Familienförderung
Ifo: Elterngeld fördert Armutskarrieren

Das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung geht mit den Konditionen des Elterngeldes hart ins Gericht, die die Koalition am 1. Mai beschlossen hatte: Der Mindest-Monatsbetrag von 300 Euro mache es für arbeitslose Eltern reizvoll, arbeitslos zu bleiben. Dadurch drohten vermehrt Armutskarrieren der Kinder.

HB BERLIN. „Der Sockelbetrag fällt nicht nur aus der Logik des Elterngelds heraus, das ja Einkommenseinbußen durch Kindererziehung mildern soll“, sagte der Arbeitsmarkt- und Familienexperte des Instituts, Martin Werding, dem Handelsblatt. Die neue Geldleistung vermindere auch die ohnehin schwachen Anreize für Empfänger von Arbeitslosengeld II, eine Arbeit aufzunehmen, da es nicht auf andere Transferleistungen angerechnet werde, also zusätzlich gezahlt fließe. „Es besteht die Gefahr, dass damit vermehrt Armutskarrieren der Kinder Vorschub geleistet wird.“

Werding sagte, zwar ersetze das Mindestelterngeld nur das Erziehungsgeld von 300 Euro, das einen ähnlichen Effekt habe. Dies ändere aber nichts daran, dass die neue Geldleistung im Widerspruch zur Zielsetzung der großen Koalition stehe, die Arbeitsanreize im unteren Einkommensbereich zu erhöhen.

Nach Berechnungen des Ifo-Instituts müsste eine ALG-II-Empfänger-Familie 1 400 Euro brutto zusätzlich zum Arbeitslosengeld II verdienen, um ihr Nettoeinkommen um 300 Euro erhöhen. Mit der neuen Elterngeldregelung erhalte eine Familie dieses Geld für jedes neu geborene Kind für 14 Monate lang „quasi oben drauf“, ohne einen Job annehmen zu müssen. Dabei stünden ALG-II-Empfänger mit Kindern dem Arbeitsmarkt de facto schon heute oft nicht zur Verfügung, weil sich Arbeit für sie finanziell nicht rechne. So verfüge ein westdeutsches arbeitsloses Ehepaar mit Kind schon ohne das Mindestelterngeld über ein Transfereinkommen von 1327 Euro im Monat.

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