Familienunternehmer
Kampagne gegen rot-grüne Vermögensteuerpläne

Die Familienunternehmer machen gegen die „rot-grüne Steuererhöhungsorgie“ mobil. Verbandspräsident Lutz Goebel lässt zunächst Plakate kleben. Dann wollen die Unternehmer Mitarbeiter und Betriebsräte ins Boot holen.
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BerlinDie deutschen Familienunternehmer wollen mit einer massiven Kampagne gegen rot-grüne Pläne für eine Erhöhung der Vermögensteuer protestieren. Mit den am Dienstag startenden Aktionen solle Politik, Arbeitnehmern und den Betriebsräten die Folgen der „rot-grünen Steuererhöhungsorgie“ klar gemacht werden, sagte Lutz Goebel, Präsident des Verbands der Familienunternehmer, dem Handelsblatt. SPD und Grüne wollen im Falle eines Wahlsiegs die Vermögensteuer zwischen ein bis eineinhalb Prozent erhöhen.

Die Kampagne, die sich bis zur Bundestagswahl am 22. September erstrecken soll, ist breit angelegt. Den Start macht am heutigen Dienstag eine Plakataktion in Berlin. Hinzu kommt Werbung gegen die Vermögensteuer auf über 600 Taxis in der Hauptstadt, die Unternehmer verschicken einen Brandbrief an alle Bundestagabgeordneten. Mitte Juni wird dann ein Anti-Vermögensteuer-Kongress folgen. Pikant dabei: Die Unternehmer wollen nicht nur bei der Politik Widerstand leisten. „Viele Familienunternehmer werden ihre Mitarbeiter und Betriebsräte ansprechen“, sagte Goebel. Er persönlich werde die Folgen der Vermögensteuer für seinen Betrieb seinen Mitarbeitern vorrechnen.

Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf, hat durchrechnen lassen, was die bereits vorliegenden Vermögensteuermodelle ihre Firma gekostet hätten, wenn sie bereits während der Krise nach 2008 gegolten hätten. „Uns wären je nach Modell zwischen 50 und 75 Millionen Euro entzogen worden – und dies in einer Zeit, in der der Umsatz um 40 Prozent eingebrochen war“, sagte Leibinger dem Handelsblatt.

Den Beteuerungen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, er wolle eine Vermögensteuer einführen, die die Substanz der Unternehmen unangetastet lasse, glauben die Familienunternehmer nicht. Wolfgang Herges aus St. Ingbert im Saarland, der eine Stahl- und Blechbau-Firma betreibt, warnt: „Auch wenn die SPD und Grüne behaupten, die Substanz nicht angreifen zu wollen, entzieht ihre Vermögenssteuer oder- abgabe den Betrieben schleichend Eigenkapital, weil wir weniger thesaurieren können.“

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Familienunternehmer: Kampagne gegen rot-grüne Vermögensteuerpläne"

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  • Steuererhöhungen vor der Wahl zu versprechen scheint kein großes Risiko, wenn man es psychologisch klug anpackt. Einerseits erschleicht man sich einen gewissen Vertrauensbonus, werden solche Vorhaben ins soziale Mäntelchen verpackt und an die Adresse der Wähler gerichtet veröffentlicht, verbunden mit der Erklärung, dass diese Steuererhöhungen ja nur die anderen treffen, müsste der Wahlerfolg sicher sein.


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