FDP-Chef Lindner im Interview
„Viele wählen CDU – aber mit schlechter Laune“

Christian Lindner rechnet ab: Merkel wickle ihre Agenda-Politik ab, Taxifahrer verfluchten die Arbeitsministerin, die AfD mache „Biedermeier-Politik“. Der FDP-Chef im Interview über Prinzipien und Fehler seiner Partei.
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DüsseldorfChristian Lindner kommt ein paar Minuten zu spät zum Interview-Termin in seinem Büro im Düsseldorfer Landtag. Er wirkt aufgebracht, soeben hat er im Plenum die rot-grüne Landesregierung attackiert, wegen der geplanten Erhöhung der Grunderwerbsteuer. Für Familien sei das unzumutbar, schimpft der FDP-Chef, als stünde er noch am Rednerpult. Kurze Zeit später entspannt sich Lindner dann wieder. Jetzt habe er sich abgeregt, sagt er. Nun könne das Interview beginnen.

Herr Lindner, Deutschland ist genervt vom Bahnstreik und vom Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Sie auch?
Die Funktionäre der GDL und ein offensichtlich überambitionierter Vorsitzender haben das ganze Land für Partikularinteressen lahmgelegt. Die Koalitionsfreiheit des Grundgesetzes haben die verantwortungslos ausgelegt. Freiheit ohne Verantwortungsgefühl führt ins Chaos. Was diesen Mann reitet, ist mir schleierhaft. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Hexenjagd auf den GDL-Vorsitzenden als Person mit Enthüllungen aus dem Privatleben ist einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig.

Die Bundesregierung will mit der Tarifeinheit die Macht von Spartengewerkschaften wie der GDL eindämmen. Gut oder schlecht?
Ich bin zuerst gespannt, ob das verfassungsrechtlich Bestand haben wird. Die Hürden sind sehr hoch, denn eine Einheitsgewerkschaft kennt das Grundgesetz zu Recht nicht. Im Arbeitsrecht sind Klarstellungen denkbar. Es muss in unserer Gesellschaft erlaubt sein, von Entscheidungsträgern Verantwortungsbewusstsein zu verlangen. Im Übrigen gibt es für Reisende ja als Alternative eine Reihe von privaten Verkehrsangeboten.

Aber viele sind es nicht. Wenn ich nach Frankfurt muss und nicht die Deutsche Bahn nehmen will, wird es schwierig.
Da haben sie aber eine andere Wahlmöglichkeiten. Es ist ein Liberalisierungserfolg meiner Partei, dass Sie neuerdings einen Fernbus nehmen können.

Schon mal probiert?
Steht auf meiner To-do-Liste. Ich höre von großer Zufriedenheit. Jedenfalls hat die Bahn, auch dank der FDP, einen Wettbewerber. Das ist der positive Nebeneffekt des Streiks: Man lernt plötzlich, dass es da auch andere Möglichkeiten gibt.

Ähnliches haben sich zuletzt wohl auch Wähler gedacht und ihr Kreuz woanders als bei der FDP gemacht. Wie sehr schmerzt es Sie, nicht mehr in der Bundespolitik dabei zu sein?
Natürlich würde ich gerne der Frau Bundeskanzlerin am Rednerpult des Deutschen Bundestags sagen, dass mich ihre Politik regelrecht empört. Deutschland hat die Chancen, unsere gegenwärtige Stärke für die Generation der Kinder und Enkel zu sichern. Wir müssen unser Wissen und unser Kapital klug investieren, die Wettbewerbsfähigkeit ausbauen und einen neuen Gründergeist fördern. Stattdessen wird die Agenda-Politik abgewickelt, der Wohlstand nur neu verteilt und ansonsten Besitzstandswahrung betrieben.

Andererseits denken ja viele: Kanzlerin Merkel macht einen guten Job, läuft doch eigentlich alles ganz okay in Deutschland.
Die Koalition lebt im Status Quo. Bei allem Respekt vor der Lebensleistung der Älteren: Wer nur Interessen und Ängste der Rentner bedient, versündigt sich an deren Enkeln. Der Deutsche Bundestag ist zur Vollversammlung der Sozialdemokratie geworden. Statt die Anpassungsfähigkeit für innovative Lösungen zu stärken, bekommen wir Preiskontrollen bei Löhnen und Mieten. Schwarz-Rot verfolgt eine planwirtschaftliche Energiepolitik, die den Fortschritt bremst, weil die Dauersubventionen alle Wettbewerbsanreize killen. Das Rentenpaket ist ein Frühverrentungsprogramm, das den Fachkräftemangel verschärft. Modern wäre, die Selbstbestimmung zu stärken und längeres Arbeiten attraktiv zu machen. Es werden zentrale Freiheiten der marktwirtschaftlichen Ordnung in der Tradition von Ludwig Erhard und Otto Graf Lambsdorff eingeschränkt. Mich überrascht, dass wenig Protest aus der Mitte der Gesellschaft gibt.

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  • Wieder einmal entlarvt sich der kalte Neoliberale Lindner selbst. Es gab Zeiten, da lehnte die FDP die menschenverachtende Hartz-IV Agenda selbst ab. Nun, wo man zur Splitterpartei geworden ist, versucht man das neoliberale FDP-Unternehmerklientel durch die Lobeshymden auf die menschenverachtende Hartz-IV Agenda zu umgarnen.
    Und dann die Schelte für die Alten. Insbesondere die westdeutsche Rentnergeneration hat in den letzten Jahren ja nicht einmal die Geldentwertung ersetzt bekommen. Soll es noch weniger sein? Nach Lindners Meinung wohl schon. Widerlich! Außerdem wäre die FDP selbst gut beraten die Performance des eigenes Führungsduos mal kritisch zu hinterfragen. Da ist dieser Kubicki,der in diversen Talkshows für seinen Wehrdienstbetrug in jugendlichen Jahren fast schon gelobt werden will, und der in jedem dritten Interview verkündet, dass bei jedem längeren Urlaub ohne die Ehefrau bei ihm die Ehebrecherinstinkte
    rauskommen. Da ist Lindner, der mit KFW-Krediten seine Internetfirmen versenkt hat, als FDP-Generalsekretär gescheitert ist und nun dabei ist auch als FDP-Chef alles zu ruinieren. Dieses nach den Maßstäben vieler Menschen halbseidene Führungsduo steigert die Substanz und Wertigkeit der FDP-nun wirklich nicht und ist fundamental gesehen noch viel schlimmer als Rössler und Brüderle.
    Die Totenglocken der FDP, sie läuten kraftvoll und unumkehrbar.

  • übrigens: Tagesspiegel ist öffentlich/rechtliche Medienkampagne, kann man nicht ernst nehmen!

  • " .... http://www.tagesspiegel.de/politik/afd-bernd-lucke-bekommt-putin-fans-und-neurechte-nicht-in-den-griff/10868382.html Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. AfD nicht wählen"

    @HB: Wo bleibt hier die Zensur!!!???


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