Familienpolitik wird Wahlkampfthema: Es hapert an Betreuungsplätzen

Familienpolitik wird Wahlkampfthema
Steinbrück entdeckt sein Herz für Kinder

Es hapert an Betreuungsplätzen

Demnach gibt es insgesamt ein Versagen in der Familienpolitik in den letzten Jahrzehnten, zu verantworten also von Union, FDP, SPD und Grünen gleichermaßen. Ein Befund der Forscher ist, dass bestens ausgebildete Frauen vom Job ferngehalten würden – und mangels Rentenbeiträgen die Altersarmut von morgen so noch gefördert werde.

Das wiederum trifft die Union, die mit dem ab August ausgezahlten Betreuungsgeld das Erziehen daheim stärken will. Eltern, die für ihr Kind im zweiten und dritten Lebensjahr keinen Kita-Platz oder eine staatlich bezahlte Tagesmutter in Anspruch nehmen, erhalten dann monatlich erst 100, später 150 Euro. Die Koalition rechnet mit 1,1 Milliarden Euro Kosten pro Jahr, die Opposition mit 2 Milliarden.

Die Forscher brechen den Informationen zufolge eine Lanze für den Ausbau von Betreuungsangeboten. Doch genau hier hapert es massiv. Ebenfalls ab August haben Eltern für ihre Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf Betreuung entweder in einer Kita oder bei einer staatlich geförderten Tagesmutter. Doch nach Statistiken fehlten 2012 noch 220 000 Plätze. Den Kommunen droht eine Welle an Schadenersatzforderungen. Wenn es keine Plätze gibt, könnten mehr Eltern als gedacht das Betreuungeld in Anspruch nehmen.

Die Familienpolitik dürfte nun erst recht eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte wiederholt den Kita-Ausbau als zu schleppend kritisiert. SPD und Grüne wollen das Betreuungsgeld rückgängig machen und den Kita-Ausbau verstärken, damit Frauen nicht zu lange aus dem Arbeitsleben gerissen werden.

Die SPD plant für Eltern zudem ein flexibles Arbeitszeitmodell mit einer 30-Stunden-Woche für Vater und Mutter. Dazu soll es staatliche Zuschüsse geben. Zudem soll das Kindergeld so umgestaltet werden, dass gerade alleinerziehende, arbeitstätige Mütter mehr bekommen als bisher, während für Einkommen ab 70 000 Euro brutto die Freibeträge für Betreuung, Erziehung und Ausbildung abgeschafft werden sollen.

Zudem dringt die Opposition auf ein Ende des Ehegattensplittings, weil es ein heute nicht mehr zeitgemäßes Alleinverdiener-Modell sei. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast fordert nun Ehrlichkeit von der Bundesregierung. Schwarz-Gelb verfolge in dem Bereich ideologische Parteiinteressen. „Die Regierung Merkel drückt sich schon lange um eine fundierte Grundsatzdebatte über die deutsche Ehe- und Familienförderung“, kritisierte Künast am Sonntag.

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Kommentare zu "Steinbrück entdeckt sein Herz für Kinder"

Alle Kommentare
  • Wer keine Großeltern vor Ort hat, die auch mal einspringen, wenn die Kinder krank sind oder "frau" doch mal länger als erwartet arbeiten muss, hat es als Frau im Berufsleben mit Kindern ohnehin schwer - egal, ob Voll- oder Teilzeitjob. Zudem stelle ich immer wieder fest, dass Frauen, die wieder arbeiten gehen, dann aber zusätzlich noch eine Putzhilfe haben. Die nimmt dann in der Regel minimum 10 EUR/Stunde. Das muss Frau netto auch erst mal wirklich selbst verdienen. Rechnet man Fahrtkosten zur Arbeit, Kosten für Krippe/Kindergarten bzw. Hort, zusätzlich schickere Arbeitsklamotten und die wöchentlichen Kosten für eine Putzfee zusammen - lohnt sich für die Normalverdienerin in Teilzeit in Lohnsteuerklasse 5 der ganze Aufwand zumindest finanziell ganz oft nicht. Sicherlich, wer gut verdient oder die Arbeit als Hobby hat, für den mag das Modell des Doppelverdienens interessant sein. Daher sollte es jeder Frau freigestellt sein, welche Variante sie wählt. Dafür ist es aber wichtig, dass man/frau in ALLEN Berufen wieder so viel verdient, dass man/frau davon auch mit Familie leben kann, ohne mit H4 aufstocken zu müssen.
    Ich hatte als Kind auch den Genuss einer zur Arbeit gehenden Mutter und habe immer die Kinder beneidet, deren Mutter nachmittags Zeit für ihren Nachwuchs hatte. So möchte ich auch Zeit für meine Kinder haben und sie nicht in Krippe oder Ganztagsschule ganztags wegverwaltet wissen. Die Zeit mit Kindern ist so wertvoll - warum gibt die Gesellschaft den Müttern, die daheim bleiben wollen, nicht die Chance, ihre Kinder als "Nur-Hausfrau und Nur-Mutter" großzuziehen?
    Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln,
    wenn sie groß sind, verleih ihnen Flügel.
    Wurzeln - die bekommen Kinder nur von einem stabilen Elternhaus und in den ersten Lebensjahren ganz gewiß am ehesten von der Mutter - nicht von einer Massenaufbewahrungsstätte in einer Krippe - egal wie gut die Erzieher ausgebildet sind.

  • Schon diese enorme Herausforderung als Wahlkampfthema zu deklarieren, macht mich sehr hellhörig.Ein Thema, was in unserem Land Basispolitik aller Parteien sein sollte!
    Wie lange soll diese Verdummung eigentlich noch gehen?
    Herr Steinbrück kann sich wirklich mit Engagement für seine eigenen Belange einsetzen, jedes Thema willkommen, um auf den Zug aufzuspringen.

  • wir haben auch nich genug gut bezahlte Vollzeitstellen für all die Frauen. Hätten wir die, dann wären nicht so viele im Minijob, Niedriglohnjob und anderem. Im Landkreis wo meine eltern leben, arbeiten 45% der Frauen im Minijob. Wer glaubt denn daran, dass auf einmal, urplötzlich, genug gut bezahlte Vollzeitstellen zur Vfg. stehen, mit denen die dann KV selbst bezahlen können -- sollen das auch noch sv-pflichtige Stellen sein??

    diese ominöse Studie redet zwar ständig davon, wie wunderbar dann Frauen wieder Arbeitsanreize haben, erwähnt aber mit keinem Wort, wo auf einmal all diese normal bis gut bezahlten Stellen herkommen. Wir würden ja das Arbeitsangebot masssiv ausdehnen, wenn alle mitarbeiten sollen.

    Nun weisen aber etliche Studien von IAB und anderem darauf hin, dass eben kein Jobbboom bei Svpflichtigen Stellen ist, sondern in der Vergangenheit langfristig seit 2002 massiv Vollzeit- und SV-Teilzeitstellen abgebaut worden sind.

    Frauen fluten mittlerweile v.a. die Niedriglohnsektoren und die McJobs. Da Stellen nicht auf Bäumen wachsen, entsteht für ärmere Familien eher eine Überlastung.

    Bei Arbeitslosigkeit sind die sowieso schon finanziell überlastet, da kein eigenständiger ALH Anspruch mehr für den Partner besteht und jetzt soll es noch extremistischer werden, um Frauen Vollzeit auf einen überfüllten Arbeitsmarkt zu drängen.

    würden alle Vollzeit arbeiten wollen, hätten wir 13 Mio Arbeitslose. Und dank Automation und Rationalisierung und Prozessinnovationen steigt das Überangebot und Unterbeschäftigung weiter an.

    wo früher dann Mann 40 Std-Woche hatte, und Frau 0, sollen in Zukunft wohl Mann und Frau 40 Std-Woche haben. Eigentlich brauchen wir aber maximal Teilzeit für alle: Er 25 und Sie 25 z.B.

  • Das Ärzteblatt weißt aber immer wieder darauf hin, dass gerade viele Ärztinnen nur Teilzeit arbeiten wollen, sowohl im Krankenhaus als auch in Praxen. Meine Hausärztin arbeitet vollkommen FREIWILLIG Teilzeit und hat an 3 Tagen die Woche nur die Praxis auf.

    Das Ärzteblatt weißt darauf hin, weil man ggf. mehr Studienplätze schaffen muss, weil eben viele gern TEILZEIT arbeiten wollen.

    wollen wir nun jeden ständig zu Vollzeitarbeit zwingen?? Lass die doch!

    die meisten Frauen die ich kenne, wollen TEILZEITSTELLEN, nicht Vollzeit.

    Geht das auch mal in die Hirne von irgendwelchen Emanzen und Ultrafeministinnen rein, oder sind die schon zu fundamentalistisch?

    die ARGE fängt bereits an junge Mütter unter Druck zu setzen, sie mögen ihre kleinstkinder bitte Vollzeit in 49 Std-wochen Krippen abliefern, selbst wenn sie auch mit Vollzeit noch ergänzend Hartz brauchen, weil gehalt zu niedrig.

    Das schadet nachher nur -- andere Frauen verzichten dann gleich ganz auf Kinder.

  • viele wollen nunmal keine Kinder mehr:

    https://www.elitepartner.de/magazin/studie-grunde-fur-die-kinderlosigkeit-der-deutschen.html

    die echten Gründe für Kinderlosigkeit:

    Gründe für Kinderlosigkeit (Liierte, 30-44 Jahre)

    1. Mein Leben gefällt mir ohne Kinder (19%)
    2. Karriere zunächst wichtiger (18%)
    3. Finanzielle Gründe (17%)
    4. Freiheiten ausleben (15%)
    5. Unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten (11%)
    Gründe für Kinderlosigkeit (Singles, 30-44 Jahre)

    1. Passender Partner fehlt (67%)
    2. Mein Leben gefällt mir ohne Kinder (17%)
    3. Freiheiten ausleben (15%)
    4. Finanzielle Gründe (14%)
    5. Karriere zunächst wichtiger (13%)
    Akademikerinnen: Karriere wichtiger als Kind

  • die Spd arbeitet immer nach dem Motto, links blinken, rechts abbiegen. Jetzt werden große Versprechungen gemacht, z.B. das alle Teilzeit arbeiten dürfen nachher und dann knickt man vor der Wirtschaftslobbie ein und kreiert ein Monster namens Vollzeitarbeitende Niedriglöhnern mit Kind in der 49Std-Woche-Krippe.

    Rot-Grün hat Schuld, dass immer mehr Frauen im Niedriglohnsektor arbeiten und ausgebeutet werden. Da ist es nur konsequent den nächsten Schritt zu wagen und noch merh Frrauen in den Billiglohnsektor in Vollzeit reinzuschubsen. Dahin tendieren wir nämlich.

  • Volker Kempf fragt sich in seinem Artikel, ob die heutige Familienpolitik überhaupt noch am Wohle des Kindes ausgerichtet ist http://www.atkearney361grad.de/2013/02/05/mehr-familie-wagen/

  • @Osterwelle
    In der Regel gehe ich ja mit Ihnen konform, aber bei diesem Kommentar frag ich mich, ob ich einen Filmriss habe. Wollen Sie die SPD tatsächlich als humanistische Partei bezeichnen?
    Meines Erachtens ist die SPD vom Humanismus soweit entfernt, wie Deutschland von Australien. Es gibt keine Partei, die die Bereitschaft der Menschen zu Solidarität und Nächstenliebe so rückhaltlos missbraucht, wie die SPD. Das ist nicht mal unbedingt Programm, sondern spiegelt den tatsächlichen Egoismus vieler SPD-Wähler wider. Man gibt sich nach außen hin als Gutmensch und billigt jedem seine biologische Existenz zu. Gleichzeitig setzt man dem Begünstigten aber unmenschlich enge Grenzen, innerhalb derer er seine Gegenleistung zu erbringen hat, dass es der Sklaverei sehr nahe kommt. Das als Humanismus zu bezeichnen, ist Heuchelei. Dieser spezielle SDP-Humanismus ist auch nicht selbstverständlich, sondern Mittel zum Zweck, und der ist die Aufrechterhaltung eines vom Kapital gelenkten Staates. Sklavenhalter sind somit die Kapitalisten, nur sind diese nicht die vorgeschobenen Banker oder Wirtschaftslenker. Es sind die Aktionäre und Teilhaber, die sich wiederum Wölfe halten, damit sie die Sklaven antreiben, während die eigentlichen Kapitalisten sich ihre weiße Weste erhalten und dabei die Sklaven infiltrieren. Sklaven sind aber nur diejenigen, die mit nichts zur Welt kommen und nie zur Teilhaberschaft aufsteigen können. Gerade das betreibt aber die SPD, indem sie auf eine Steuer- und Abgabenlast orientiert, mit der niemand wirklich zum Teilhaber wird.
    Normalerweise sollte sich das in einer Demokratie über die Mehrheitsverhältnisse regeln. Die SPD-Wähler lassen sich aber vom SPD-Humanismus derart blenden, dass sie gar nicht erkennen können, was Humanismus eigentlich bedeutet. Sie sind so auf Überleben, Funktionieren und Dienen fixiert, dass sie dabei glatt übersehen, was Leben eigentlich ist oder mit den heutigen Möglichkeiten zumindest sein könnte.

  • @Charly
    Richtig, der Erklär-Peer will in den Kitas Vorträge halten. Das Taschengeld wird aber nicht reichen, deshalb muss er vorher erst die Finanzlage der Kinder verbessern, so dass die für sein Honorar dann Kredite aufnehmen können.

  • Die ganze Diskussion ist nutz- und wertlos, weil es letztlich nur um die weitere Abzocke der Familien geht. Deswegen stellt man mit einem bezahlten Gutachten die Vergangenheit in Frage. Wie falsch soll sie denn gewesen sein, wenn sie über 60 Jahre richtig war? Und da sollten unsere schwachen "Momentpolitiker" recht haben? Rot und Grün sollten erst einmal den Hartz IV-Betrug und den Rentnerbetrug wegräumen. Neue Antworten gibt es nicht, also auch keine Stimmen.

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