommensgrenzen für das Erziehungsgeld so lange gesenkt, bis die Durchschnitts-Familie leer ausgehe. Für die FDP ist das Elterngeld grundsätzlich eine gute Idee. Rot-Grün habe aber kein Finanzierungsplan dafür.

Der Familienbericht wird alle fünf Jahre im Auftrag der Bundesregierung erstellt. Er ist noch nicht öffentlich, sondern wird mit einer Stellungnahme der Bundesregierung dem Parlament zugeleitet.

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