Familienfreundlichere Bundeswehr: Grüne kritisieren von der Leyens Vorstoß

Familienfreundlichere Bundeswehr
Grüne kritisieren von der Leyens Vorstoß

Mehr Teilzeit, weniger Versetzungen: Die Verteidigungsministerin will den Soldaten das Leben erleichtern. Viele finden das gut, von der Opposition kommt aber auch Kritik.
  • 12

BerlinDer Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner mahnt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Finanzierbarkeit ihrer geplanten Attraktivitätsoffensive für die Bundeswehr zu sichern. „Die Umsetzung der Maßnahmen wird viel Geld kosten, das bislang nicht im Verteidigungshaushalt zur Verfügung steht“, sagte Lindner dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Die Ministerin muss sagen, wie sie das finanzieren will.“

Allein ein flächendeckendes Kita-Angebot würde eine zweistellige Millionensumme erfordern, schätzt der Grünen-Politiker, der auch im Haushaltsauschuss der Bundestags sitzt. Für flexiblere Arbeitszeiten sei zudem die Einstellung zusätzlichen Personals notwendig.

Dagegen hatte neben dem Koalitionspartner SPD auch der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus die Initiative begrüßt. Gerade weil der Militärdienst immer auch von persönlichen Härten geprägt sei, müsste das Möglichste getan werden, um das Arbeitsumfeld familienfreundlich zu gestalten, sagte der Freidemokrat dem „Handelsblatt“ (Montag).

Von der Leyen bekräftigte ihren Vorstoß für familienfreundlichere Bedingungen in der Bundeswehr und verteidigte ihn gegen Kritik. „Natürlich ist der Soldatenberuf kein Beruf wie jeder andere“, sagte die CDU-Politikerin am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Bei Kampfeinsätzen wie in Afghanistan gebe es keine Teilzeit. „Aber im Grundbetrieb (...), da müssen die Rahmenbedingungen optimal sein.“

Von der Leyen wies darauf hin, dass auf einen Soldaten in Afghanistan 35 Soldaten zu Hause kämen, die zum Beispiel für Logistik, Technik und Sanitätswesen zuständig seien. „Wir haben keine Wehrpflicht mehr. Niemand muss zur Bundeswehr, sondern alle kommen freiwillig. Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein, wie bei allen anderen Berufen auch“, sagte die Ministerin.

Künftig sollen Soldaten nach dem Willen der Ministerin ganz selbstverständlich Teilzeitmöglichkeiten nutzen können, etwa die Option einer Drei- oder Viertagewoche in einer Familienphase, ohne Karriererückschritte. „Ich denke auch an Lebensarbeitszeitkonten, auf die Überstunden eingezahlt werden und von denen Freizeiten abgehoben werden können, sei es für die Betreuung von kleinen Kindern oder alter Eltern“, hatte sie in der „Bild am Sonntag“ erklärt. Die häufigen Versetzungen der Soldaten will von der Leyen auf das Notwendige begrenzen. Als eine der ersten Maßnahmen plant von der Leyen den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen. Für die Betreuung in Randzeiten sollte stärker mit flexiblen Tagesmüttern gearbeitet werden.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Familienfreundlichere Bundeswehr: Grüne kritisieren von der Leyens Vorstoß "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich halte den Vorstoß von Frau von der Leyen aus noch ganz anderen Gründen für nicht realistisch. Wie soll das im Ernstfall aussehen? "Ich kann jetzt nicht, bin gerade am Stillen", oder was?
    Man kann doch die Bundeswehr, vor allem, wenn es Soldaten betrifft, die jederzeit einsatzbereit sein sollen, nicht mit einem X-beliebigen Unternehmen vergleichen, in dem solche Strukturen vielleicht möglich sind.

  • @ N_K „Es soll auch schon Rohrkrepierer gegeben haben,...“

    Bei einem Schleudersitz wird nicht geschossen, erst recht nicht bei politischen. Die Bedienung des „roten Knopfes“ besorgt im Regelfall der Amtsinhaber selbst, die Opposition oder die Neider der eigenen Fraktion. Rohrkrepierer gibt es in der Politik sehr viele, man betrachte alle Parlamente in D. Die meisten Abgeordneten erfüllen die Kriterien, der Leidtragende ist zwar kein Schütze aber Wähler und dem ist offenbar noch nicht genug politischer Unfug um die Ohren geflogen. Zudem scheint Frau vdL die BW mit der Heilsarmee zu verwechseln.
    @ Redaktion, was gibt es an diesem Beitrag auszusetzen? Der politische Weg eines Verteidigungsministers hat bisher in den meisten Fällen ein vorzeitiges Ende genommen, die, die die volle Amtszeit absovierten können an einer Hand abgezählt werden. Frau vdL wird nicht dazu gehören.

  • Bei einer insgesamt zurückgehenden Bevölkerungsentwicklung (trotz Zuwanderungen) muss sich die Bundeswehr sicherlich dem Wettbewerb um geeignete Soldaten / Soldatinnen stellen. Dami ist das mittel- und langfristige Ziel doch i.O. - die Umsetzung wird natürlich problematisch werden - aber kein Ziel setzen wäre wohl sträflich ..

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%