FDP-Chef unter Druck
Westerwelle-Anhänger holen zum Gegenschlag aus

Liberale Kritiker und Anhänger von FDP-Chef Westerwelle äußern sich im aktuellen Machtkampf vielstimmig. Der Vizekanzler weiß jedoch wichtige Parteifreunde hinter sich, die seinen Rückzug ablehnen.
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HB BERLIN. Der angeschlagene FDP-Chef Guido Westerwelle hat Rückendeckung aus dem mächtigsten Landesverband Nordrhein-Westfalen, aber auch aus Bayern und Baden-Württemberg erhalten. „Westerwelle wird nicht hinschmeißen“, sagte der nordrhein-westfälische FDP- Landesvorsitzende Daniel Bahr der „Financial Times Deutschland“. Es gebe keine Mehrheit gegen Westerwelle in der Partei. Die Liberalen müssten vielmehr aufpassen, ihr Führungspersonal nicht zu demontieren und Erfolge in der Regierung nicht zu zerreden.

In der Zeitung „Die Welt“ wies Bahr den Vorschlag des rheinland-pfälzischen FDP-Spitzenkandidaten Herbert Mertin zurück, Westerwelle im Wahlkampf angesichts seines schlechten Images und miserabler Umfragewerte nicht auftreten zu lassen. „Das ist kein Erfolgsmodell, im Gegenteil: Die Vergangenheit zeigt, dass man damit einen Wahlkampf erst recht versemmelt.“ Auch Bayerns FDP-Chefin, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sieht die Ära Westerwelles als Parteivorsitzender noch nicht am Ende. „Die Tage des Jahres sind gezählt, sonst nichts“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“.

Der FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Ulrich Goll, sagte der Zeitung „Die Welt“: „Ich halte gar nichts davon, in einer zweifellos schwierigen Lage hektisch und panisch zu werden und das Personal auszutauschen.“ Man habe für die Wahl Ende März zwar „keinen Rückenwind aus Berlin zu erwarten, aber dann müssen wir es eben aus eigener Kraft schaffen“. Der Stuttgarter Justizminister distanzierte sich von einem offenen Brief, den einige Mitglieder des Landesverbandes an Westerwelle geschrieben hatten und in dem sie seinen Rücktritt fordern. „Ich hätte diesen Brief nie unterschrieben und halte ihn für falsch“, sagte Goll.

Der Generalsekretär der saarländischen FDP, Rüdiger Linsler, der bereits im August den Rücktritt Westerwelles als Parteichef gefordert hatte, erneuerte indes seine Kritik. „Es war seinerzeit schon klar, dass wir mit Guido Westerwelle bedingt durch seine Doppelfunktion als Außenminister und FDP-Chef die Trendwende nach dem katastrophalen Absturz nicht schaffen würden. Leider wollten er und viele andere die verfahrene Situation nicht wahrhaben“, sagte Linsler der „Saarbrücker Zeitung“. Es dürfe in Zukunft „keine One-Man- Show mehr geben, wie es in all den Jahren unter Westerwelle war“.

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  • Was Westerwelle nicht versteht ist, auf politischer Ebene ist jeder, absolut jeder, ersetzbar.
    Als hätte er besondere politische Akzente gesetzt die bedeutsam waren und in Erinnerung bleiben. Wohl kaum.
    Das Amt des Aussenministers ist mindestens 2 Nummern zu gross für ihn. Er kann sich selbst nicht einschätzen, seine Reflektionen über die Ereignisse in der Welt sind bestenfalls banal, meistens beschränkt.
    Seine Pluspunkte waren...? mh, was denn eigentlich? Seine grosse Klappe? Er war eine zeitlang in den Medien beliebt, weil man ihm was zugetraut hat.
    Jetzt nicht mehr.

    Wenn eine Partei tatsächlich glaubt, das so ein Mann nicht austauschbar ist, sollte sie sich auflösen.

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