Familienpolitik
Bischof verteidigt „Gebärmaschinen“-Äußerung

Aller Empörung zum Trotz – der Augsburger Bischof Walter Mixa steht weiter hinter seinen harschen Äußerungen über die Politik von Familienministerin von der Leyen. Er bereue nichts, sagt er. Doch Mixas "Gebärmaschinen"-Schelte provoziert immer mehr Proteste. Von einem "Kreuzzug" und "fehlendem Respekt für die Entscheidung der Eltern" ist die Rede.

HB BERLIN. Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat seine Kritik an Familienministerin Ursula von der Leyen gegen Proteste aus beiden großen christlichen Kirchen verteidigt. Seine Äußerung, die CDU-Politikerin wolle Frauen zu Gebärmaschinen degradieren, bereue er nicht, sagte Mixa am Freitag in der ARD.

Von der Leyens Vorschlag zum massiven Ausbau der Kleinkindbetreuung werde der Wirklichkeit nicht gerecht. Mixa schlug alternativ vor, das Erziehungsgeld für jene jungen Mütter anzuheben, die allein erziehen oder auf einen Nebenverdienst angewiesen seien. Dann hätten sie Zeit für den Nachwuchs.

Mixa hatte von der Leyens Vorstoß als „schädlich für Kinder und Familien“ bezeichnet, weil er „auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert“ sei. Von der Leyen will bis zum Jahr 2013 die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren auf 750 000 verdreifachen und damit Müttern die Erwerbstätigkeit erleichtern.

Innerhalb der katholischen und evangelischen Kirche wurden Mixas Äußerungen kritisiert. Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann sagte der „Passauer Neuen Presse“, sie könne die Kritik in keiner Weise nachvollziehen. Auch die christlichen Kirchen sollten alles für ein kinderfreundliches Deutschland zu tun.

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper, plädierte dafür, Eltern eine echte Wahlfreiheit zu geben, ob sie ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren während der Arbeitszeit in eine Betreuungseinrichtung geben. „Wir brauchen mehr Respekt für die Entscheidung der Eltern“, sagte er dem Blatt.

Auch in der Politik stießen die Bemerkungen des Bischofs umgehend parteiübergreifend auf Unverständnis. Grünen-Chefin Claudia Roth warf dem Bischof vor, einen "Kreuzzug" gegen ein besseres Angebot bei Kinderbetreuungseinrichtungen zu führen. Offensichtlich könne er die Lebensrealität der Menschen, "für die er eigentlich Glaubenshirte sein soll", nicht einschätzen, sagte Roth der Zeitung "Augsburger Allgemeine".

Der Favorit für das Amt des künftigen CSU-Vorsitzenden, Erwin Huber, hat sich im Streit um die Familienpolitik auf die Seite von der Leyens geschlagen. "Frau von der Leyen hat einen völlig richtigen Kurs eingeschlagen", sagte Huber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die aus Teilen der Union geäußerte Kritik an von der Leyen, sie wolle zu DDR-Verhältnissen zurück, nannte der CSU-Politiker "völlig abwegig". "Das wir ein breiteres Angebot an Kinderbetreuung brauchen, ist doch klar", sagte Huber.

Der bayerische Wirtschaftsminister forderte, der Bund solle die Anrechnung der Kindererziehungszeiten im Rentenrecht verbessern. "Auf diese Weise käme man beiden Gruppen entgegen: den Frauen, die Kinderbetreuung und Berufsausübung verbinden, und den Frauen, die für die Erziehung der Kinder längere Zeit aus dem Beruf aussteigen wollen."

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