FDP im Jamaika-Shitstorm Alle gegen einen

FDP-Chef Christian Lindner hat die Jamaika-Gespräche abgebrochen. Das nehmen ihm die anderen Parteien schwer übel. Über die sozialen Medien machen sie ihrem Ärger Luft. Union und Grüne teilen dabei kräftig aus.
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Christian Lindner, FDP Bundesvorsitzender: Nach dem Jamaika-Abbruch im Twitter-Shitstorm. Quelle: dpa
Christian Lindner.

Christian Lindner, FDP Bundesvorsitzender: Nach dem Jamaika-Abbruch im Twitter-Shitstorm.

(Foto: dpa)

BerlinPaukenschlag in Berlin kurz vor Mitternacht: Die FDP hat die Jamaika-Sondierungen mit CDU, CSU und Grünen abgebrochen. Damit stürzt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in die schwerste Krise ihrer zwölfjährigen Amtszeit. Doch nicht die Kanzlerin steht nun im Kreuzerfeuer, sondern die Liberalen und ihr Parteichef Christian Lindner.

Der hatte den Rückzug der FDP mit fehlendem Vertrauen begründet. Zudem sei es nicht gelungen, eine gemeinsame Idee für die Modernisierung des Landes zu finden. Dies wäre aber eine Voraussetzung für eine stabile Regierung gewesen, sagte Lindner. Erzielte Kompromisslinien seien bei den gestrigen Gesprächen wieder infrage gestellt worden. Lindner betonte, es sei besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.

Merkel bedauerte die Entscheidung der FDP. Die Union habe geglaubt, dass man gemeinsam auf einem Weg gewesen sei, bei dem man eine Einigung hätte erreichen können, sagte die Kanzlerin. CSU-Chef Horst Seehofer nannte es „schade, dass es nicht gelungen ist, zu Ende zu führen, was zum Greifen nahe war“. Andere an den Sondierungen beteiligte Politiker überzogen die FDP mit scharfer Kritik. Im Folgenden eine Auswahl an Reaktionen, die über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurden:

Julia Klöckner, CDU-Bundesvize
„Das kann man so machen, wie die FDP es tat, muss man aber nicht. Gut vorbereitete Spontanität. Aber wir gehen weiter respektvoll mit allen um und respektieren die Entscheidung. Anständig wär es gewesen, wenn alle Parteivorsitzenden gemeinsam den Abbruch hätten verkünden können.“

Cem Özdemir, Grünen-Chef
„Wir mussten heute feststellen, dass die einzig mögliche Konstellation, die demokratisch nach der Wahl möglich war, von einer Partei, die mit uns verhandelt hat, nicht gewollt wurde. Kultur des Kompromisses ist für eine funktionierende Demokratie elementar.“


Reinhard Bütikofer, Grünen-Unterhändler
„FDP wollte eigentlich schon heute Morgen abbrechen, suchte dafür Schulterschluss mit Union. Als die nicht mitmachte, sah FDP sich zunächst zum Weiterreden gezwungen. Jetzt ging sie doch. Lindner wählt seine Art von populistischer Agitation statt staatspolitischer Verantwortung.“


Dieter Janecek, Grünen-Wirtschaftspolitiker
„Ihr (die FDP) habt das vorgebliche Wohl und die Inszenierung eurer Partei über das Wohl des Landes gestellt. Bitter.“

Roderich Kiesewetter, CDU-Außenpolitiker
„Die Bevölkerung, die bei der #Bundestagswahl viel Vertrauen schenkte, erwartet von den wieder in den #Bundestag gezogenen Parteien mehr sittliche Reife zum Wohle unseres Landes, an meiner Partei #CDU liegt es nicht.“

Kai Whittaker, CDU-Bundestagsabgeordneter
„@c_lindner rennt wegen mangelndem Vertrauen aus der Sondierung raus. Die Wahrheit ist, er ist ohne Vertrauen in die Gespräche rein. Niemals in der Geschichte wurden so viele Chancen für so viele Menschen von so wenigen Verantwortlichen weggeschmissen wie heute von der @fdp“

Jan-Marco Luczak, CDU-Bundestagsabgeordneter
„Ist es besser, vom Spielfeldrand zuzusehen, ohne mitgestalten zu können? Dafür ist die @fdp bestimmt nicht von den Menschen gewählt worden. Verantwortung geht anders!“

Jan-Philipp Albrecht, Grünen-Europaabgeordneter
„Krass. Die Partei, die mit den wenigsten Überzeugungen in die Gespräche gegangen ist und dennoch am wenigsten Zugeständnisse gemacht hat, bricht nach 4 Wochen die Verhandlungen ab. Das ist der neue Lindner-Populismus der FDP.“

Sven- Christian Kindler, Grünen-Haushaltspolitiker
„Die Wahrheit ist doch. Die FDP unter @c_lindner ist mit ihren Positionen bei Asyl, Europa und Klima auf rechten, populistischen Kurs und wollte nie wirklich Verantwortung übernehmen.“

Thomas Jarzombek, CDU-Digitalexperte
„Hätte ich nicht für möglich gehalten. Der Schaden ist heute Nacht kaum bezifferbar und geht über die Parteien hinaus.“

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6 Kommentare zu "FDP im Jamaika-Shitstorm: Alle gegen einen"

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  • Der tapfere Ritter Christian hat Deutschland vor der bösen Hexe Angela und ihren hinterhältigen grünen Zwergen bewahrt. Ich ziehe hochachtungsvoll meinen Hut vor ihm und seinen heldenhaften Mannen von der FDP und hoffe, dass Merkel und Seehofer endlich ihren Hut nehmen, um zu gehen.

  • 3 Gründe, weshalb Jamaika-Verhandlungen gescheitert sind. Zunächst einmal fehlte die Führung. 2. Hat die FDP staatspolitisch verantwortlichen, fairen, parlamentarischen Umgang verlernt. 3. Spaltpilz CSU:erst die Gesellschaft,dann die GroKo,dann die Union,dann sich selbst,jetzt Jamaika!
    Nach der Wahl ist vor der Wahl:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4

  • Schon in Nds hat FDP staatspolitische Verantwortung vermissen lassen. Jetzt im Bund. Demokratie verlernt! Wähler werden das nicht goutieren. Kraftprotzpaket wird wieder verzwergen.
    Nach der Wahl ist vor der Wahl:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4

  • Also ich finde es sehr positiv, daß es noch jemand/noch eine Partei in diesem Deutschland gibt, die diesen Merkelschen Schwachsinn nicht mehr mitmacht und klare Kante gezeigt hat.
    Ich hoffe nun, daß es Neuwahlen gibt und in die geht die Union ohne Merkel, wenn sie schlau ist.
    Denn nun ist es am Souverän zu sagen, wie es weitergehen soll zu Wohle Deutschlands und nicht zum Wohle der sogenannten Politiker von CDU/CSU und Grünen.
    Glück Auf Deutschland.

  • IdF. Von der SPD angesagt, von CL „perfekt ausgeführt“.

  • Erwartungsgemäß ist in den Massenmedien nicht die Schlagzeile

    „M e r k e l i s t g e s c h e i t e r t“ zu finden, obwohl sie diese absurd-lächerliche „Jamaica-Show“ unter ihre Forderung „Ich will Jamaica“ gestellt hatte.

    Stattdessen wird jetzt ein anderer „Schuldiger“ gesucht, der nun die FDP sein soll.

    Fakt ist aber, dass sich die FDP seit Freitag zu weiteren „Gesprächen“ hat breitschlagen lassen „Deadline ist Sonntag 18:00“.

    Jetzt jaulen Alle darüber auf, dass man „keine Gelegenheit“ hatte, gemeinsam, gemeinsam das Scheitern der Sondierungen zu verkünden – die FDP habe nie ein Ergebnis erreichen wollen.

    Der Einzige, der aus „Naivität (?)“ den tatsächlichen Sachverhalt beschreibt, ist dieser gemütlich wirkende Bütikhofer, wie aus seiner Stellungnahme klipp und klar hervorgeht.

    Demnach war es die CDU (stellvertretend für Merkel), die am Sonntagmorgen keinen Abbruch verkünden wollte. Stur wie Merkel war, ist und bleibt, wurde ein „weiter so“ verlangt.

    Da muss und kann sich niemand darüber beklagen, dass die FDP „eigenmächtig“ den Stecker gezogen hat. Die CSU hat diese Gelegenheit, dank dem Populisten Seehofer verpasst und darf sich nicht wundern, dass die Bayernwahl 2018 mit offenem Ende startet.

    Neben dem erfreulichen Abbruch fand ich Fotos von Merkel und links von ihr die von der Laien als einen ausgezeichneten Start in diese Woche. Den Eindruck, den vor allem von der Laien vermittelt ist:

    „Es ist Götterdämmerung“

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