Familienpolitik Institut warnt vor Kostenexplosion beim Betreuungsgeld

Das umstrittene Betreuungsgeld könnte noch zum Bumerang für die Koalition werden. Grund sind die Kosten. Nach Einschätzung des Kölner IW könnte die Finanzierung schon im kommenden Jahr aus dem Ruder laufen.
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Kabinett beschließt Betreuungsgeld

BerlinNun ist es beschlossene Sache: Trotz aller Widerstände hat das Bundeskabinett am Mittwoch das Betreuungsgeld abgenickt. Familienministerin Kristina Schröder kündigte sogar an, dass die Kosten in den kommenden beiden Jahren wohl um jeweils 100 Millionen Euro unter den bisherigen Planungen bleiben würden. Das wird die Kritiker kaum besänftigen. Die Kommunen warnen schon vor Mehrkosten. Und auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält einen deutlichen Anstieg der Kosten für das Betreuungsgeld in den kommenden Jahren für möglich.

Die Gesamtkosten des Betreuungsgeldes hingen von der Annahme ab, für wie viele Kinder Betreuungsgeld gezahlt werde. Dies hänge wiederum vom Erreichen der Ausbauziele der Kinderbetreuung ab. „Gelingt es nicht, die Ausbauziele bis zum Jahr 2013 zu erreichen, dürften die Kosten des Betreuungsgeldes deutlich höher liegen“, sagte der stellvertretende Leiter des Bereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik am IW Köln, Axel Plünnecke, Handelsblatt Online.

Hinzu kämen indirekte Auswirkungen auf Bund, Länder und Sozialversicherungen, da nach Einschätzung Plünneckes durch das Betreuungsgeld die Erwerbstätigkeit der Mütter um rund 100.000 sinken dürfte. „Dadurch entgehen der öffentlichen Hand Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen. Diese dürften die Gesamtkosten der öffentlichen Hand um rund ein Viertel erhöhen“, sagte der IW-Ökonom.

Generell sieht Plünnecke das Betreuungsgeld aus ökonomischer Sicht kritisch. „Es setzt gerade für Personen mit geringen Einkommensperspektiven und Teilzeitkräfte Anreize, aus dem Arbeitsmarkt länger auszuscheiden“, sagte er. „Dies senkt auch langfristig die Einkommensperspektiven dieser Haushalte und erhöht deren Armutsgefährdung.“ Auch seien es gerade Kinder aus bildungsfernen Haushalten, die von einer Förderung in einer Kita profitieren würden, fügte Plünnecke hinzu. „Daher wäre es ökonomisch sinnvoller, die Infrastruktur auszubauen, damit Eltern ihre Erwerbswünsche realisieren können.“ Hierdurch würde man beispielsweise Alleinerziehende unterstützen, deren Armutsrisiken reduzieren und langfristig auch zur Fachkräftesicherung in Deutschland beitragen.

Dass das am Mittwoch vom Bundeskabinett gebilligte Betreuungsgeld den Staat zunächst weniger kosten wird als bisher geplant, hält Plünnecke nicht für überraschend. „Die Kosten im Jahr 2013 könnten realistisch sein, da hier ja erst verzögert und mit einem geringeren Betrag begonnen wird“, erläuterte der IW-Experte. Für 2014 hänge die genaue Größe wiederum davon ab, wann welche Altersgruppe welchen Betrag erhalte. Daher könnten auch diese Zahlen durchaus stimmen. Für das Jahr 2015 geht das Ministerium davon aus, dass dann alle Bezugsberechtigten in vollem Umfang Betreuungsgeld erhalten und kalkuliert dies auf 1,23 Mrd. Euro. „Nicht berücksichtigt sind jedoch die entgangenen Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge“, gab Plünnecke zu bedenken. „Diese dürften rund 300 Millionen Euro betragen und sind aus ökonomischer Sicht das eigentliche Problem des Betreuungsgeldes  - Verschlechterung der Anreize zur Arbeitsaufnahme von Eltern.“

Interaktive Infografik

Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Kindertagesbetreuung

Stichtag: 1. März 2011

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35 Kommentare zu "Familienpolitik: Institut warnt vor Kostenexplosion beim Betreuungsgeld"

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  • Dumm, dümmer, Politiker

  • Übrigens: Ich definiere mich nicht über meinen Mann. Eine Frau ist nicht nur "Gattin", es sei denn, sie definiert sich als Kindergebärperson, die vom Mann finanziell abhängig sein will. Die meisten Frauen, die mit Chefärzten verheiratet sind, wollen nicht über seinen Beruf definiert werden, sondern haben eine eigene Persönlichkeit, leisten viel, sind meistens ebenso berufstätig, nicht selten auch Akademikerin. Das Gerücht, dass Frauen, die einen Arzt geheiratet haben, vorher in schlecht bezahlten Berufen waren und - wie das Unterhaltsrecht so schön konstruiert - ihren Lebensstandard verlieren, wenn sie geschieden werden und dann wieder als "Sekretärin" arbeiten müssen, ist eben ein Gerücht. Ich kenne keine Frau, die erst durch die Heirat finanziell besser gestellt ist. Wohl aber kenne ich viele, die wegen der Karriere des Mannes die eigene hinten an gestellt hat, weil sich die Partner sonst wegen der übermäßigen Arbeitszeiten überhaupt nicht mehr gesehen hätten und deshalb heute erhebliche Ehe bedingte Nachteile haben. Das dürfte bei Frauen mit niedrigem Einkommen, die einen Mann mit niedrigem Einkommen heiraten, deutlich seltener der Fall sein.

  • Hier schreibt Ihnen mal eine "Chefarztgattin": Ich arbeite seit ich meine BErufsausbildung zuende habe. Mein Mann arbeitet beinahe rund um die Uhr. Wir fallen abends erschöpft ins Bett und haben keine Freizeit. Das Geschöpf "Chefarztgattin" als Feindbild haben wir einer Justizministerin der Vergangenheit zu verdanken, die offenaber eine Neiddiskussion auslösen wollte und das auch geschafft hat. Bei Menschen wie Ihnen fällt das auf fruchtbaren Boden, aber Sie haben keine Ahnung davon, was es heißt, mit einem Chefarzt verheiratet zu sein. Man ist alleinerziehender als die meisten anderen und hat natürlich auch noch dem Mann den Rücken frei zu halten. Der hat auch nicht immer so ein EInkommen, wie manche denken, aber egal, er und seine Frau eignen sich für Neidbilder. Ich glaube nicht, dass irgendeine, die hier auf Chefarztehefrauen schimpfen, mit einer tauschen will. Mein Mann hat 3 Kinder, zwei mit mir und eins mit einer anderen. Glauben Sie wirklich, man lebt dann von üppigem Geld? Da haben die meisten Durchschnittsverdiener mehr, aber pauschal kann man ja mal Parolen verbreiten und Chefärzten und deren Ehefrauen etwas nachsagen. Das zeugt allerdings nicht von viel Nachgedacht! Was sind Sie denn von Beruf?

  • "Bestverdiener" sollen kein BG bekommen. Und wie verhält sich das mit dem Grundgesetz? Wollen Sie ausgerechnet diejenigen von der Gleichbehandlung ausschließen, die die meisten Steuern zahlen? ich dachte immer, man darf niemanden wegen xy diskriminieren!
    Davon mal abgesehen: "Bestverdiener" kann man nur sein, wenn man arbeitet. Wen meinen Sie also?
    Das Betreuungsgeld erhält doch dann die Mutter des Kindes. Und warum soll eine es nicht bekommen, weil der Vater ihres Kindes viel verdient? Immerhin würde sie dann ja auch noch dafür "bestraft", dass sie mit ihm verheiratet ist. Wäre sie es nämlich nicht, wäre sie ja Alleinerziehende. Und dann? Soll sie das BG dann auch nicht kriegen, weil sie dem Mann alles bis auf 1050 Euro weg nehmen könnte, um sich einen gehobenen Lebensstandard zu erhalten und die Gemeinschaft vom BG zu entlasten? Weil Ihrer Meinung nach nur Frauen einen Anspruch auf BG hätten, die entweder nicht verheiratet sind oder deren Männer zu den Geringverdienern gehören? Wo setzt das an? Wie hoch darf Einkommen sein? Was wird berücksichtigt? Der Mann mit 5000 Euro Einkommen kriegt für sein Kind nichts? Egal, ob er 3 oder 4 od er 5 Kinder von 3 Frauen hat, die alle zuhause bleiben wollen?

    Die Argumente wegen Einkommens sind m. E. nur Parolen derjenigen, die immer nur meinen, sich vom Staat bedienen zu lassen. Aber der Staat sind wir. Und ich jedenfalls will für keine Mutter BG mitbezahlen. Frauen können arbeiten, wenn sie wollen. Es geht beim Geld um IHREN Lebensunterhalt, nicht um den des Kindes.

  • Die Überschrift widerspricht sich selbst. Eine "Kostenexplosion" beim Betreuungsgeld würde ja sehr viel Geld sparen, denn dann fielen ja die weit höheren Krippenkosten für diese Fälle weg.

  • Die Kostenexplosion ist bei den KITAs!

    jedes Kind, das nicht in die Kita geht, und für das stattdessen Betreuungsgeld gezahlt wird, spart dem Steuerzahler Geld!

    Oder seid Ihr alle blind?

  • Schon wieder SPD,kommunistische Kommunalpolitik, Baby gehört zur Mami nicht zur Kita,selbstbewusste Gangs haben wir genug auf die Strasse und für Gewinnmaximierung sollte sich Politiker und Ökonomen etwas anderes einfallen lassen.Alles hat eine Grenze und wir leben im 21 Jahrhundert.Einzige Rohstoff,Mensch,wurde in Deutschland vernachlässigt und geplündert."Gut`s angelegtes Geld".

  • Hurra, Hurra...Dope für die Massen..es gibt Länder auf der Welt, hochzivilisiert, die haben mehrköpfige Familien und geben gar keine Kopfprämie o.ä...Wie geht das denn ??

  • Eine erstaunliche Logik: Entgangene Steuern und Sozialabgaben werden als Kosten berechnet, Einsparungen durch eine geringere Inanspruchnahme von Kitas dagegen verschwiegen - immerhin kostet ein Kitaplatz fünfmal mehr als das BG. Und ein Widerspruch in sich: Wenn vor allem Geringverdiener(innen) von der Erwerbstätigkeit abgehalten werden, wird es sich wohl kaum um hochqualifierte Fachkräfte handeln. Völlig absurd sind die Äußerungen der Kommunen, die das BG nicht finanzieren müssen, wohl aber die die Kitaplätze. Wenn die "Sprecher" der Kommunen wirklich deren Interessen und nicht parteipolitische verträten, müssten sie das BG eher positiv aufnehmen. Und warum schließlich sollen Mütter von kleinen Kindern unbedingt arbeiten, während die gleichen Argumente über den Anreiz zur Arbeit bei Hartz-IV-Empfängern regelmäßig zu einem Auschrei führen? Dieses "Denken" konsequent zu Ende gedacht, kommt man beim bedingungslosen Grundeinkommen für alle, aber Zwangsarbeit für Mütter kleiner Kinder an. Linke und Wirtschaft in einem Boot - das kann nicht wirklich gesund sein. Diese Kampagne wird immer abstruser!

  • Schon mal darüber nachgedacht, dass man nicht alles haben muss? Nur, weil es Eis an jeder Ecke gibt, muss man es ja nicht auch dauernd kaufen. Unsere Gesellschaft ist inzw. zu einer sehr anspruchsvollen geworden. Die Kommentare pro BG lesen sich überwiegend so: Nein, nicht in die Kita, das ist sozialistisch und außerdem: Wozu bekomm ich denn meine Kinder?
    Und genau diese Frage sollten sich die Befürworter mal stellen. Wer sich Kinder wünscht, bekommt sie sicher nicht mit dem Anspruch, kleine zukünftige Rentenzahler zu bekommen. Sie erfüllen sich einen Kinderwunsch. Es gibt keine Kinderpflicht. Es ist freiwillig. Es gibt andere Menschen, die wollen keine Kinder. Sie haben dann aber auch keine Möglichkeit, sich aus dem Erwerbsleben einfach so zurück zu ziehen und sich - wie ledige Mütter - ihr vorheriges Nettoeinkommen einzuklagen oder wenn das nicht klappt, Sozialhilfe zu verlangen und jetzt noch oben drauf für ihren Wunsch, lieber ein Kind als arbeiten, Betreuungsgeld zu verlangen. Für ihren eigenen Lebensbedarf selbst aufkommen? Nein, das sollen bitte die anderen. Kinder sind in D ein wunderbares Alibi, wenn man damit Geld von anderen bekommen kann. Ich habe meine Kinder bekommen, weil ich gemeinsam mit meinem Mann so entschieden habe, aus Liebe und weil wir den Wunsch hatten, gemeinsam Kinder zu haben. Gemeinsam. Und das galt auch in Zeiten der Trennung. Alle Entscheidungen gemeinsam. Ich verklag doch nicht den Vater meines Kindes, um mir einen ungeschmälerten Lebensstandard zu erhalten, dem Kind möglichst hohen Unterhalt zu verschaffen, damit ich mich auf keinen Fall irgendwie mal selbst anstrengen muss und er steht am Ende da und kann seine Schulden nicht mehr bezahlen, nicht mal seine bisherige Wohnung. Ich habe aber auch gleich gearbeitet nach der Geburt der Kinder. Sie waren stundenweise bei der Tagesmutter und JA, mein Gehalt ging fast dafür drauf, ich habe mein Auto verkauft und wir sind nie in den Urlaub gefahren, Flohmarktkäufe. Eigenverantwortung.

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