FDP-Generalsekretär attackiert Seehofer
"Kulturelle Abschottung ist falsch"

Die Zuwanderungsdebatte wird zum neuen Streitfall in der schwarz-gelben Bundesregierung. FDP-Generalsekretär Christian Lindner weist die ablehnende Haltung von CSU-Chef Horst Seehofer zur weiteren Zuwanderung von ausländischen Arbeitern zurück.
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BERLIN. "Für mich war das kein fachlicher Beitrag von Horst Seehofer. Es war der Versuch, die Lufthoheit über den Stammtischen von Thilo Sarrazin zurückzugewinnen", sagte Lindner dem Handelsblatt. "Pauschalurteile und kulturelle Abschottung sind falsch", sagte der FDP-Politiker weiter

Lindner sagte, er habe zwar "Verständnis für eine volkstümliche Politik, aber sie bringt uns in der Sache nicht weiter". "Entscheidend für Zuwanderung sind nicht das religiöse Glaubensbekenntnis oder die private Lebensführung, sondern die Akzeptanz unserer Rechtsordnung und die Bereitschaft zur Integration in Wirtschaft und Gesellschaft. Wer also nach unseren Regeln spielt und mithilft, unser Land nach vorne zu bringen, sollte uns willkommen sein."

Der FDP-Politiker setzte sich für "fordernde Integrationspolitik, die Zuwanderern Chancen eröffnet, sie aber auch in die Pflicht zur Kooperation nimmt, notfalls mit Sanktionen wie dem Entzug von Sozialleistungen". Bei einer gesteuerten Zuwanderung sei die Sorge vor Belastungen der Sozialsysteme unbegründet. "Uns geht es nicht um Migranten, die Sozialleistungen verzehren, sondern um neue Mitbürger, die Steuern zahlen. Bei Hochqualifizierten gibt es höchst selten Integrationsprobleme", sagte Lindner weiter.

Lindner verwies auf das Punktesystem seiner Partei, mit dem gezielt Spitzenkräfte ins Land geholt werden könnten. Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält der FDP-Generalsekretär die Weiterqualifikation von inländischen Kräften allein nicht für ausreichend. "Ein Teil der Langzeitarbeitslosen verfügt leider über keinerlei Schul- und Berufsabschluss. Die wird man nicht zu Ingenieuren nachqualifizieren können. Ohne Zuwanderung würden wir es schwer haben, die Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsstärke zu halten", sagte Lindner.

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  • Herr Lindner setzt den alten Klamott fort, der seine Partei och unter 5 Prozent bringen wird: Unter dem Schutz des Rufes nach Qualifizierten (die die industrie bei der nächsten Rezession postwendend auf die Strasse setzen wird) wandert die kommende Altersarmut und ihr Schuldenberg ungebremst ein. Die Grünen wollen das so - es sind ihre Arbeitgeber und Wähler.

  • Die Antwort: Das Rennen ist verloren,die Restdeutschen wollen sich nicht mehr fortpflanzen, ist zu unbequem, macht zu viel Umstände, ist zu teuer,ist ein Armutsrisiko,der import ist kostengünstiger und weniger zeitaufwändig.

  • bei einer Geburtsrate von 1,3 in D (Frankreich 2,0 UK 1,98 USA 2,1) wird auch in Zukunft das vampierhafte Aufsaugen von im Ausland gut Ausgebideten (die es in der nötigen Anzahl gar nicht gibt)nicht mehr viel helfen. Kein Mensch kommt offenbar in diesem Land mehr auf die idee durch geeignete Maßnahmen die Familiengründung in jungen Jahren zu fördern und die Geburtsrate auf eine vergleichbare Größe wie in den europäischen
    Nachbarländern zu bringen. Preisfrage:Warum wohl?

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