Familienpolitik
„Gedöns“ als wirtschaftlicher Faktor

Krippenplätze – kaum ein Schlagwort bestimmte die politischen Diskussionen in letzter Zeit mehr. Der positive Aspekt der öffentlichen Diskussion: Die Missstände rückten in den Mittelpunkt. Der negative Aspekt ist, dass der Begriff der Familie sich vom emotionalen Anker zum wirtschaftlichen Faktor hat degradieren lassen müssen.

Neulich, es war genau zwischen dem „Weltlachtag“ und dem „Deutschen Venentag“, haben wir in aller Stille den „Internationalen Tag der Familie“ gefeiert. Es ist einer dieser ritualisierten Kalendereinträge, die niemandem weiter aufgefallen wären, hätten sich da nicht auf einen Schlag „lokale Bündnisse“ präsentiert, „Info-Foren für junge Mütter, Väter und Berufsrückkehrerinnen“ zu Wort gemeldet oder hätte es da nicht ein „Schnupperklettern im Fun-Park“ gegeben. In Salzburg wurde der Familientag gar mit dem „Internationalen Museumstag“ kombiniert – eine Koinzidenz, die zu heiterer Nachdenklichkeit verleiten könnte, wenn sich das Thema nicht gar so ernst und so streng gäbe.

Es geht schließlich um Familie. Und damit um jene gesellschaftliche Großdebatte, die zu Kalkulationsproblemen des Kinderkrippenwesens geschrumpft ist. Die Angelegenheit „Familie“ muss schon deshalb wichtig sein, weil in den Debatten der Begriff mit solch bedeutsamen Ko-Substantiven wie „Vereinbarkeit“ verbunden wird, manchmal sogar mit Produktivität oder Reproduktion. Meist aber mit Arbeit, Wirtschaft und Gewinn, irgendwie mit Mühsal.

„Deutschland braucht mehr Kinder in den Familien und mehr Familie in der Gesellschaft“, weiß sich die wirtschaftsnahe „Allianz für die Familie“ mit der Bundesregierung einig. Sie will „Familienbewusstsein als Markenzeichen in der deutschen Wirtschaft etablieren“. So könnte der Claim „made in Germany“ ganz neue Bedeutung erhalten.

„Erfolgsfaktor Familie. Unternehmen gewinnen“ ist eine der zahlreichen Kampagnen überschrieben, die aktuell zu Nachrichten werden möchten. Andere Initiativen verbinden, fast beschwörerisch, die Gegenwart der Kleingemeinschaften mit den angeblich besten Aussichten für das große Ganze: „Kinder sind Zukunft“, „Familie ist Zukunft“. Wenn es um Kinderkriegen und Familiengründen geht, wird es feierlich.

Vor neun Jahren klang das noch anders, als der damalige Neu-Kanzler Gerhard Schröder über „Familie und das ganze andere Gedöns“ dröhnen konnte. Die Zeiten haben sich also geändert. Unerwartet und unerwartet heftig haben sich Industrie, Handel, Arbeitgeber und Gewerkschaften des Themas „Familie“ angenommen. Ob dies die Institution „Familie“ befördert oder beschädigt, wird sich in ein, zwei Generationen weisen. Ob der Diskurs mit dem aktuellen Zeitgeist kompatibel ist, darüber ist schon jetzt die eine oder andere Überlegung erlaubt.

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