FDP-Bundesparteitag
Der Drahtseilakt

Zwischen Hoffen und Bangen: Nach drei Jahren Tabula Rasa will die FDP neu aufgestellt und mit einem neuen Programm den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen. Sicher ist der Erfolg im September nicht.
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„Wir haben wieder eine Chance“, sagt Christian Lindner bei seiner Rede zum Auftakt des Bundesparteitags der FDP. „Unser großes Ziel ist der Wiedereinzug in den Bundestag.“ Bisher ist das jedoch nur eine Hoffnung. Sicher ist ein Erfolg bei der Wahl noch nicht.

Dabei stimmen viele Eckdaten. Die Veranstaltungen der Partei seien gut besucht, „oft genug reichen die Räume nicht mehr aus und die Leute müssen stehen“, freut sich Lindner. Die Aussteller beim Bundesparteitag sind wieder da und geben gerne Geld, um in Kontakt mit den Delegierten zu kommen. Gleich im Eingangsbereich steht ein dickes Auto, Unternehmer bekennen sich öffentlich zur Partei, auch das Spendensammeln läuft gut. Fünf Millionen Euro hat die Partei laut eigenen Angaben zur Verfügung für ihr Schicksalswahljahr. Die Stimmung stimmt, der Vorstand gibt sich harmonisch, die Delegierten fühlen sich mitgenommen.

Jene Delegierten, die schon dabei waren, als Guido Westerwelle noch Parteichef waren, freuen sich darüber, dass ihre Vorschläge anders als früher inzwischen beachtet und nicht einfach abgebügelt werden, so wie in der Vor-Lindner-Zeit. „Dieser Programmentwurf wäre nicht möglich gewesen ohne das Jahr 2014“, sagte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. „Jedes Mitglied habe die Möglichkeit gehabt, darüber mitzudiskutieren.“

Die Eckdaten mögen stimmen. Doch die Umfragen ziehen nicht mit. Mitte vergangenen Jahres sahen die Werte schon mal besser aus, über Monate bekam die FDP sieben bis acht Prozent der Stimmen. In den vergangenen Monaten lagen die Werte meist zwischen fünf und sechs Prozent. Und je mehr es im Bundestagswahlkampf auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Union und SPD hinausläuft, desto mehr steigt die Gefahr, dass potenzielle FDP-Wähler lieber der Union ihre Stimme geben, um Martin Schulz als Kanzler zu verhindern.

Es ist ein Drahtseilakt. Auf der einen Seite müssen Mitglieder und Wähler zum Glauben an den Erfolg der Partei bewegt werden. Auf der anderen Seite dürfen sie sich aber nicht zu sicher sein, dass der Wiedereinzug schon gesetzt ist.

Das weiß auch der Parteivorstand. „Es wird noch ein weiter Weg“, mahnt Katja Suding, frisch im Amt bestätigte stellvertretende Bundesvorsitzende. „Wenn wir jetzt schon glauben, dass schon Plätze im Bundestag für uns reserviert sind, dann sind wir auf dem besten Wege, es wieder zu vermasseln.“

Am Freitag hatte Lindner die 662 Delegierten auf Zusammenhalt eingeschworen. „Niemals dürfen Eitelkeiten die Zusammenarbeit bestimmen“, sagte er. „Niemals darf der Respekt voreinander in Frage gestellt zu werden.“

Das Trauma in der Partei sitzt tief. Immer wieder kommt die Sprache auf die schmähliche Niederlage bei der letzten Bundestagswahl, die die Partei auf Bundesebene in die Bedeutungslosigkeit verdammte. Die FDP war damals tief zerstritten und zerlegte sich öffentlich gegenseitig.

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