FDP in der Krise
Röslers letzte Chance

Nach dem Lindner-Rücktritt nimmt der Druck auf FDP-Chef Philipp Rösler immer weiter zu. Zwar kann der Parteichef schnell einen Nachfolger präsentieren, aber der Befreiungsschlag bleibt aus. Für Rösler wird es eng.
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BerlinNach dem überraschenden Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner wird in der Partei die Kritik an der Führung wieder lauter. Vor allem Parteichef Philipp Rösler gerät immer mehr unter Druck.

Baden-Württembergs ehemaliger Justizminister Ulrich Goll (FDP) sagte, die junge Parteiführung um Rösler sei gescheitert. „Christian Lindner gibt letzten Endes auf, weil er sieht, dass er seine Ziele nicht erreicht hat. Das gilt nicht nur für ihn allein“, sagte Goll der „Stuttgarter Zeitung“. Die „Boygroup“ habe nicht Fuß gefasst. „Deswegen meine ich schon, dass man in Zukunft einen Mix suchen sollte zwischen jüngeren und erfahrenen Politikern.“ Nun biete sich die Chance, die Dinge nochmals zu ändern, fügte Goll hinzu. „Es ist die letzte Chance für Philipp Rösler.“

Auch der FDP-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag, Gerhard Papke, kritisierte den Parteichef. Er bedauerte den Rücktritt von Lindner und forderte Rösler zu mehr Durchsetzungskraft in der Bundesregierung auf. „Wir brauchen klarere Kante gegenüber der Union. Und das ist vor allem Aufgabe des Parteichefs und Vizekanzlers“, sagte Papke der „Financial Times Deutschland“.

Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, sagte der „Neuen Westfälischen“, es sei „alles andere als hilfreich“ gewesen, dass Rösler den Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm ESM vor Ablauf der Abstimmungsfrist für gescheitert erklärt habe.

Christian Lindner war am Mittwoch ohne nähere Begründung zurückgetreten. „Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz frei machen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen“, sagte der 32-Jährige. Er war in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit dem Mitgliederentscheid Ziel von Kritik geworden. Initiatoren der Abstimmung legten ihm Pannen bei der Organisation zur Last. Sein Verhältnis zu Parteichef Philipp Rösler galt seit längerem als angespannt.

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  • @vonkey
    Gerade auch Ihrem letzten Absatz kann ich zustimmen.
    Aber Fakt ist, dass die Medien teilweise am Gängelband der Politik sind. Die öffentl.-Rechtlichen erinnern mehr und mehr an die Aktuelle Kamera der DDR.
    Merkel hat offenbar diesen Staat auf ganzer Ebene fest in der Hand
    Westerwelle weg zu kicken, war wahrscheinlich ein großer Fehler. Denn allein rhetorisch kann ihm sonst in der FDP niemand das Wasser reichen.
    Und wenn man jemanden weg kickt, sollte man dies nur, wenn man um Längen besser ist.
    Dies aber ist Rösler nicht. Rösler ist ein Gernegroß und überschätzt sich maßlos.
    Hinzu kommt, dass er intellektuell nun gar nichts zu bieten hat.
    Und eine Partei die nur noch aus Kindergartenkindern besteht, kann nicht funktionieren, das müßte doch jedem klar sein.
    Ich glaube, die FDP wird auf Jahre weg sein, sie wird nicht mal mehr in den Bundestag kommen bei der nächsten Wahl
    Ich kann mich den Wünschen nur anschließen, dass Schäffler eine Partei gründen soll, denn Deutschland braucht ein Gegengewicht zum sozialistischen Treiben der anderen Parteien
    Deutschland war politisch noch nie so armselig dran wie derzeit

  • Ich kann Lindner schon verstehen, auch wenn er nicht den waren Grund für seinen Rückzug gemacht haben dürfte.
    Die FDP hat sicherlich Fehler gemacht und als Juniorpartner in einer Koalition wenig Chancen zur eigenen Profilierung bekommen.
    Ein grober Fehler war beispielsweise die "Hotelsteuer" zur eigenen Sache zu machen; wenn ich mich richtig erinnere kam die Idee von der CSU (= Klientelpolitik), die das Thema nach den zurecht erfolgten Aufschreien schnell der FDP zugeschoben hat.
    Von nun an war die FDP ein Fressen für die Medien, das bis heute anhält.
    Ich erinnere nur an die Beckmann-Sendung mit Guido Westerwelle, der dort in beschämender Weise richtig gehend fertig gemacht wurde.
    Ehrlich gesagt finde ich auch Kommentare wie den von Harlekin von solcher Qualität.
    Westerwelles Ausspruch von "Dekadenz", später abgeschwächt auf "spätrömische Dekadenz", war garnicht so unpassend.
    In diesem Umfeld Generalsekretär sein zu müssen, permanent beschimpft, zur "Boygroupe" gehörig tituliert, ... Irgendwann hält man das wohl nicht mehr aus.
    Das dürfte der eigentliche Rücktrittsgrund Lindners gewesen sein.

    Allerdings wagt es nach Kohl und vielleicht noch Schäuble kein Politiker mehr, Medienschelte zu verteilen.
    Die demokratisch nicht legimitierte Macht der Medien und deren teilweise unverantwortliche Anwendung -- das wäre doch mal ein Thema, zusammen mit Presse- und Meinungsfreiheit und deren Selbstkontrolle, wenn es letztere überhaupt noch gibt.

  • Es geht längst nicht mehr um das Überleben der FDP sondern um das Überleben und Weiterbestehen des Liberalismus und liberaler Grundsätze in Deutschland. Dazu ist die FDP mit ihrem derzeizigen Peronal und ihrer kompletten Unfähigkeit intelligent Politik zu machen, eher hinderlich als förderlich.
    Herr Schäffler und andere sind aufgerufen durch eine Parteineugründung den Liberalismus neu zu starten und dem Wähler eine echte Alternative zur Berliner Politik anzubieten, nach dem dieser Ausschau hält, ohne bisher die Chance zu haben fündig zu werden.

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