FDP-Generalsekretär Lindner
„Die Märkte riechen doch Angst“

Das Euro-Krisenmanagement gehört in die "Kategorie Hühnerhaufen", findet FDP-Generalsekretär Lindner. Zur Lösung der Euro-Krise empfiehlt er den Schuldenstaaten radikale Maßnahmen.
  • 36

BerlinFDP-Generalsekretär Christian Lindner hat heftige Kritik am Ankauf spanischer und italienischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) geübt. „Die Europäische Zentralbank fällt in eine Politik zurück, die ich nicht für empfehlenswert halte. Die Notenbank darf nicht Partei werden“, sagte Lindner dem Handelsblatt. Auch eine Aufstockung des Rettungsfonds EFSF stehe für seine Partei nicht zur Debatte: "Es sind noch nicht einmal die alten Beschlüsse wirksam", sagte Lindner. 

Lindner forderte die überschuldeten Staaten auf, konsequent die strukturellen Krisenursachen zu lösen. "Für eine stabile Währung und ein Ende der Krisen-Feuerwehr sollten alle Euro-Staaten eine Schuldenbremse in ihre Verfassung aufnehmen", sagte Lindner. "Das beschleunigt die Konsolidierung." 

Beim kurzfristigen Krisenmanagement dürfe die Politik nicht in blinden Aktionismus verfallen, warnte Lindner. Dies sei ein Ausdruck von Hilflosigkeit der Politik gegenüber der Finanzindustrie mit weitreichenden Konsequenzen. „Die Märkte riechen doch Angst und reagieren durch Spekulation“. Die Regierungserklärung von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zur Haushaltspolitik bezeichnete Lindner als „eher gespenstisch als beruhigend“.

Den Alarmbrief von EU-Komissionspräsident Manuel Barroso ordnete er in die „Kategorie Hühnerhaufen“ ein. Barroso hatte bereits in der vergangenen Woche eine erneute Aufstockung des 440 Milliarden Euro schweren Krisenfonds EFSF gefordert und dabei auf heftigen Widerstand von Deutschland und von Eurogruppen-Chef Juncker gestoßen. In einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten hatte Barroso die Regierungen zu einer „raschen Überprüfung aller Elemente des EFSF“ aufgefordert. Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds „über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen“, sagte Barroso.

Barroso hatte gesagt, die Entscheidungen des EU-Sondergipfels vom 21. Juli über die Aufstockung der Finanzhilfen für Griechenland und über die Ausweitung der EFSF-Aufgaben hätten „nicht die beabsichtigte Wirkung auf den Märkten“.

Der Gipfel hatte beschlossen, dass der EFSF auch vorsorglich zur Unterstützung von Staaten tätig werden darf, dass er Anleihen von Banken aufkaufen und Kapitalhilfen an Banken geben kann. Die Märkte verwiesen bei ihrer Skepsis vor allem auf „die undisziplinierte Kommunikation und die Komplexität und Unvollständigkeit der Beschlüsse vom 21. Juli“, schrieb Barroso. „Es ist klar, dass wir es nicht mehr nur mit einer Krise an der Peripherie der Eurozone zu tun haben“, mahnte Barroso die Staats- und Regierungschefs.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " FDP-Generalsekretär Lindner: „Die Märkte riechen doch Angst“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Funktion von Angst ist aus psychologischer Sicht eine wichtige. Sie hat nämlich eine Warnfunktion. Wenn ich an einem Abgrund stehe und ich habe keine Angst, dann ist die Wahrscheinlichkeit um einen Schritt vorwärts zu tun.
    Somit muss man grundsätzlich unterscheiden, ist es eine reele Gefahrensituation und die Angst berechtigt oder ist es eine irrationele Angst.
    Ich denke bei der momentanen Situation ist die Angst berechtigt und sollte man auch drauf hören.
    Und den Finanzmärkten ist es scheissegal, ob jemand Angst hat oder nicht. Somit ist die Behauptung, dass man in diesem Falle keine Angst haben sollte, gelinde gesagt, verkehrt.


  • Die Ursache liegt vielleicht tatsächlich im Psychologischen, die den Satz mal wieder wahr werden lässt, dass das Gegenteil von gut gut gemeint ist: In der deutschen Schuldkultur und den dadurch ausgelösten Weißwaschungszwängen durch Selbstkasteiung sowie in dem damit verbundenen nationalen Selbsthass der Linken, der zur bedingungslosen Priveligierung selbst von mordenden Migranten und perverser-, aber logischerweise dazu geführt hat, dass Täterschutz über den Opferschutz gestellt wird.

  • Vielleicht sollten wir statt Rettungsschirm die alte Aktion von Care-Paketen wieder ins Leben rufen.
    Oder noch zu DDR-Zeiten die weihnachtlichen Aktionen mit Paketen schicken für unsere Brüder und Schwestern im Osten, die die Post sogar umsonst befördert hat.
    Heute machen wir es eben für unsre Brüder und Schwestern in Europa.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%