Familienpolitik
Von der Leyens Liebling, Teil zwei

Kind plus Karriere? Lediglich 60 Prozent der deutschen Mütter mit Kindern unter 12 wagen den Spagat und arbeiten. Das schlechte Gewissen kommt nicht von innen, sondern von außen. Handelsblatt-Redakteurin Stefanie Bielen antwortet auf einen Bericht ihres Kollegen Thomas Ludwig, der über den Erziehungsurlaub mit seiner Tochter schrieb.

DÜSSELDORF. Schon Monate vor Milas Geburt hat eine Freundin mir von der Mama-Phase erzählt: „Dann will dein Kind immer nur in deiner Nähe sein. Du musst es trösten, wenn es fällt, und auf den Arm nehmen, wenn es danach verlangt. Vater, Oma oder Opa sind dann abgeschrieben.“

Es klang ein bisschen Stolz mit in ihrer Stimme, obwohl sie wegen der Mama-Phase seit Monaten schon nicht mehr ohne Kind ausgegangen und entsprechend genervt war. Noch nicht einmal abends, weil der Nachwuchs ausschließlich von ihr ins Bett gebracht werden mochte.

Diese Ausprägung der Mutterfreuden wollte ich auf jeden Fall vermeiden – genauso wie mein Mann Sascha. So haben wir uns entschieden, die Erziehung zu teilen und auch andere Menschen zu Milas Bezugspersonen zu machen. Schließlich macht mir mein Beruf großen Spaß. Bislang hatte er mehr als nur 40 Stunden in der Woche mein Leben dominiert. Ich konnte mir nicht vorstellen, ganz auf ihn zu verzichten.

Heute ist Mila anderthalb Jahre alt, und ich arbeite vier Tage die Woche. Die Mama-Phase ist zum Glück ausgeblieben. Mila mag es, wenn sie Freunde oder Verwandte ins Bett bringen. Seit sie sechs Monate alt ist, geht sie zu ihrer Tagesmutter. Mein Mann hatte kurz vor der Geburt eine neue Stelle angenommen – eine Auszeit kam für ihn nicht in Frage. Überflüssig zu erwähnen, dass sein Marketing-Job besser bezahlt wird als der einer freien Journalistin.

60 Prozent aller deutschen Frauen mit Kindern unter zwölf Jahren arbeiten. Das sind zu wenige, sagt Familienministerin Ursula von der Leyen. Nirgendwo in Europa arbeiten mehr Frauen Teilzeit als in Deutschland. Ärztinnen oder Unternehmensberaterinnen verdingen sich nach der Geburt ihrer Kinder in Teilzeitjobs, die im Karriere-Abseits enden.

„Frauen müssen sich noch immer entscheiden: Kind oder Karriere“, steht in der Studie „Karrierek(n)ick Kinder“ von der Bertelsmann-Stiftung, die die Familienministerin kürzlich zusammen mit der Unternehmerin Liz Mohn vorgestellt hat. Grund dafür ist nach Ansicht der Familienministerin: „Das Klischee der ,Rabenmutter’, das in Deutschland im 21. Jahrhundert noch immer existiert, macht es den Frauen besonders schwer. Notwendig ist ein kultureller Wandel, um Vorurteile und Stereotype abzubauen und um eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Leistung bewertet anstatt Anwesenheit.“

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