FDP in der Krise: Eine Partei schießt sich ins Abseits

FDP in der KriseEine Partei schießt sich ins Abseits

Was ist nur mit der FDP los? Auf eine Sexismus-Debatte folgt eine Rassismus-Debatte. Und alles nur, weil das Führungspersonal erst redet und dann denkt. Geht das so weiter, macht sich die Partei gänzlich überflüssig.
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BerlinSicher, am Ende war all das schräge, verquere und komplett missverständliche Gebrabbel nicht so gemeint. Doch als Jörg-Uwe Hahn zum Zurückrudern ansetzt, waren seine Interviewäußerungen längst in die Medienmaschine eingespeist und bahnten sich ihren Weg durch die Republik. „Hessens FDP-Chef stellt Akzeptanz Röslers als Vizekanzler infrage“, titelte dpa, Reuters schrieb „Eklat nach FDP-Äußerungen über Röslers asiatisches Aussehen“. Was war geschehen?

Der "Frankfurter Neuen Presse" vom Donnerstag hatte der hessische FDP-Landesvorsitzende und Justizminister gesagt: "Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren." Ein bedeutungsschwangerer Satz, der Interpretationen in alle möglichen Richtungen zulässt. Und der in Wahlkampfzeiten – auch in Hessen wird im Herbst gewählt – ein gefundenes Fressen für die Opposition ist.

Die Reaktionen ließen denn auch nicht lange auf sich warten. Schnell war von Rassismus die Rede. Da nützte es auch wenig, dass die hessischen Ausländerbeiräte dem FDP-Präsidiumsmitglied beisprangen. Das Urteil der Gegenseite stand fest: Mit seiner Äußerungen unterstelle Hahn den Deutschen massive Ausländerfeindlichkeit, sagten Oppositionspolitiker. Als ob Röslers geringe Popularität mit seiner vietnamesischen Herkunft zu tun haben könnte. Ein abwegiger Gedanke, zumal es ja die Liberalen selbst waren, die viele Monate ihren eigenen Vorsitzenden gedemütigt und demontiert haben.

Die Attacken gegen Hahn sind deshalb auch mit Vorsicht zu genießen. Und die Opposition muss aufpassen, dass sie nicht überzieht. Der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour schießt bereits übers Ziel hinaus, wenn er die Hahn’schen Rösler-Gedanken mit den Worten kommentiert: „Er gibt sich dem Rassismus hin, statt sich ihm entgegenzustellen.“

Die Journalisten der "Frankfurter Neuen Presse", die Hahn interviewt hatten, sind selbst überrascht, welchen Furor sie ausgelöst haben. Der Chefredakteur der Zeitung, Rainer M. Gefeller, sagte „Spiegel Online“, die anwesenden Redakteure hätten den Satz Hahns ganz anders wahrgenommen. Der FDP-Mann habe gemeint, dass die Gesellschaft mittlerweile so weit sei, einen Mann wie Rösler als Vizekanzler zu akzeptieren. "Wir verstehen die Aufregung nicht", so Gefeller.

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  • @hellboy
    Wähl die LINKE und gebe denen eine Chance es besser zu machen! Wenn die es nicht bringen kannst Du die immer noch verurteilen! Aber alles ohne Grund in einen Topf zu werfen ist einfach nur dumm und grenzt schon an Paranoia!


    @Polit-Banditen
    "Dann habe ich lieber Paranoia!"
    "So ein Blödsinn!"
    Bevor ich in diesem Leben CDU,SPD,GRÜNE,FDP,LINKE,CSU wähle, hack ich mir lieber die Hände ab!!!
    Das sind "ALLE" nur ein Haufen Korrupter Schwachhöpfe, schon seit Jahrzehnten!



    @hellboy
    Und was soll stattdessen für eine Regierung an die Macht?


    @Polit-Banditen
    Fast alles außer CDU,SPD,GRÜNE,FDP,LINKE,CSU!!!

  • Wenn ALLES relativ wäre, gäbe es nichts, in Bezug worauf irgend etwas relativ sein könnte!
    (erstes Semester "Exakte Logik")

  • ich frage mich allgemein was die Parteien so treiben. Wir haben doch dieses Jahr Bundestagswahl und es genug Sachthemen die aber keiner anfasst.

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